Ernst & Young EY: EU-Neuwagenmarkt – Aufschwung bei E-Autos hält an und dreht den Gesamtmarkt ins Plus

Stuttgart (27.5.26) – Auf dem europäische Neuwagenmarkt hielt der Aufwärtstrend auch im April an: Die Neuzulassungen in der EU stiegen um fünf Prozent, im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz damit vier Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Zudem war der vergangene Monat der absatzstärkste April seit dem vor-Corona-Jahr 2019, als in der EU 15 Prozent mehr Pkw neu zugelassen wurden. Insgesamt kamen in den Monaten Januar bis April im Jahr 2019 fast 700.000 Pkw mehr neu auf die Straßen als im Vergleichszeitraum des Jahres 2026.

Laut Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, ist das Marktwachstum zudem ausschließlich auf den aktuell stark wachsenden Absatz von Elektroautos zurückzuführen – und der sei teuer erkauft: „Allein die stark steigenden Verkaufszahlen von Elektroautos treiben aktuell den Neuwagenmarkt an – die übrigen Antriebsformen liegen unter dem Vorjahresniveau. Das Plus bei Elektroautos ist zwar grundsätzlich begrüßenswert. Allerdings verdienen die Hersteller immer noch wenig Geld mit E-Autos, vor allem aber sind es staatliche Subventionen, die für die steigenden Absatzzahlen verantwortlich sind.“

Im April stieg der Absatz von Elektroautos EU-weit um 38 Prozent, der Gesamtmarkt wuchs um fünf Prozent – rechnet man Elektroautos und die ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride heraus, schrumpften die Neuzulassungen EU-weit um drei Prozent. „In Deutschland sorgt derzeit die neue Umweltprämie für E-Autos für ein künstliches Marktwachstum, und auch die meisten anderen EU-Länder fördern den Hochlauf der Elektromobilität mit teils hohen finanziellen Anreizen. Früher oder später muss der Markt allerdings auf eigenen Beinen stehen, dann muss Elektromobilität auch ohne staatliche Subventionen funktionieren.“ Zuletzt hatte in Deutschland das Auslaufen der Förderung Ende 2023 zu einem massiven Einbruch der Absatzzahlen von E-Autos geführt – das dürfte wieder passieren, wenn das 3-Milliarden-Euro-Budget aufgebraucht ist und die aktuelle deutsche Förderung ausläuft, warnt Gall. „Derzeit hängt die Elektromobilität noch am Subventionstropf. Einen echten Elektroboom hätten wir, wenn das Elektrosegment aus eigener Kraft Wachstum generieren könnte – aber so weit sind wir noch lange nicht.“

Während Elektroautos (plus 38 Prozent) und Plug-in-Hybride (plus 16 Prozent) im April kräftig zulegten, schrumpfte der Absatz reiner Benziner um 16 Prozent, bei Diesel-Pkw lag das Minus sogar bei 17 Prozent.

Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für die Autobranche aktuell ungünstig, so Gall: „Die Spannungen im Nahen Osten, die hohen Kraftstoffpreise, eine deutlich steigende Inflation und eine insgesamt schwache Konjunktur sorgen für Kaufzurückhaltung. Die hohen Preise an den Tankstellen sorgen zwar für ein steigendes Interesse an Elektroautos, was sich auch auf dem Gebrauchtmarkt zeigt. Insgesamt aber überwiegen klar die Nachteile – auch 2026 wird ein Krisenjahr für die Autobranche sein.“

Chinesische Marken gewinnen weiter Marktanteile

Im bisherigen Jahresverlauf sank der EU-Marktanteil der deutschen Autokonzerne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 38,7 auf 38,3 Prozent – er schrumpfte also leicht um 0,4 Prozentpunkte. Immerhin: Alle drei deutschen Konzerne verzeichneten Absatzzuwächse, in Summe stieg ihr EU-Absatz allerdings nur um 3,2 Prozent; der Gesamtmarkt legte hingegen um 5,1 Prozent zu. Deutlich stärker als die deutschen Konzerne wuchsen insbesondere Leapmotor (plus 559 Prozent im Jahresverlauf), Chery (plus 267Prozent), BYD (plus 153 Prozent), Tesla (plus 62 Prozent), SAIC (plus 10 Prozent) und Stellantis (plus acht Prozent). In Summe legten die chinesischen Hersteller (Geely, SAIC, BYD, Chery und Leapmotor) um 53 Prozent zu, ihr Marktanteil stieg insgesamt von 5,8 auf 8,5 Prozent. Knapp jeder zwölfte im aktuellen Jahr in der EU neu zugelassene Pkw war also ein chinesisches Fabrikat.

„Die chinesischen Autobauer drängen mit viel Engagement auf den europäischen Markt – und sie profitieren auch von der Förderung für Elektroautos, die gerade in niedrigeren Preissegmenten, in denen das Angebot der europäischen Autobauer noch überschaubar ist, kaufentscheidend sein kann“, sagt Gall. „Zudem steigt die Zahl der Kooperationen europäischer Hersteller mit chinesischen Marken – auch das wird für weiter steigende Absatzzahlen chinesischer Pkw sorgen“.

Deutliche Marktanteilsverluste mussten im bisherigen Jahresverlauf in erster Linie Renault (minus 1,3 Prozentpunkte), Ford (minus 0,6 Prozentpunkte), Toyota und Hyundai (jeweils minus 0,5 Prozentpunkte) hinnehmen.

Elektroautos: Große Unterschiede innerhalb Europas

In immerhin 12 der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil im April unter zehn Prozent, in gerade einmal sechs EU-Ländern waren im April mehr als 30 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos.

Während im Norden Europas Elektroautos inzwischen hohe Marktanteile erreichen, kommen im Osten und Südosten nach wie vor nur sehr wenige Elektroautos neu auf die Straße: In Skandinavien (einschließlich des nicht-EU-Landes Norwegen) stieg der BEV-Marktanteil im April von 55 auf 65 Prozent. In Osteuropa legte er hingegen nur von fünf auf sieben Prozent zu.

Im vergangenen Monat holte sich der Skoda Elroq den Titel als meistverkauftes E-Auto in Westeuropa zurück, nachdem im Februar und März das Tesla Model Y an der Spitze des Rankings gestanden hatte. In den zwölf westeuropäischen Ländern, für die entsprechende Daten verfügbar sind, gingen auch die Plätze zwei bis vier an E-Modelle aus dem Volkswagenkonzern. Dahinter lag das Tesla Model Y vor dem Renault R5.

Top-Elektroautos in Westeuropa* im April 2026

Skoda Elroq            8.335
VW ID.4/5            6.217
Skoda Enyaq            6.133
VW ID.3            6.080
Tesla Model Y            5.964
Renault R5            5.648

*Zahl der Neuzulassungen basierend auf Zahlen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien

Plug-in-Hybride legen zu

Weniger stark als bei Elektroautos kletterten die Neuzulassungen bei Plug-in-Hybriden, die EU-weit im April um 16 Prozent zulegten – der Marktanteil stieg von 8,9 auf 9,8 Prozent. Die höchsten Marktanteile erzielten Plug-in-Hybride im April in Schweden und den Niederlanden (jeweils 24 Prozent). Der kombinierte Marktanteil beider elektrischen Antriebsarten (BEV und PHEV) war in Dänemark (83 Prozent) und Schweden (65 Prozent) am höchsten unter allen EU-Ländern.

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