Berlin (9.6.26) – Die 100 umsatzstärksten europäischen Unternehmen verschärfen die Ungleichheitskrise – sozial, politisch, wirtschaftlich und ökologisch. Das zeigt der neue Oxfam-Bericht „People, Power, Profits, Planet: How the biggest European companies fuel the global inequality crisis“. Anhand verschiedener Indikatoren und mit Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 untersucht der Bericht erstmals, wie Konzerne in Europa mit ihrer Geschäftspolitik verschiedene Aspekte von Ungleichheit verstärken. Auch 27 deutsche Unternehmen sind Teil der Auswertung. Oxfam fordert eine Begrenzung von Führungsgehältern und eine dauerhafte Übergewinnsteuer.
Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts:
„Egal ob milliardenschwere Dividenden für Aktionär*innen, maßlose CEO-Vergütungen oder vernachlässigte Investitionen in den ökologischen Wandel: Europäische und deutsche Konzerne tragen zur sozialen und ökologischen Krise bei“, sagt Leonie Petersen, Referentin für sozial-ökologische Transformation bei Oxfam Deutschland. „Das ist kein zufälliges Ergebnis wirtschaftlicher Entwicklungen, sondern Ausdruck eines Systems, das zu einem enormen Einfluss von Großkonzernen und der Konzentration von Milliardenvermögen führt. Denn die Rekordgewinne deutscher Unternehmen kommen vor allem den Superreichen des Landes zugute, die als Anteilseigner*innen Entscheidungen der Unternehmen mitbestimmen und von den immer weiter steigenden Dividenden-Ausschüttungen profitieren.“
EU und Bundesregierung bauen soziale und ökologische Standards ab
Der neue Oxfam-Bericht erscheint zu einer Zeit, in der die EU und die Bundesregierung soziale und ökologische Standards abbauen. Unter dem Vorwand der Wettbewerbsfähigkeit werden in Europa und Deutschland bereits erreichte Regelungen geschwächt, etwa bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Lieferkettengesetzgebung.
Um konzerngetriebene Ungleichheit zu reduzieren, ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich. Oxfam fordert unter anderem, den Abstand zwischen der Vergütung von CEOs und dem Medianlohn in Unternehmen auf maximal 20 zu 1 zu begrenzen, die Senkung der Körperschaftssteuer rückgängig zu machen, eine dauerhafte Übergewinnsteuer von mindestens 50 Prozent einzuführen sowie Lobbyeinfluss stärker zu regulieren. Um den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft voranzutreiben, müssen Mechanismen wie der europäische Emissionshandel gestärkt und durch sozial gerechte und zukunftsfähige industriepolitische Ansätze ergänzt werden. Die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie muss zügig und vollständig in deutsches Recht umgesetzt werden.