KfW: Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung

Frankfurt/Main (8.9.26) – Deutschland hat trotz jahrelanger Stagnation realistische Chancen auf dauerhaft deutlich mehr Wachstum. Die neue Chancen-Studie von KfW Research “Standort Zukunft. Wie Deutschland zu neuer Stärke und Wachstum findet” kommt zu dem Ergebnis, dass im kommenden Jahrzehnt ein Potenzialwachstum von mehr als einem Prozent jährlich erreichbar ist. Dieses Wachstum ist seit 2015 von knapp zwei Prozent auf nur noch leicht über null gefallen. Voraussetzung für einen nachhaltigen Umschwung ist, dass Deutschland gezielt die drei zentralen Wachstumskräfte Arbeit, Kapital und Produktivität stärkt.

Der wichtigste Hebel liegt dabei in einer neuen Dynamik beim Produktivitätswachstum, betont ein aus der Studie abgeleitetes Zwölf-Punkte-Papier. Der KfW-Vorstandvorsitzende Stefan Wintels und KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher stellten Papier und Studie heute in Frankfurt vor. Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung müssen schneller und breiter in Unternehmen genutzt, digitale Innovationsprojekte leichter finanzierbar und neue Technologien rascher in Mittelstand und Großindustrie skaliert werden.

Stefan Wintels: “Deutschland braucht kein ökonomisches Wunder, sondern eine überzeugende Strategie für dauerhaftes Wachstum.” Der aktuelle Aufschwung sei eine gute Gelegenheit, alles dafür zu tun, um Wachstum nachhaltig zu verstetigen. “Wir müssen kurzfristig nicht KI-Weltmeister bei der Entwicklung von Modellen werden, sondern KI-Anwendungsland Nummer eins in Industrie und Mittelstand.

Produktivität entsteht vor allem durch Anwendung im Alltag. Bringen wir zudem Mittelstand, Start-ups und Kapital besser zusammen, dann entsteht eine neue Wachstumsformel für Deutschland.”

Das Zwölf-Punkte-Papier verdichtet diese Analyse und benennt zentrale Hebel, um Deutschland aus einer strukturellen Wachstumsschwäche in eine positive wirtschaftliche Dynamik zu überführen. Wachstum entsteht dabei durch das Zusammenspiel mehrerer Dimensionen: bessere Rahmenbedingungen für private und öffentliche Investitionen, eine wettbewerbsfähige Energieversorgung, die Sicherung von Fach- und Arbeitskräften, ein innovationsfreundlicheres Umfeld sowie eine stärkere europäische und internationale Einbettung der deutschen Wirtschaft.

“Unser Standort hat Zukunft, denn Deutschland verfügt über Stärken, um die uns viele Länder beneiden”, sagte Wintels. Er nannte ein robustes wirtschaftliches Fundament, einen leistungsfähigen Mittelstand, qualifizierte Beschäftigte, starke Forschungseinrichtungen und eine beachtliche Fähigkeit zur Anpassung.

Eine Reform des deutschen Innovationssystems und eine verstärkte Digitalisierung in der Breite seien zentrale Stellschrauben. “Wir brauchen das Comeback des zum Erliegen gekommenen Produktivitätswachstums. Im Ergebnis muss unsere Ambition sein, Deutschland bis 2035 global wieder zu einem der führenden Technologie- und Innovationsstandorte zu entwickeln.”

KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher warb für intelligente und wirksamere Regulierung – und den Abbau von Bürokratie: “Jede neue Regel sollte darauf geprüft werden, ob sie ihren Zweck erreicht, wie hoch ihre Folgekosten sind und ob sie unternehmerische Initiative unnötig einschränkt. Eine schlanke Verwaltung ist kein Nebenaspekt, sondern ein harter Standortfaktor. Gezielte Reformanstrengungen führen zur nachhaltigen Wiederbelebung des Wachstums und Wiedererlangung der technologischen Wettbewerbsfähigkeit.”

Dazu gehört auch, mehr Kapitalmarkt zu wagen: Eigen-, Risiko- und Wachstumskapital müssen leichter für Innovation, Skalierung und produktive Investitionen verfügbar werden. Eine operative Brücke für diese Kapitalmobilisierung bildet der Deutschlandfonds, der Ende 2025 an den Start gegangen ist und den die KfW im Auftrag der Bundesregierung umsetzt: Er adressiert Investitionsblockaden, ermöglicht Risikoübernahmen und mobilisiert privates Kapital. Durch den Deutschlandfonds sollen über öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro in den kommenden Jahren etwa 130 Milliarden Euro Investitionen in die deutsche Wirtschaft fließen.

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