Berlin (14.7.26) – Der Faire Handel in Deutschland wächst weiter: 2025 erreichte der Umsatz mit fair gehandelten Produkten einen neuen Höchstwert von 2,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 4,7 Prozent. „Die wirtschaftliche Entwicklung des Fairen Handels stimmt uns optimistisch, doch unsere politische Bilanz fällt kritischer aus“, erklärt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel in Berlin. „Denn faire Handelsbeziehungen und der Schutz von Umwelt- und Menschenrechten geraten in Deutschland und der EU zunehmend unter Druck, während die Machtkonzentration in vielen Lieferketten auf Kosten der Produzierenden wächst.“
„Die Einhaltung von Menschenrechten, Klimaschutz und ökonomischer Erfolg stehen nicht im Widerspruch. Das zeigt der Faire Handel, der 2025 weiter gewachsen ist“, erklärt Matthias Fiedler, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel (FFH) anlässlich dessen Jahrespressekonferenz. „Viele Verbraucher*innen entscheiden sich – etwa beim Einkauf von Kaffee oder Schokolade – bewusst für die faire Alternative.“ Das belegen auch höhere Absätze bei vielen Produkten aus Fairem Handel. Besonders positiv entwickelten sich die Weltläden im zurückliegenden Jahr: Der anhaltenden Kaufzurückhaltung im stationären Einzelhandel zum Trotz konnnten sie ihre Umsätze um 10 Prozent steigern. „Weltläden sind das Rückgrat des Fairen Handels“, so Fiedler. „Sie verkaufen nicht nur faire Produkte, sondern machen globale Zusammenhänge sichtbar und halten das Engagement für globale Gerechtigkeit vor Ort lebendig.“
Europäischer Vergleich zeigt: Hier geht noch was!
„Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Fairer Handel gesellschaftlich noch stärker verankert werden kann, wenn Politik, Handel und Zivilgesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Matthias Fiedler. Während die Verbraucher*innen hierzulande 2025 durchschnittlich 33 Euro pro Kopf für faire Produkte ausgaben, waren es in der Schweiz rund 129 Euro allein für Fairtrade-gesiegelte Produkte. In Österreich lag der Wert bei 88 Euro, in Frankreich bei rund 47 Euro.
Verantwortungslosigkeit als Wettbewerbsvorteil?
Seit 20 Jahren arbeitet das FFH daran, politische Rahmenbedingungen so zu verändern, dass die Prinzipien des Fairen Handels zum Standard werden. Anlässlich des Vereinsjubliäums fällt die Bilanz gemischt aus: „Wir haben in den letzten Jahren einiges erreicht. Aber derzeit stehen hart erkämpfte Nachhaltigkeitsregulierungen wie das Lieferkettengesetz, die Menschenrechte und Umwelt schützen sollen, in Deutschland und der EU mächtig unter Druck“, erklärt Andrea Fütterer. „Mit dem Abbau dieser Schutzstandards wird Verantwortungslosigkeit zum Wettbewerbsvorteil erhoben.“ „Zudem werden die strukturellen Bedingungen dieses Wettbewerbs immer ungleicher, da wenige große Konzerne über stetig steigende Marktmacht verfügen. Und mehr Marktmacht heißt immer auch weniger Verhandlungsmacht für Produzierende“, konstatiert Matthias Fiedler. Das Forum Fairer Handel fordert deshalb, Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel und in globalen Lieferketten wirksam zu begrenzen, faire Preise gesetzlich zu verankern, Schutzstandards zu erhalten, und die Unternehmen zu stärken, die Verantwortung zum Kern ihres Geschäftsmodells machen