Frankfurt/Main (28.4.26) – Die mit dem Iran-Krieg verbundenen Unsicherheiten und Preissteigerungen insbesondere bei Energierohstoffen und Düngemitteln wirken sich negativ auf die Einschätzung der gegenwärtigen Lage und die Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft aus. Die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist in der Frühjahrsumfrage 2026 von -2,4 auf -2,6 Punkte gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit 2016.
Die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist noch deutlicher von -0,1 Punkte auf -1,2 zurückgegangen. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich in der Entwicklung der Betriebsmittelpreise und der niedrigen Verkaufspreise für pflanzliche Produkte. Dennoch: Immerhin noch 69 % der befragten Landwirtinnen und Landwirte beurteilen ihre derzeitige Lage als befriedigend oder besser. Im Dezember 2025 waren es 73 %.
Der Ausblick auf die kommenden zwei bis drei Jahre ist in der Summe aller Befragten dagegen etwas positiver als zuletzt. Die Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage verbesserte sich von -4,6 auf -3,9 Punkte. Diese Entwicklung ist vor allem auf die positiveren Aussichten bei Betrieben der Milchvieh- und Rinderhaltung zurückzuführen. Im Ackerbau haben sich die Erwartungen an die künftige wirtschaftliche Entwicklung dagegen weiter eingetrübt. Insgesamt sieht knapp die Hälfte (42 %) der Befragten ihre Zukunftsaussichten als gleich an, 11 % bewerten sie als günstiger oder sehr viel günstiger (vorherige Umfrage: 48 % bzw. 8 %).
In den vergangenen 12 Monaten haben trotz der gedämpften Stimmung immerhin noch 71 % der befragten Landwirtinnen und Landwirten investiert (Dezember 2025: 78 %). Das durchschnittliche Investitionsvolumen lag laut der Befragung bei 218.300 Euro (Dezember 2025: 202.300 Euro).
Der Blick nach vorn zeigt, dass die Investitionsbereitschaft zurückgeht. Nur noch 55 % der befragten Landwirtinnen und Landwirte planen derzeit, in den kommenden 12 Monaten zu investieren (Dezember 2025: 62 %). Wenn sie investieren wollen, dann aber etwas mehr als zuletzt: Das geplante Investitionsvolumen steigt auf durchschnittlich 263.500 Euro (Dezember 2025: 221.500 Euro). Insbesondere für Stallbauten und erneuerbare Energien werden höhere Summen eingeplant.
Mehr als 80 % der befragten Landwirtinnen und Landwirte bewerten ihre betriebliche Liquidität aktuell als mittel bis sehr gut. Der Anteil der Befragten mit der Einschätzung einer guten oder sehr guten betrieblichen Liquidität steigt um vier Prozentpunkte auf 42 %. Es ist der erste Anstieg seit März 2025.
Zur Einwertung der aktuellen Ergebnisse haben wir bei Oliver Mußhoff, Professor für „Landwirtschaftliche Betriebslehre“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und aktiver Landwirt in Brandenburg, nachgefragt: „Die im Rentenbank-Agrarbarometer erkennbare leicht verbesserte Einschätzung der Liquiditätslage landwirtschaftlicher Betriebe überrascht zunächst. Aus meiner Sicht relativiert sich dieses Bild jedoch bei genauerem Hinsehen: Zum einen liegt die Bewertung weiterhin deutlich unter dem Niveau des Wertes aus dem Frühjahr 2025. Zum anderen kann der leichte Anstieg auch Ausdruck wachsender Unsicherheit sein – etwa im Hinblick auf künftig steigende Betriebsmittelpreise infolge geopolitischer Entwicklungen. Zudem ist die Einschätzung keineswegs für alle Betriebsformen gleichermaßen gültig. Gerade reine Ackerbaubetriebe ohne Lagerkapazitäten verfügen derzeit kaum über Liquiditätszuflüsse. Vor diesem Hintergrund halte ich es für wahrscheinlich, dass sich die Liquiditätslage in den kommenden Monaten eher verschlechtern wird. Wenn die Krise länger andauert, erwarte ich eine Diskussion über staatliche Unterstützungsmaßnahmen. Wichtig wäre dann aus meiner Sicht als Agrarökonom, nicht erneut auf nicht rückzahlbare Zuschüsse zu setzen. Die Erfahrungen aus dem „Dürrejahr“ 2018 haben gezeigt, dass dieses Instrument mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden ist, ‚umsichtig wirtschaftende‘ Unternehmen ggf. leer ausgehen und damit benachteiligt werden sowie unternehmerische Risikovorsorge nicht gestärkt wird. Stattdessen sollten eher staatlich zinssubventionierte Schnellkredite in den Fokus rücken. Sie ermöglichen eine zügige Liquiditätssicherung, entfalten bei gleichem Mitteleinsatz eine größere Wirkung und erhalten zugleich die notwendigen Anreize für eigenverantwortliches wirtschaftliches Handeln.“
Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank, sagt dazu: „Wir beobachten die Preisentwicklungen bei Betriebsmitteln und Agrarerzeugnissen weiter sehr genau und bereiten uns darauf vor, unser Programm ‚Liquiditätssicherung‘ zu öffnen. Es hängt jetzt viel davon ab, wie lange die Blockade der Straße von Hormus anhält und ab wann ein ungehinderter Transport von Rohstoffen und Waren wieder möglich sein wird. Die Förderbank für die Agrarwirtschaft sind wir auch und gerade in herausfordernden Zeiten.“
Über das Rentenbank-Agrarbarometer
Das Rentenbank-Agrarbarometer ist der einzige empirisch fundierte und über einen längeren Zeitraum verfügbare Index mit Aussagen zur aktuellen Situation und den Erwartungen in der deutschen Landwirtschaft. Es wird seit März 2024 vierteljährlich im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank vom Marktforschungsunternehmen Kynetec erhoben und knüpft an das frühere „Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar“ an. Das Rentenbank-Agrarbarometer basiert auf der Auswertung einer Befragung von 1.000 Landwirtinnen und Landwirten sowie 150 Lohnunternehmen in Deutschland. In der Umfrage geht es u. a. um die Einschätzung der gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Lage, um das Investitions- und Finanzierungsverhalten und um weitere Themen in der deutschen Landwirtschaft. Als Grundlage dient eine repräsentative Stichprobe unter landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben hinsichtlich Betriebsart, konventioneller/ökologischer Bewirtschaftung, regionaler Verteilung und Größenklassen.