Berlin (28.7.26) – Während Hitzewellen in Europa, Nordamerika und Südasien Zehntausenden Menschen das Leben kosten, erwarten die größten Öl- und Gasunternehmen vom ersten auf das zweite Quartal 2026 eine Verdopplung ihrer Gewinne. Berechnungen zeigen zudem, dass ihre historischen Emissionen die Häufigkeit und Schwere von Hitzewellen in diesem Jahrhundert erheblich angefacht haben. Eine gerechte Besteuerung der Gewinne fossiler Energie-Konzerne könnte bis zu 400 Milliarden US-Dollar bringen, womit dringend notwendige Anpassungen an die Klimakrise finanziert werden könnten.
Die sechs größten fossilen Energie-Konzerne – BP, Chevron, Eni, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies – werden ihren Nettogewinn im zweiten im Vergleich zum ersten Quartal 2026 voraussichtlich fast verdoppeln: von 23 Milliarden US-Dollar auf 45 Milliarden US-Dollar. Aller Vorrausicht nach wird Chevron seine Gewinne im Zeitraum April bis Juni auf 1.200 US-Dollar pro Sekunde vervierfacht haben. Die Gewinne von ExxonMobil verdreifachten sich in dieser Zeit voraussichtlich auf 1.800 US-Dollar pro Sekunde. Die prognostizierten Gesamtgewinne der sechs Öl- und Gasunternehmen im Jahr 2026 summieren sich auf 147 Milliarden US-Dollar, was mehr als den Gewinnen der vorangegangenen 21 Monate entspricht (von April 2024 bis Dezember 2025).
Klimakiller zur Kasse
Öl- und Gaskonzerne tragen eine überproportionale Verantwortung für die Klimakrise. Eine neue Oxfam-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die historischen Emissionen von BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies ausgereicht haben, um jede vierte Hitzewelle zwischen 2000 und 2023 zu verursachen. Allein im vergangenen Jahr waren die großen Ölkonzerne für Umweltschäden in Höhe von schätzungsweise 60 Milliarden US-Dollar verantwortlich. Die Aussichten verheißen nichts Gutes: Die sechs größten fossilen Konzerne planen ihre Öl- und Gasproduktion bis 2030 im Vergleich zum Niveau von 2024 um 14 Prozent zu steigern, was einer zusätzlichen Fördermenge von 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag entspräche.
„Fossile Konzerne machen Milliardenprofite während Menschen weltweit den Preis dafür zahlen: Explodierende Energiepreise und steigende Lebenshaltungskosten belasten viele Haushalte und extreme Wetterereignisse wie die letzten Hitzewellen fordern Tausende Tote”, sagt Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam. „Es liegt auf der Hand: Regierungen müssen fossile Energie-Konzerne endlich zur Kasse bitten, um die notwendige Transformation hin zu einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen zu finanzieren. Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte Länder und ärmere Bevölkerungsschichten müssen bei der Bewältigung der Klimakrise angemessen unterstützt werden.”
Oxfam schätzt, dass eine gerechte Steuer auf die Gewinne von 585 fossilen Konzernen im ersten Jahr weltweit bis zu 400 Milliarden US-Dollar einbringen könnte, womit die jährlichen Kosten für die Klimaanpassung im Globalen Süden gedeckt werden könnten. Mit den Einnahmen einer solchen Steuer könnte die Bundesregierung auch ihre Zusage halten, jährlich sechs Milliarden Euro für die Unterstützung ärmerer Länder bereitzustellen. Derzeit droht die Regierung wegen der Kürzungen im Bundeshaushalt ihr Versprechen zu brechen.
Die Regierungen von Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Österreich haben die EU-Kommission vor einigen Monaten aufgefordert, eine europaweite Steuer auf Übergewinne zu prüfen. Die Europäische Kommission lehnt dies bislang ab und verweist an die Mitgliedsstaaten. Die Bundesregierung muss sowohl ihre Bemühungen für eine EU-weite Lösung intensivieren als auch die Umsetzung einer Übergewinnsteuer in Deutschland vorantreiben. Die Einnahmen sollten gezielt für die Stärkung eines sozial gerechten Klimaschutzes und der Energiewende in Deutschland und weltweit eingesetzt werden, statt entsprechende Förderprogramme zu kürzen.
Die Untersuchung von Oxfam basiert auf den Schätzungen von S&P Capital IQ. Die sechs größten Öl- und Gasunternehmen werden in der kommenden Woche ihre Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 veröffentlichen. Hier finden Sie Oxfams Untersuchung „Big Oil profits expected to double as the world burns“.