Ernst & Young EY: Private-Equity-Markt in Deutschland und Europa weiter unter Druck – erste Lichtblicke bei Exits

München (15.6.26) – Die Investitionsaktivität von Private-Equity-(PE)-Investoren in Deutschland und Europa ist im ersten Quartal 2026 deutlich zurückgegangen. So sank die Zahl der PE-Transaktionen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent. Damit erreichte der deutsche Markt den niedrigsten Stand seit dem zweiten Quartal 2021.

Auch europaweit war ein ähnlicher Trend zu beobachten: Insgesamt fanden im ersten Quartal 2026 in Europa 347 Transaktionen statt – ein Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. In vielen Regionen ging die Zahl der Deals deutlich zurück, darunter in den Benelux-Ländern (minus 38 Prozent), in Italien (-35 Prozent), in Spanien und Portugal (-20 Prozent) sowie in Frankreich (-15 Prozent). Zuwächse verzeichneten hingegen Mittel- und Osteuropa (+36 Prozent) sowie in Großbritannien/Irland (+25 Prozent).

Das sind Ergebnisse einer Analyse des europäischen Private-Equity-Marktes durch die Strategie- und Transaktionsberatung EY-Parthenon.

„Der Rückgang der Transaktionszahlen spiegelt die aktuelle Zurückhaltung der Investoren wider. Ein schwieriges makroökonomisches und fiskalisches Umfeld, massive geopolitische Unsicherheiten sowie gestiegene Finanzierungskosten haben die Investitionsbereitschaft spürbar gedämpft. Es gibt zwar immer wieder einzelne großvolumige Transaktionen, der Markt insgesamt ist aber von Zurückhaltung geprägt“, sagt Sandra Krusch, Managing Partner von EY-Parthenon. „Private-Equity-Investoren agieren derzeit sehr selektiv. Gerade die unsicheren geopolitischen Rahmenbedingungen erschweren tragfähige Investmententscheidungen – insbesondere im Mid-Market. Wir werden wohl erst wieder eine echte Erholung des Marktes sehen, wenn sich die geopolitische Lage beruhigt, die Volatilität bei den Energiepreisen sinkt und damit mehr Planbarkeit besteht.“

Exits in Europa ziehen an – Deutschland bleibt zurückhaltend

Uneinheitlich entwickelte sich der Markt für Exits. In Deutschland ging die Zahl der Verkäufe aus PE-Portfolios von 23 auf 19 zurück. Europaweit hingegen stieg die Zahl der Exits im ersten Quartal 2026 auf 196 Transaktionen – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit beschleunigte sich die Exit-Dynamik im Vergleich zum Vorjahr spürbar.

Treiber dieser Entwicklung waren vor allem Verkäufe an strategische Investoren, deren Zahl um 19 Prozent auf 132 Transaktionen zulegte. Verkäufe an PE-Investoren stiegen nur um zwei Prozent auf 61, während IPOs mit lediglich drei Abschlüssen weiterhin deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt blieben.

„Dass die Zahl der Exits europaweit steigt, ist ein gutes Signal für den Markt. Seit dem Ende der Niedrigzinsphase lässt sich Wertsteigerung mehrheitlich durch einen klaren Fokus auf operative Exzellenz und nachhaltige Wertschöpfung erzielen“, sagt Cord Stümke, PE Leader Europe West von EY-Parthenon. „Trotz steigender Exit-Zahlen: Nach wie vor besteht ein struktureller Rückstau im Markt – die Haltedauer der Portfoliounternehmen steigt weiter. Viele Investoren stehen heute unter dem doppelten Druck, bestehende Beteiligungen endlich zu monetarisieren und zugleich neues Kapital sinnvoll zu investieren“, so Stümke.

Tech-Unternehmen weiter begehrt – Anteil sinkt aber

Technologieunternehmen bleiben bei Finanzinvestoren in Europa weiterhin gefragt: Der Technologie- und Telekommunikationsbereich war erneut der aktivste Sektor und machte 26 Prozent aller Transaktionen aus – 2025 waren allerdings noch 28 Prozent der Transaktionen auf diese Branche entfallen, 2021 sogar 31 Prozent. „Die Bewertungen im Technologiesektor sind unter Druck, seit der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz ein Fragezeichen hinter etliche traditionelle SaaS-Geschäftsmodelle setzt. Bei Investitionen im Software-Bereich müssen immer KI-bezogene Risiken in die Bewertung einbezogen werden, was vielfach dazu führt, dass Käufer und Verkäufer letztlich nicht zusammenkommen.“

Auch in Deutschland war der Technologiesektor im ersten Quartal weniger stark nachgefragt als im Vorjahr: Der Anteil an der Gesamtzahl der Deals sank von 35 auf 21 Prozent. Deutlich gestiegen ist hingegen das Interesse am Konsumgüter-Bereich (Anstieg des Anteils von sieben auf 18 Prozent) und dem Rohstoffsektor (Anstieg von elf auf 16 Prozent), während Industrieunternehmen weniger stark im Fokus waren (Rückgang von elf auf acht Prozent). „Bei Industrieunternehmen scheuen sich nach wie vor viele PE-Häuser zu investieren. Zu unklar sind die Rahmenbedingungen, zu schwierig ist es, zukünftige Wertschöpfung und die mögliche Exitstrategie einzuschätzen“, beobachtet Stümke.

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