Hannover (5.8.26) – Die Risikolandschaft für Rechenzentren in Europa verändert sich rasant, da Naturgefahren und Klimarisiken zunehmen. Standardansätze bei Standortwahl, Bau und Betrieb reichen nicht mehr aus. Johanna Rohrer, Risk Analyst Natural Hazards and Climate Risks bei HDI Global, HDI Risk Consulting und Gareth Hopkins, Risk Engineer bei HDI Global, HDI Risk Consulting, erläutern vier zentrale Faktoren zur Stärkung der Resilienz und zur Vermeidung von Schäden.
Der Frankfurter Raum ist einer der wichtigsten Rechenzentrumsstandorte in Deutschland und zugleich steigenden Klimarisiken ausgesetzt. Nach Analysen von HDI ARGOS 4.0 wird das Risikoprofil der Region heute durch Starkregenereignisse, zunehmende Hitzeextreme und schwere Stürme geprägt. Zu den potenziellen Auswirkungen zählen urbane Überflutungen infolge überlasteter Entwässerungssysteme und Sturmereignissen mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h. Klimaprojektionen deuten zudem auf eine deutliche Zunahme extremer Hitzetage hin. Frankfurt steht damit beispielhaft für eine europaweit zu beobachtende Entwicklung, in der das Wachstum digitaler Infrastruktur auf ein zunehmend komplexes Risikoumfeld trifft. Viele dieser Risiken lassen sich durch gezielte Präventions- und Anpassungsmaßnahmen wirksam reduzieren.
1. Prävention beginnt mit einer standortspezifischen Risikobewertung
Die Resilienz von Rechenzentren wird zunehmend auf Ebene des Mikrostandorts bestimmt. Standortbezogene Faktoren wie Überschwemmungszonen, Küstennähe oder die Leistungsfähigkeit von Entwässerungssystemen bestimmen die tatsächliche Risikoexponierung. In Amsterdam können beispielsweise Küsten- und Starkregenüberschwemmungen den Betrieb beeinträchtigen, wodurch die Höhenlage und die Auslegung von Entwässerungssystemen zu wichtigen Resilienzfaktoren werden.
Nach der Identifizierung relevanter Risiken gilt es, standortspezifische Schwachstellen zu bewerten. Kritische Bereiche können Serverräume, Energieerzeugungs- und Energieversorgungsinfrastrukturen sowie Kühlsysteme umfassen. Eine strukturierte Bewertung hilft dabei, kritische Anlagen zu priorisieren und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Die Definition von Schutzzielen sowie die regelmäßige Überprüfung von Resilienzmaßnahmen stellen sicher, dass diese auch bei veränderten Risikobedingungen wirksam bleiben. Zukunftsorientierte Klimarisikodaten unterstützen die Entscheidungsfindung zusätzlich, indem sie die Bewertung potenzieller Entwicklungen bereits vor der Standortwahl ermöglichen und so die Planung von Risikominderungsmaßnahmen verbessern.
2. Begrenzte Ressourcen als aufkommender Risikofaktor
Die Resilienz von Rechenzentren hängt von der Verfügbarkeit und Stabilität kritischer Ressourcen ab. Klimaprojektionen deuten auf zunehmende Hitzeextreme und längere Trockenperioden in Europa hin. Steigende Temperaturen erhöhen den Kühlbedarf und setzen Energieversorgung, verfügbare Systemreserven sowie Infrastrukturplanung zusätzlich unter Druck. Dadurch gewinnen die Leistungsfähigkeit von Kühlsystemen, die Resilienz der Stromversorgung sowie Notstrom- und Lastmanagementkonzepte zunehmend an Bedeutung. Die Kühlung wird damit zu einem entscheidenden Resilienzfaktor, da verringerte Kühlleistung oder Systemausfälle zu Überhitzung, Kapazitätsverlusten und im Extremfall zu Betriebsausfällen führen können.
Extreme Hitze, schwere Stürme und Überschwemmungen können zudem die Stabilität der Stromversorgung beeinträchtigen. Der steigende Energiebedarf erhöht zusätzlich das Risiko von Stromausfällen und Betriebsunterbrechungen.
3. Bauweise als entscheidender Hebel für mehr Resilienz
Typische Baustandards berücksichtigen Klimarisiken und die Anfälligkeit von Rechenzentren häufig nicht ausreichend. Zu den wesentlichen Schwachstellen zählen große Brandabschnitte, weitläufige Flachdachflächen sowie Entwässerungssysteme, die bei Starkregen überlastet werden können. Auch technische Anlagen und Gebäudehöhenlagen sind von der Wirksamkeit der Oberflächenentwässerung abhängig und besonders exponiert.
Bei der Standort- und Gebäudeplanung sollten daher Notüberläufe in Dachentwässerungssystemen vorgesehen sowie kritische Anlagen und Bodenniveaus erhöht ausgeführt werden. Bodenentwässerungssysteme und die räumliche Trennung kritischer Bereiche können dazu beitragen, die Ausbreitung von Schäden zu begrenzen. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt jedoch von den jeweiligen Standortbedingungen ab und sollte individuell bewertet werden.
4. Ausfallzeiten durch operative Vorbereitung reduzieren
Resilienz beschränkt sich nicht auf bauliche Schutzmaßnahmen. Trotz sorgfältiger Standortwahl und robuster Bauweise lassen sich Störungen nicht vollständig vermeiden. Das Ausmaß von Betriebsunterbrechungen hängt maßgeblich von der operativen Vorbereitung ab. Je nach Standort können wichtige Maßnahmen Frühwarnsysteme, klar definierte Notfallpläne sowie die Sicherstellung der Erreichbarkeit eines Standorts während eines Überschwemmungs- oder Extremwetterereignisses sein. Darüber hinaus tragen Redundanzen in kritischen Infrastrukturen, Lieferketten sowie IT- und Netzwerkarchitekturen dazu bei, Ausfallzeiten und finanzielle Folgen zu begrenzen.
Die Resilienz von Rechenzentren erfordert einen kontinuierlichen und vorausschauenden Ansatz im Risikomanagement. Als Partner in Transformation unterstützt HDI Global Kunden dabei, Risikobewertung und aktives Risikomanagement miteinander zu verbinden. Bereits vor Baubeginn können Standorte hinsichtlich ihrer aktuellen und zukünftigen Exponierung gegenüber Naturgefahren und physischen Klimarisiken bewertet werden. Gemeinsam mit Kunden werden Schwachstellen identifiziert und durch gezielte Risikominderungsmaßnahmen adressiert. Im Fokus stehen dabei Standortbedingungen, Erreichbarkeit und Lieferketten.