Berlin (9.9.26) – Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren besonders stark von der Förderung regionaler Innovationsnetzwerke, sogenannter Cluster. Bei Großunternehmen fallen die Effekte deutlich begrenzter aus. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie unter Beteiligung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Untersucht wurde eines der größten innovationspolitischen Programme Deutschlands, der Spitzencluster-Wettbewerb, bei dem 15 Cluster ausgewählt und mit rund 600 Millionen Euro öffentlich gefördert wurden. Zusammen mit Eigenbeiträgen der beteiligten Organisationen entstand ein Projektvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro. „Clusterförderung ist vor allem für KMU ein wirksames Instrument, um Investitionen, Beschäftigung und Innovationen zu steigern“, so Studienautorin Knarik Poghosyan aus der Forschungsgruppe Entrepreneurship am DIW Berlin. „Daher sollten KMU bei künftigen Clusterprogrammen stärker und gezielter eingebunden werden.“

Grafik: DIW
Als Cluster werden räumliche Netzwerke von Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren verstanden, die in verwandten Technologiefeldern wie Biotechnologie und Medizintechnik, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektronik oder erneuerbare Energien zusammenarbeiten. Ihre Förderung soll Innovationen stärken und das Unternehmenswachstum anregen. Für die Studie wurden Daten aus dem Spitzencluster-Wettbewerb mit Unternehmens- und Patentdaten für die Jahre 2000 bis 2016 verknüpft. Untersucht wurde, wie sich geförderte Unternehmen im Vergleich zu ähnlichen, nicht geförderten Unternehmen entwickeln.
Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Geförderte KMU investieren mehr, bauen ihr Personal aus und steigern ihre Patent- und Innovationsaktivitäten. Das Anlagevermögen liegt während des Förderzeitraums durchschnittlich rund 50 Prozent über dem vergleichbarer, nicht geförderter Unternehmen. Außerdem steigen die Ausgaben für Beschäftigung um knapp 15 Prozent. Auch die Zahl der qualitätsgewichteten Patentanmeldungen nimmt zu. Diese Kennzahl berücksichtigt neben der Anzahl auch die technologische und wirtschaftliche Bedeutung von Patenten.
Bei Großunternehmen ergibt sich ein anderes Bild. Zwar wenden sie mehr Mittel für Personal auf, beim Anlagevermögen und bei Patenten lassen sich jedoch keine statistisch belastbaren Effekte nachweisen.
„Die Ergebnisse sprechen dafür, künftige Clusterprogramme stärker an den Bedürfnissen kleiner und mittlerer Unternehmen auszurichten“, bilanziert Ökonomin Poghosyan. „Unternehmen dieser Größenklasse verfügen oft über geringere finanzielle und organisatorische Ressourcen. Die Zusammenarbeit in Clustern kann ihnen den Zugang zu Wissen, Forschungspartnern und Innovationsnetzwerken erleichtern und so zusätzliche Investitionen und Innovationen anstoßen.“