RF Berlin: Bildungsniveau  der Migranten in Europa steigt auf Rekordniveau

Berlin (15.5.26) – Das Bildungsniveau von Migranten in der Europäischen Union ist seit 2017 kontinuierlich gestiegen. EU-weite Durchschnittswerte verdecken jedoch erhebliche Unterschiede zwischen Herkunftsgruppen, Zielländern und Geschlechtern. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht des Centre for Research and Analysis on Migration (CReAM) an der ROCKWOOL Foundation Berlin (RFBerlin), der auf Eurostat-Daten von Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren in der EU basiert.

Der Anteil von Personen mit tertiärem Bildungsabschluss ist in allen Bevölkerungsgruppen gestiegen. Bei Migranten, die in der EU geboren wurden, stieg er von 29,4 Prozent auf 36,0 Prozent, bei außerhalb der EU geborenen Zuwandern von 26,0 Prozent auf 32,6 Prozent. Bei den Einheimischen erhöhte sich der Anteil von 30,3 Prozent im Jahr 2017 auf 37,7 Prozent im Jahr 2025.

„Das Bildungsniveau steigt nicht nur unter Einheimischen, sondern auch unter Migrantinnen und Migranten aus EU- und Nicht-EU-Ländern“, sagt Tommaso Frattini, Direktor von CReAM@RFBerlin und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mailand. „Das deutet darauf hin, dass sich das Qualifikationsprofil der europäischen Bevölkerung über alle Herkunftsgruppen hinweg verbessert – auch wenn weiterhin erhebliche Unterschiede bestehen.“

Der Bericht zeigt große Unterschiede zwischen den europäischen Ländern. In Irland, Luxemburg, Dänemark, Estland, Lettland, Malta, Portugal und Tschechien besitzen Migranten häufiger einen tertiären Bildungsabschluss als Einheimische. In den meisten anderen EU-Ländern ist der Anteil unter Migranten niedriger, wobei das Ausmaß der Unterschiede stark variiert.

„Es gibt nicht die eine Bildungslücke zwischen Migranten und Einheimischen in Europa“, sagt Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin und Professor für Volkswirtschaftslehre am University College London. „Das Bildungsprofil von Migranten hängt stark davon ab, wer migriert, woher die Menschen kommen und in welchem Land sie sich niederlassen. Integrations- und Qualifizierungspolitik muss deshalb an nationale Gegebenheiten angepasst werden und kann sich nicht allein an EU-Durchschnittswerten orientieren.“

Irland ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie Migrationspolitik die Bildungszusammensetzung von Zuwanderung beeinflussen kann. Im Jahr 2025 lag der Anteil tertiärer Bildungsabschlüsse bei Einheimischen und in der EU geborenen Migrantinnen und Migranten jeweils bei 55,1 Prozent, während er unter außerhalb der EU geborenen Migrantinnen und Migranten 70,7 Prozent erreichte (im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 32,6 Prozent). Der Bericht führt dieses zurück auf Irlands gezielte Politik zur Anwerbung hochqualifizierter Arbeitskräfte. Dazu gehören die „Critical Skills Employment Permits“, die qualifizierte Nicht-EWR-Arbeitskräfte anziehen sollen in Mangelberufen wie IT, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen und spezialisierten Dienstleistungen.

„Irland zeigt, dass Bildungsprofile von Migranten nicht nur davon abhängen, wer migrieren möchte, sondern auch davon, welche Migrationswege Staaten schaffen“, ergänzt Dustmann. „Spezielle Visa-Programme für Hochqualifizierte können die Zusammensetzung der Nicht-EU-Zuwanderung erheblich beeinflussen. Deshalb spielt die Ausgestaltung der Politik eine entscheidende Rolle für das Qualifikationsprofil von Migration.“

Der Bericht zeigt außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen weisen in allen großen Herkunftsgruppen in der EU höhere tertiäre Bildungsabschlüsse auf als Männer. Vergleicht man jedoch Frauen und Männer jeweils getrennt, so sind die Bildungsunterschiede zwischen Migrantinnen und Einheimischen insbesondere bei außerhalb der EU geborenen Frauen am größten – mit besonders ausgeprägten Nachteilen in Ländern wie Slowenien, Finnland und Spanien.

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