Ernst & Young EY: Europas Banken wachsen dynamischer als Ihre US-Konkurrenten

Frankfurt/Main (9.3.26) – Die Entwicklung der größten Banken in Europa und den USA zeigt für das Jahr 2025 ein differenziertes Bild: Während europäische Institute ihre Ertragslage deutlich verbessern konnten, verzeichneten US-Banken rückläufige Ergebnisse. Dennoch bleiben die amerikanischen Wettbewerber bei zentralen Kennzahlen wie Profitabilität, Kapitalausstattung und Marktkapitalisierung weiterhin vorn.

Der kumulierte Nettogewinn der zehn größten europäischen Banken stieg 2025 um acht Prozent auf rund 92 Milliarden Euro. Die US-amerikanischen Top-Institute erzielten hingegen einen Rückgang um rund neun Prozent auf knapp 164 Milliarden Euro. In allen Jahren der vergangenen Dekade übertraf der Nettogewinn der amerikanischen Top10-Banken den der europäischen Top10-Institute.

Bei der Profitabilität (Return on Equity, RoE) konnten die europäischen Großbanken aufholen und mit 9,8 Prozent den zweithöchsten Wert der vergangenen zwölf Jahre erzielen. Die Eigenkapitalrentabilität der amerikanischen Banken sank hingegen auf 11,6 Prozent, nach 12,1 Prozent im Vorjahr. In allen Jahren der vergangenen Dekade lag der RoE-Wert der amerikanischen Top10-Banken über dem ihrer europäischen Wettbewerber.

Auch beim operativen Ergebnis (EBT) legten europäische Banken zu und erreichten mit 127 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. In den USA sank der operative Gewinn dagegen um sieben Prozent auf 206 Milliarden Euro. Spitzenreiter in den USA war JPMorgan Chase mit 61,8 Milliarden Euro, in Europa lag die HSBC mit rund 25,5 Milliarden Euro vorn.

Die Eigenkapitalquoten blieben in beiden Regionen stabil. Europäische Banken wiesen erneut eine Quote von 5,2 Prozent aus, während US-Institute mit 6,6 Prozent weiterhin deutlich höher kapitalisiert sind.

Besonders positiv entwickelte sich die Marktkapitalisierung europäischer Banken im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum 31. Dezember 2024 stieg der kumulierte Börsenwert um rund 50 Prozent auf über 940 Mrd. Euro (Stand 3.3.26), während US-Banken im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von rund zehn Prozent auf rund zwei Billionen Euro verzeichneten.

Das sind die Ergebnisse einer EY-Analyse der Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa.

„Nach Jahren struktureller Schwäche profitieren europäische Banken zunehmend von stabileren Margen, verbesserten Erträgen und steigender Marktkapitalisierung. Die Kombination aus starkem Zinsüberschuss, diversifizierten Ertragsquellen, verbesserter Kostenstruktur und nur leicht steigenden Kreditausfällen half, die Profitabilitätslücke zu den US-Wettbewerbern zu verringern“, resümiert Ralf Eckert, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. „Die Analyse der US-Bilanzen zeigt, dass die volatile Zollpolitik und deutlich höheren Inflationsraten an den dortigen Banken nicht spurlos vorbeigegangen sind, denn die Kreditqualität hat sich im zweiten Jahr in Folge spürbar verschlechtert. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die US-Banken ihren europäischen Peers in wichtigen Kennzahlen weiterhin überlegen sind – wenn auch nicht mehr so deutlich wie in der jüngeren Vergangenheit.“

Herausforderungen 2026

Im laufenden Kalenderjahr sehen sich Banken auf beiden Seiten des Atlantiks mit ähnlichen Risiken und Chancen konfrontiert wie im Jahr 2025: Dazu zählen insbesondere geopolitische Risiken mit Auswirkung auf die globalen Kapital- und Energiemärkte – vor allem infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Nahen Osten –, makroökonomische Unsicherheiten durch die aktuelle Zoll- und Handelspolitik der US-Administration sowie die anstehenden Zinsentscheidungen von FED und EZB. Gleichzeitig sind Banken weiterhin gefordert, Ihre Kostenstruktur zu verbessern und notwendige Investitionen in neue Technologien zu tätigen. Lediglich punktuelle Bemühungen, aufsichtsrechtliche Meldewesenanforderungen in Europa zu vereinfachen werden im Vergleich zu den Deregulierungsmaßnahmen jenseits des Atlantiks zu einem weiteren Auseinanderdriften der regulatorischen Kosten führen.

„Vor dem Hintergrund der volatilen und angespannten geopolitischen Situation rechnen wir mit einem anspruchsvollen Jahr für den Bankensektor – sowohl in Europa als auch in den USA. Externe Preisschocks bei Energiekosten und daraus resultierende Inflationsrisiken machen Zinserhöhungen wieder denkbar“, sagt Gunther Tillmann, Partner und Leiter Banking & Capital Markets bei EY.

„Für europäische Banken ergeben sich Chancen aus den politisch angekündigten Investitionen in Daten- und Technologiesouveränität, Verteidigung und Infrastruktur, da bei deren Finanzierung auch privates Kapital benötigt wird.“

„Herausforderungen für den deutschen Bankensektor entstehen zusätzlich aus dem Wettbewerbsdruck durch den Markteintritt von US-Banken sowie Neobanken und Kryptoplattformen, dabei geht es vor allem auch um die Positionierung an der Kundenschnittstelle“, bilanziert Tillmann.

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