Siemens und NVIDIA: Auf dem Weg zum Schlaraffenland – KI-gestützte, autonome Fabrik

Erlangen (19.10.26) – Siemens hat im Siemens-Elektronikwerk in Erlangen erstmals neue KI-Lösungen für die industrielle Fertigung vorgestellt, die einzigartig in der Branche sind. Das ist ein großer Schritt hin zur KI-getriebenen, autonomen Fabrik und ein neuer Meilenstein in der Partnerschaft mit NVIDIA. Die Anwendungen nutzen KI und digitale Zwillinge, um den Produktionsanlauf zu beschleunigen und eine adaptivere Produktionsplanung zu ermöglichen. Beide Unternehmen haben im Januar 2026 auf der CES in Las Vegas angekündigt, die weltweit ersten vollständig KI-gestützten Fertigungsstandorte aufzubauen. Seitdem haben Siemens und NVIDIA die KI-Anwendungen gemeinsam im Siemens-Werk entwickelt und in der laufenden Fertigung getestet.

Siemens Gerätewerk Erlangen – Foto: Siemens

Das Elektronikwerk dient dabei als eine Art Labor für industrielle KI und soll zur Blaupause für eine Skalierung in der Industrie werden. Siemens und NVIDIA wollen Künstliche Intelligenz zum „Betriebssystem der Fertigung“ machen und damit die Art und Weise revolutionieren, wie Produkte über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg entworfen, produziert und ausgeliefert werden. Weitere Anwendungen sind für die kommenden Monate geplant.

„Die historische Chance für Deutschland und Europa liegt darin, künstliche Intelligenz aus den Rechenzentren in die Fabriken zu bringen – und dort im industriellen Maßstab einzusetzen“, sagt Cedrik Neike, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und President Digital Industries. „Wie das gelingt, zeigen wir heute gemeinsam mit NVIDIA in unserem Siemens-Elektronikwerk Erlangen. Mit sieben Prozent Produktivitätssteigerung pro Jahr gehört Erlangen zu den modernsten Werken der Welt. Gleichzeitig ist es mit rund 3.000 Kundenbesuchen jährlich ein globaler Treffpunkt für industrielle Innovation. Hier wird die Zukunft der Industrie nicht nur diskutiert, sondern ist bereits heute Realität.“

„Fabriken müssen mit Veränderungen ebenso gut umgehen können wie mit Wiederholungen. KI und Simulation machen das möglich“, sagte Rev Lebaredian, Vice President, Physical AI Simulation bei NVIDIA. „In Erlangen setzen Siemens und NVIDIA jahrelange Zusammenarbeit in der Fabrikhalle in die Praxis um – sie trainieren Inspektionssysteme, bevor physische Prototypen existieren und entwerfen sowie testen Produktionspläne in der Simulation, bevor sie die reale Welt verändern. Gemeinsam bauen wir eine Blaupause für autonome Fabriken auf der ganzen Welt.“

Die ersten neuen KI-Lösungen konnte das Team von Siemens und NVIDIA in einer Rekordzeit von weniger als zehn Monaten entwickeln. Dafür wurden die Kompetenzen beider Unternehmen verknüpft: die Kombination aus KI-, Simulations- und Rechentechnologien von NVIDIA mit der Industrie-, Software- und Automatisierungskompetenz von Siemens. Zudem hat das Team die Lösungen direkt in der laufenden Produktion getestet – dadurch konnten die Teams Anwendungen entwickeln, die exakt auf reale Fertigungsanforderungen zugeschnitten sind. Die Technologien können in Bereichen wie Produktionsplanung oder Produktentwicklung zu bislang unerreichten Verbesserungen führen.

So kann bei neuen Leiterplatten – dem Herzstück der in Erlangen gefertigten Antriebe und Frequenzumrichter – der Engineering-Aufwand um bis zu 85 Prozent reduziert und die Markteinführungszeit um bis zu 40 Prozent verkürzt werden. Möglich wird das, indem das Siemens-NVIDIA-Team einen entscheidenden Engpass auflöst. Bisher dauerte es oft mehrere Wochen, die Qualitätsprüfung für neue Leiterplatten einzurichten. Der Grund: Die Bildverarbeitungssysteme mussten auf physische Prototypen warten, um trainiert zu werden. Erst anschließend konnten die Inspektionssysteme manuell eingerichtet werden. Dieser Prozess, der den Produktionsbeginn verzögerte, gehört jetzt der Vergangenheit an. Inzwischen erzeugt KI auf Basis des digitalen Zwillings fotorealistische, virtuelle Darstellungen der Leiterplatte, um damit das System zu trainieren.

In der Produktionsplanung des Werkes versprechen neue KI-Technologien zudem, den Balanceakt zwischen Kapazitäten, Materialverfügbarkeit, Lieferterminen und Produktionslinien schneller und effizienter zu meistern. Bisher mussten Planer basierend auf ihrer Erfahrung verschiedene Faktoren gegeneinander abwägen und die bestmögliche Entscheidung treffen. Im Siemens-Elektronikwerk in Erlangen unterstützt dabei inzwischen ein KI-Agent. Gehen neue Aufträge ein, erstellt er automatisch verschiedene Produktionsszenarien und zeigt den Planern die Auswirkungen der jeweiligen Optionen anhand bestimmter Kennzahlen. Die Vorschläge werden vor der Umsetzung mithilfe eines digitalen Zwillings der gesamten Produktion überprüft. Diese durchgängige agentenbasierte Produktionsplanung kann Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent ermöglichen. Gleichzeitig kann die Produktion flexibler auf neue Aufträge, Materialengpässe oder veränderte Anforderungen von Kunden reagieren.

Diese Fortschritte verknüpfen Industriesoftware und Fertigungsexpertise von Siemens mit NVIDIA-Technologien. So generieren NVIDIA Cosmos World Models realistische Trainingsdaten für die Qualitätsprüfung. Das NVIDIA Factory Operations Blueprint unterstützt KI-Agenten, die Produktionspläne erstellen und Fabriken dabei helfen, flexibel auf veränderte Anforderungen zu reagieren. Gleichzeitig ermöglichen NVIDIA Omniverse-Bibliotheken den Teams, diese Pläne auf Basis realer Fabrikdaten virtuell zu testen.

Das Erlanger Siemens-Werk besteht seit 1971 und produziert mit seinen rund 1.000 Mitarbeitenden Leistungselektronik und Automatisierungstechnik für Industrie und Infrastruktur, darunter Werkzeugmaschinen. Gefertigt werden dort zudem Lösungen für die Batterieproduktion sowie für die Prozess- und Fertigungsindustrie. Im Werk werden schon seit über zehn Jahren neue digitale Fertigungstechnologien im laufenden Betrieb ausprobiert, entwickelt und eingeführt. Derzeit sind dort mehr als 100 KI-Algorithmen in Produktion, Logistik, Qualitätsprüfung und Instandhaltung im Einsatz. Bis 2030 wird der Standort ausgebaut. Dafür investiert Siemens 500 Millionen Euro.

Leave a reply

Follow
Search
Loading

Signing-in 3 seconds...

Signing-up 3 seconds...