IW Köln: Indische Beschäftige verdienen weiterhin am meisten

Köln (2.1.26) – Während deutsche Vollzeitbeschäftigte Ende 2024 bei 4.177 Euro liegen, erreichen Beschäftigte aus Indien einen Medianlohn von 5.393 Euro. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Anteil der indischen Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen tätig ist.

Angesichts der demografischen Entwicklung sowie der Transformationsprozesse im Zuge von Digitalisierung und Dekarbonisierung wird qualifizierte Zuwanderung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen (Anger et al., 2025). Seit 2012 wirbt die Bundesregierung gezielt um Fachkräfte aus demografiestarken Drittstaaten, insbesondere für akademische MINT-Berufe. Zwischen Ende 2012 und Ende 2024 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Deutschen um 7,6 Prozent gestiegen, während die ausländische Beschäftigung im selben Zeitraum um 153,3 Prozent zunahm (eigene Berechnungen auf Basis BA, 2025a). Besonders deutlich zeigt sich der relative Beitrag ausländischer Fachkräfte in den innovationsrelevanten MINT-Berufen: Die Beschäftigung in akademischen MINT-Berufen wuchs von Ende 2012 bis Ende 2024 unter Deutschen um 43,4 Prozent, unter ausländischen Beschäftigten um 226,2 Prozent und unter Drittstaatsangehörigen (ohne Herkunftsländer Geflüchteter) sogar um 376,2 Prozent (eigene Berechnungen auf Basis BA, 2024a). Hervorzuheben ist hierbei die Entwicklung bei Inderinnen und Indern, deren sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in akademischen MINT-Berufen zwischen Ende 2012 und Ende 2024 von 3.750 auf 32.847 und damit um 775,9 Prozent zunahm.

Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Hochschulzuwanderung. Die Zahl der indischen Studierenden mit Abschlussabsicht erhöhte sich von gut 9.000 im Wintersemester 2013/2014 auf rund 20.083 im Wintersemester 2018/2019 auf 48.594 im Wintersemester 2023/2024. Rund 40 Prozent der Studieninteressierten aus Indien verfügen über Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1/B2 oder höher. Die Studienabbruchquote in den ersten drei Semestern liegt im Masterstudium für indische Studierende bei 6,8 Prozent und damit nur geringfügig über dem Wert deutscher Studierender (5,8 Prozent). Mit einer Bleibeabsicht von 66 Prozent (Antworten „ja, ganz sicher“ oder „eher ja“) weisen internationale Studierende aus Indien hohe Bleibewünsche auf (DAAD/DZHW, 2025).

Auch bei der Forschung in deutschen Unternehmen zeigt sich nach Auswertungen der IW-Patentdatenbank eine starke Zunahme der Erfindenden mit indischen Wurzeln, deren Patentanmeldungen sich von 2000 bis 2022 verzwölffacht haben (Guzman Martinez et al., 2025).

Die starke Zuwanderung aus Drittstaaten in den vergangenen Jahren hat die Beschäftigungsstrukturen in akademischen MINT-Berufen deutlich verändert, insbesondere unter den 25- bis 44-jährigen Vollzeitbeschäftigten. Ende 2024 waren in dieser Altersgruppe rund 7,6 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland in akademischen MINT-Tätigkeiten tätig. Der Anteil der Deutschen lag bei 7,7 Prozent, jener der ausländischen Beschäftigten bei 7,3 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist die Präsenz in akademischen MINT-Berufen unter Personen mit indischer Staatsangehörigkeit: 30,7 Prozent der 25- bis 44-jährigen vollzeitbeschäftigten Inderinnen und Inder arbeiten in diesem Berufsfeld. Auffällig hohe Anteile finden sich zudem bei Beschäftigten aus China (24,0 Prozent), Brasilien (20,8 Prozent), Russland (18,9 Prozent), dem Iran (17,3 Prozent), Frankreich (16,2 Prozent), den USA (15,3 Prozent), Staaten Lateinamerikas ohne Brasilien (15,1 Prozent), dem Vereinigten Königreich und Irland (14,9 Prozent) sowie aus Nordafrika (14,8 Prozent).

In den vergangenen Jahren wurde ein besonders dynamisches Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in akademischen MINT-Berufen bei Personen aus Indien, Lateinamerika, Russland, der Türkei und Nordafrika verzeichnet (Anger et al., 2025).Inhaltselement mit der ID 15065

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Die unterschiedliche Beschäftigungsstruktur nach Staatsangehörigkeiten spiegelt sich auch in den Medianlöhnen wider. Die Entgeltstatistik, die Teil der Beschäftigungsstatistik ist, ermöglicht eine differenzierte Betrachtung der sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte einschließlich Sonderzahlungen. Sie basiert auf den von Arbeitgebern übermittelten Entgeltmeldungen an die Sozialversicherung und stellt damit eine Vollerhebung aller Beschäftigten dar. Als Stichtag für die Analyse dient der 31. Dezember 2024; sämtliche Angaben beziehen sich auf monatliche Entgelte sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigter Personen der Kerngruppe.

