VÖB: Kapitalmarktprognose – Energiepreisschock hält Inflation und Zinsen hoch

Berlin (22.10.26) – Die durch den Konflikt am Persischen Golf erhöhten Energiepreise belasten weiterhin die Konjunktur- und Inflationsaussichten. Allerdings erweist sich die Weltwirtschaft bislang als widerstandsfähiger als zunächst erwartet. Dieses Bild bestimmten die Prognosen der Kapitalmarktexperten Manfred Bucher (BayernLB), Thomas Drissner (DekaBank), Sonja Marten (DZ BANK), Ulf Krauss (Helaba), Dr. Jens-Oliver Niklasch (LBBW) und Christian Lips (NORD/LB), die am Donnerstag bei einem Pressegespräch des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, präsentiert wurden.

Die VÖB-Institute rechnen für Deutschland im Jahr 2027 mit einem Wachstum zwischen 1,1 und 1,3 Prozent. Für den Euroraum liegen die Erwartungen in ähnlicher Höhe. Gestützt wird der Ausblick insbesondere durch höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung, aber auch Investitionen in Rechenzentren sowie positive Impulse durch Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig bleibt die Lage fragil: Hohe Energiepreise schmälern die Kaufkraft, belasten Unternehmen und können bei einer weiteren Eskalation im Nahen Osten zu neuen Lieferengpässen führen.

Bei der Inflation besteht Einigkeit darüber, dass der Energiepreisschock die Teuerung zunächst erhöht hält. Für November 2026 erwarten die Banken für Deutschland Inflationsraten zwischen 2,9 und 3,9 Prozent, für den Euroraum zwischen 3,7 und 4,1 Prozent. Im Jahresverlauf 2027 dürften Basiseffekte die Inflation wieder dämpfen. Die Einschätzungen zum Tempo dieser Entwicklung gehen jedoch auseinander. Während die BayernLB für November 2027 eine deutsche Inflationsrate von nur noch 1,7 Prozent prognostiziert, liegen die Erwartungen der übrigen Häuser zwischen 2,0 und 2,8 Prozent.

Die Unterschiede in der Inflationseinschätzung spiegeln sich in den Prognosen zur Geldpolitik. Während die BayernLB auf Sicht von zwölf Monaten mit einem EZB-Einlagesatz von 2,25 Prozent bereits wieder niedrigere Kurzfristzinsen erwartet, sehen DekaBank und Helaba den Leitzins bei 2,75 Prozent. DZ BANK, LBBW und NORD/LB gehen sogar von einem Anstieg auf 3,00 Prozent aus.

Auch am Rentenmarkt erwarten die Experten trotz möglicher zwischenzeitlicher Entspannung ein erhöhtes Renditeniveau. Die Prognosen für zehnjährige Bundesanleihen liegen in zwölf Monaten zwischen 3,10 und 3,70 Prozent. Die BayernLB und die DZ BANK rechnen nach dem jüngsten Renditeanstieg mit moderaten Rückgängen auf 3,10 Prozent. Die DekaBank und die Helaba erwarten 3,20 bzw. 3,25 Prozent, die LBBW 3,40 Prozent. Als belastende Faktoren nennen die VÖB-Banken insbesondere die hohe Staatsverschuldung, umfangreiche Emissionsvolumina und die fiskalischen Risiken in Frankreich und den USA.

Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen reichen die Erwartungen auf Sicht von zwölf Monaten von 4,40 Prozent bei der BayernLB bis 4,90 Prozent bei der LBBW. Neben dem weiteren Kurs der US-Notenbank spielen dabei die robuste US-Konjunktur, die hohe staatliche Kreditaufnahme und die Nachfrageentwicklung am Treasury-Markt eine wesentliche Rolle.

Für den Wechselkurs EUR/USD erwarten die Banken mittelfristig überwiegend eine Aufwertung des Euro. Die Prognosen für zwölf Monate reichen von 1,15 bis 1,20. Kurzfristig könnten jedoch eine höhere Risikoaversion, eine Straffung der US-Geldpolitik sowie die politische und fiskalische Unsicherheit in Frankreich den Dollar stützen.

Die maßgeblichen Risiken für den Ausblick liegen nach Einschätzung der Experten in einer weiteren Eskalation im Nahen Osten, einem länger anhaltenden Energiepreisschock, stärkeren indirekten Inflationseffekten sowie einer Verschärfung fiskalischer und politischer Spannungen in Frankreich und den USA.

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