Stuttgart (23.4.26) – Auf dem europäische Neuwagenmarkt ging es im März kräftig aufwärts: Die Neuzulassungen in der EU stiegen um 13 Prozent. Mit 1,16 Millionen Neuzulassungen wurde der höchste März-Absatz seit sieben Jahren erreicht – zuletzt wurde im März 2019 mit 1,26 Millionen mehr Neuwagen zugelassen.
Im ersten Quartal kletterte der Absatz um vier Prozent, er lag damit aber weiterhin deutlich – um 15 Prozent – unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019.
Laut Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, ist es aber noch zu früh, um von einer positiven Trendwende zu sprechen: „Der starke Aufschwung auf dem Neuwagenmarkt hat viele Gründe – zum einen kommen Kalendereffekte zum Tragen – es gab einen zusätzlichen Arbeitstag. Vor allem aber scheinen einige Autohersteller zum Abschluss des Quartals noch in großem Stil Neuwagen in den Markt gedrückt zu haben, etwa über Tageszulassungen. Es steht zu befürchten, dass sich der starke März als ein Strohfeuer erweisen wird und wir in den kommenden Monaten eine deutlich verhaltenere Entwicklung sehen werden.“
Gall begründet seine Skepsis mit der aktuellen Wirtschaftslage in Europa: „Die Spannungen im Nahen Osten, die massiv steigenden Kraftstoffpreise und eine wahrscheinlich deutlich steigende Inflation in den kommenden Monaten werden den Neuwagenmarkt bremsen, denn in derart unsicheren Zeiten werden große Anschaffungen vertagt.“ Gall bleibt daher bei seiner Prognose eines Wachstums der Neuzulassungen im Gesamtjahr von etwa zwei Prozent.
Deutsche Autobauer verlieren leicht Marktanteile
Im ersten Quartal lag der EU-Marktanteil der deutschen Autokonzerne nur noch bei 37,9 Prozent, nach 38,2 Prozent im Vorjahreszeitraum – der Marktanteil schrumpfte also leicht um 0,3 Prozentpunkte. Immerhin: Alle drei deutschen Konzerne verzeichneten Absatzzuwächse, in Summe stieg ihr EU-Absatz allerdings nur um 3,1 Prozent; der Gesamtmarkt legte hingegen um 4,0 Prozent zu. Deutlich stärker als die deutschen Konzerne wuchsen insbesondere BYD (plus 170 Prozent im ersten Quartal), Tesla (plus 60 Prozent) und Stellantis (plus neun Prozent). Der chinesische Hersteller SAIC wuchs um sechs Prozent und damit ebenfalls etwas stärker als der Gesamtmarkt.
„Die Marktoffensive der chinesischen Autobauer trägt Früchte“, sagt Gall. „Niedrige Preise und teils beeindruckende technische Werte sorgen für deutlich steigende Absatzzahlen. In den meisten Ländern Mittel- und Nordeuropas sind die Marktanteile zwar noch überschaubar, gerade im Süden Europas spielen die chinesischen Marken aber eine immer größere Rolle. Die gute Nachricht aus deutscher Sicht: Bislang nehmen die Chinesen den deutschen Autobauern so gut wie keine Marktanteile ab.“ Deutliche Marktanteilsverluste mussten im ersten Quartal in erster Linie Renault (minus 1,4 Prozentpunkte), Ford (minus 0,6 Prozentpunkte), Toyota und Hyundai (jeweils minus 0,5 Prozentpunkte) hinnehmen.
Wachstumsschub bei Elektroautos
Die Neuzulassungen von Elektroautos stiegen im März EU-weit um 49 Prozent, im ersten Quartal um 33 Prozent. Der Marktanteil stieg im März von 15,3 auf 20,2 Prozent. Das starke Plus bei Elektroautos habe mehrere Gründe, sagt Gall: „Es kommen immer mehr attraktive Elektro-Modelle auf den Markt, auch und gerade im niedrigeren Preissegment, wo staatliche Förderungen kaufentscheidend sein können. Zudem sehen wir starke Zuwächse vor allem bei den E-Autos chinesischer Hersteller.“ Auch Tesla konnte nach dem Absatzeinbruch des Vorjahres wieder deutlich zulegen und eroberte sogar die beiden ersten Plätze im Ranking der meistverkauften Elektroautos (siehe unten).
Die hohen Zuschüsse, die in vielen EU-Ländern beim Kauf von Elektroautos gezahlt werden, sieht Gall allerdings kritisch: „Subventionen wie die neue Prämie in Deutschland sorgen zwar vorübergehend für steigende Absatzzahlen. Es ist aber auch klar, dass eine derartige milliardenschwere Subvention nicht zum Normalzustand werden darf. In Deutschland haben wir schon einmal erlebt, dass der Markt zusammenbricht, sobald eine Kaufprämie gestoppt wird. Genau das wird wieder passieren, wenn der Fördertopf aufgebraucht ist: Die Absatzzahlen werden einbrechen.“
So gut wie keinen Einfluss auf die steigenden E-Auto-Neuzulassungen hatte im März hingegen der starke Anstieg der Kraftstoffpreise infolge des Kriegs im Nahen Osten, so Gall: „Die hohen Spritpreise lassen das Interesse an Elektroautos definitiv steigen – aber ein Autokauf ist eine langfristige Investition, über die Menschen länger nachdenken und die nicht ad hoc entschieden wird. Zudem liegen zwischen Kaufentscheidung und Neuzulassung üblicherweise mehrere Wochen oder gar Monate. Erste Auswirkungen der hohen Kraftstoffpreise auf den Neuwagenmarkt werden wir also frühestens in den April-Zahlen sehen, eher in der zweiten Jahreshälfte.“
Große Unterschiede innerhalb Europas: In immerhin 14 der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil im März unter zehn Prozent, in gerade einmal fünf EU-Ländern waren im März mehr als 30 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos.
Während im Norden Europas Elektroautos inzwischen hohe Marktanteile erreichen, kommen im Osten und Südosten nach wie vor nur sehr wenige Elektroautos neu auf die Straße: In Skandinavien (einschließlich des nicht-EU-Landes Norwegen) stieg der BEV-Marktanteil im März von 54 auf 66 Prozent. In Osteuropa legte er hingegen nur von fünf auf sieben Prozent zu.
Neuzulassungen von E-Autos in der EU und Marktanteile (jeweils März)
Top-Elektroautos in Westeuropa* im März 2026
| Tesla Model Y | 25.075 |
| Tesla Model 3 | 12.594 |
| Skoda Elroq | 8.710 |
| Leapmotor T03 | 6.837 |
| Skoda Enyaq | 6.083 |
| VW ID.4/5 | 5.932 |
*Zahl der Neuzulassungen basierend auf Zahlen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien
Plug-in-Hybride legen zu
Weniger stark als bei Elektroautos kletterten die Neuzulassungen bei Plug-in-Hybriden, die EU-weit im März um 28 Prozent zulegten – der Marktanteil stieg von 8,0 auf 9,1 Prozent. Die höchsten Marktanteile erzielten Plug-in-Hybride im März in Schweden und den Niederlanden (jeweils 24 Prozent). Der kombinierte Marktanteil beider elektrischen Antriebsarten (BEV und PHEV) war in Dänemark (78 Prozent) und Schweden (66 Prozent) am höchsten unter allen EU-Ländern.