Düsseldorf (20.8.26) – Die Inflation in Deutschland ist im Juli 2026 um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent gestiegen. Zentrale Gründe dafür sind das Ende des Tankrabatts und das zwischenzeitliche Wiederaufflammen des Iran-Kriegs, das den Rohölpreis und die Raffineriemargen steigen ließ. Der erneute Preisschub bei den Kraftstoffen hat sich bei Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen am stärksten ausgewirkt. Denn diese brauchen, oft wegen der Kinder, ein Auto, gleichzeitig haben Ausgaben für Sprit in ihrem Warenkorb ein vergleichsweise großes Gewicht. Haushalte mit höheren Einkommen wiederum waren wie in den Vormonaten stärker von den Preissteigerungen bei Flügen, Pauschalreisen und zuletzt auch Arzneimitteln betroffen. Das geht aus dem aktuellen Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervor, für den Inflationsexpertin Dr. Silke Tober die haushaltsspezifischen Teuerungsraten von neun repräsentativen Haushaltstypen untersucht (mehr zu den Typen unten). Im Ergebnis lagen im Juli die haushaltsspezifischen Raten bei acht der untersuchten Haushaltstypen mit 2,6 bis 3,0 Prozent nahe beieinander.
Ebenso wie in den Vormonaten habe der Energiepreisschock aber noch keinen breiteren Preisauftrieb bei anderen Gütergruppen ausgelöst, analysiert Tober. So ist die Preisdynamik bei Nahrungsmitteln mit 0,4 Prozent Anstieg zwischen Juni und Juli erneut schwach ausgefallen. Die Endkundenpreise für Strom und Gas lagen wegen meist langfristiger Vertragslaufzeiten noch geringfügig niedriger als vor einem Jahr. Das erklärt, dass Alleinleibende mit niedrigen Einkommen, die sich ohnehin selten Kraftfahrzeuge, Reisen oder aufwendigere Dienstleistungen leisten können, mit 1,9 Prozent im Juli die im Haushaltsvergleich niedrigste Teuerungsrate schultern mussten.
Unter dem Strich ist laut Tobers Analyse in Deutschland „der Anstieg der Inflation von 1,8 Prozent im Dezember 2025 auf 2,8 Prozent im Juli 2026 allein dem massiven Preisanstieg bei Kraftstoffen und Heizöl geschuldet“. Ähnliches gelte bisher auch für den Euroraum insgesamt. Daher sei es gut, dass die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) nach ihrer Juli-Sitzung moderatere Töne angeschlagen hat als nach der Zinserhöhung im Juni. Damit lässt sich die Notenbank mehr Spielraum, im September auf einen weiteren Zinsschritt zu verzichten. Zu Recht, betont die IMK-Inflationsexpertin: „Gegen Preisschocks sind Zinserhöhungen ein stumpfes Instrument. Stark sind allerdings die Nebenwirkungen. Denn Zinserhöhungen wirken über eine Dämpfung der wirtschaftlichen Aktivität, und insbesondere der Investitionen.“ Dabei brauchen der Euroraum und insbesondere Deutschland dringend Investitionen.
Statt der EZB sollten die Regierungen der Euro-Länder Vorsorge treffen, empfiehlt Tober. Für den Fall, dass es bei den Preisen für Rohöl und Mineralölprodukte nicht zu einer baldigen Entschärfung komme, wodurch das Risiko von Zweitrundeneffekten steige, sollten sie preisdämpfende Maßnahmen wie eine Senkung der Stromsteuer oder der Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel ergreifen. „Das gilt umso mehr, als die Hitzewelle 2026 und die fortwährende Eskalation im Iran- und im Ukraine-Krieg nicht nur die Knappheit raffinierter Erdölprodukte erhöht, sondern auch das Risiko eine starken Nahrungsmittelteuerung beinhaltet“, warnt die Ökonomin.
Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen – von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro), höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600 Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als 5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich. Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.