Die Analyse der Medianlöhne unter Vollzeitbeschäftigten weist zunächst auf einen ausgeprägten Alterseffekt hin: Beschäftigte ab 45 Jahren erzielen mit 4.180 Euro einen höheren Medianlohn als die 25- bis 44-Jährigen, deren Medianlohn bei 4.034 Euro liegt. Der Gesamtmedianlohn aller Vollzeitbeschäftigten beträgt 4.013 Euro, wobei die unter 25-Jährigen deutlich darunterliegen. Deutsche Beschäftigte erreichen mit 4.177 Euro einen fast 1.000 Euro höheren Medianlohn als Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, deren Medianlohn bei 3.204 Euro liegt. Im Jahresvergleich erhöhten sich die Medianlöhne deutscher Vollzeitbeschäftigter um 5,9 Prozent, während sie für ausländische Beschäftigte um 5,6 Prozent stiegen. In den Jahren 2021 bis 2022 sowie 2022 bis 2023 lagen die Lohnzuwächse der ausländischen Beschäftigten mit 5,6 bzw. 5,3 Prozent über denen der deutschen Beschäftigten, die Steigerungen von 3,9 bzw. 4,2 Prozent verzeichneten.

Unter den Vollzeitbeschäftigten in Deutschland erzielen Personen mit indischer Staatsangehörigkeit die höchsten Medianlöhne: Sie liegen bei 5.393 Euro pro Monat, was einem moderaten Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Von den rund 104.400 indischen Vollzeitbeschäftigten in Deutschland sind lediglich 8,0 Prozent in der Altersgruppe ab 45 Jahren. Das hohe Lohnniveau ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass knapp ein Drittel der indischen Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen tätig ist (BA, 2025b). Die vergleichsweise geringe Lohndynamik lässt sich dadurch erklären, dass durch die Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes neben weiterer Zuwanderung in akademischen MINT-Berufen zunehmend auch die Beschäftigung in Facharbeiterberufen steigt.

Vollzeitbeschäftigte aus Bulgarien (2.681 Euro), Rumänien (2.762 Euro) und Syrien (2.750 Euro) weisen deutlich niedrigere Medianlöhne auf. Die Lohnniveaus stehen in engem Zusammenhang mit dem hohen Anteil von bis zu 50 Prozent, der in diesen Gruppen in Helfertätigkeiten beschäftigt ist. Die jährlichen Lohnzuwächse lagen zwischen 3,5 Prozent (Syrien) und 6,4 Prozent (Bulgarien). Von 2022 bis 2023 betrugen die Steigerungen 5,5 bis 7,7 Prozent, während sie zwischen 2021 und 2022 sogar zwischen 8 und 10 Prozent lagen. Eine mögliche Erklärung für die gedämpfte Lohnentwicklung unter syrischen Beschäftigten im Jahr 2024 ist, dass viele Syrerinnen und Syrer mit guter Arbeitsmarktintegration die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben.

In akademischen MINT-Berufen liegen die Medianlöhne der über 45-Jährigen für viele Staatsangehörigengruppen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von 7.450 Euro, sodass detaillierte Analysen vor allem für die Gruppe der 25- bis 44-Jährigen sinnvoll sind. In dieser Altersgruppe stieg der Medianlohn deutscher Vollzeitbeschäftigter in akademischen MINT-Berufen von 5.734 Euro im Jahr 2023 auf 5.962 Euro (+4,0 Prozent). Bei ausländischen Beschäftigten erhöhte er sich von 5.608 auf 5.818 Euro, was einem Anstieg von 3,7 Prozent entspricht. Indische Vollzeitbeschäftigte im Alter von 25 bis 44 erreichten Ende 2024 in akademischen MINT-Berufen sogar einen Medianlohn von 6.172 Euro. Ein Grund der hohen Löhne liegt, wie auch bei Beschäftigten aus Ländern wie Österreich, den USA oder Frankreich darin, dass die zugewanderten Beschäftigten oft in urbanen wirtschaftlich starken Zentren in Deutschland mit höherem Lohnniveau beschäftigt sind.

Angesichts der Herausforderungen des demografischen Wandels wird qualifizierte Zuwanderung künftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Die Potenziale des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes können dann umfassend realisiert werden, wenn Verwaltungsprozesse weiter optimiert werden. Besonders wirkungsvoll ist eine Stärkung der Hochschulzuwanderung, flankiert durch gezielte Unterstützungsangebote bei Spracherwerb, Studienerfolg und Übergang in den Arbeitsmarkt. Zahlreiche internationale Studierende aus demografiestarken Drittstaaten wie Indien belegen MINT-Fächer, sind häufig erwerbstätig und leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands (Anger et al., 2025).

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