Bonn (9.9.26) – Miete und Nebenkosten werden für viele Menschen in Deutschland zur Belastung – allerdings längst nicht für alle gleichermaßen. Eine aktuelle Postbank Umfrage zeigt: Während Eigentümer ihre Ausgaben meist gut stemmen können, geraten viele Mieter finanziell unter Druck. Es bleibt keine finanzielle Reserve, um Rücklagen zu bilden. Eine Folge: Der Weg in die eigenen vier Wände wird für immer mehr Menschen zum Kraftakt.

Als Faustregel gilt, dass die monatlichen Wohnkosten – also Miete oder Kreditrate einschließlich Nebenkosten – nicht mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens ausmachen sollten. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank müssen viele Mieter jedoch deutlich mehr ausgeben: Knapp jeder dritte (30 Prozent) wendet 40 Prozent oder mehr seines Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen auf, jeder achte (13 Prozent) sogar mindestens die Hälfte. Ausgaben in dieser Größenordnung haben hingegen nur 15 beziehungsweise fünf Prozent der Eigentümer – also nur halb so viele. Entsprechend fühlen sich Mieter finanziell häufiger überfordert. Zwölf Prozent geben an, sich ihre Wohnkosten eigentlich nicht mehr leisten zu können. Unter Eigentümern trifft das lediglich auf fünf Prozent zu. „Wohnen wird für immer mehr Mieter zu einer finanziellen Zumutung. Wenn fast jeder achte Befragte erklärt, die eigene Wohnung kaum noch bezahlen zu können, ist das mehr als ein Stimmungsbild. Es ist ein Hinweis darauf, wie wichtig bezahlbarer Wohnraum für unsere Gesellschaft geworden ist und wie stark sich die Lebenswirklichkeit von Mietern und Eigentümern inzwischen auseinanderentwickelt hat“, sagt Dr. Ulrich Stephan von der Postbank.
Der Wunsch nach Wohneigentum ist unter Mietern ungebrochen: 48 Prozent würden lieber in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus leben. Angesichts der hohen Kosten bleibt dieser Wunsch für viele jedoch unerreichbar. 85 Prozent der Mieter mit Wunsch nach Wohneigentum nennen fehlende finanzielle Mittel als Grund, dass sie weiterhin zur Miete wohnen. Als größte Hürde empfinden sie das fehlende Eigenkapital: 57 Prozent geben an, dass ihnen die nötigen Rücklagen fehlen. Für 45 Prozent ist die Finanzierung zu teuer, 41 Prozent halten die Erwerbskosten für zu hoch. „Das fehlende Eigenkapital ist für viele Mieter zum entscheidenden Hindernis geworden. Wohneigentum erscheint damit immer weniger als Ergebnis kontinuierlicher eigener Sparleistung, sondern zunehmend als Frage familiärer Ressourcen“, erklärt Dr. Ulrich Stephan. Dieses Bild spiegelt sich auch in der Einschätzung der Befragten wider: 54 Prozent der Mieter meinen, dass man heute am ehesten durch eine Erbschaft oder finanzielle Unterstützung aus der Familie zu Wohneigentum gelangt. Unter Eigentümern teilen nur 36 Prozent diese Einschätzung.