Ernst & Young EY: Elektroautos – Rekordverkäufe und Rekordmarktanteil in der EU – deutsche Hersteller verlieren Marktanteile

Stuttgart (22.10.26) – Europas Automarkt stellt schneller auf Strom um, als viele erwartet hatten – bezahlt wird das allerdings zu einem erheblichen Teil mit Geld vom Staat. Im September kamen in der EU 290.117 Elektroautos neu auf die Straße, 73 Prozent mehr als vor einem Jahr und so viele wie noch nie in einem einzigen Monat. Der Elektro-Marktanteil stieg um 11,0 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent – ebenfalls ein Rekord. Mehr als jeder vierte Neuwagen fuhr damit rein elektrisch. Neben den diversen nationalen Förderprogrammen dürften auch die hohen Benzin- und Dieselpreise den Umstieg beschleunigt haben.

Der Gesamtmarkt wuchs um 9,3 Prozent – allerdings nur dank der Autos mit Stecker: Neben den Elektroautos legten auch die meist ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride zu, um 12 Prozent. Alle übrigen Antriebe verloren zusammen acht Prozent. Noch deutlicher sank die Nachfrage nach klassischen Verbrennern: Reine Benziner verloren 23 Prozent, reine Diesel sogar 30 Prozent.

Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, sieht das aktuelle Wachstum skeptisch: „Der Markt wächst, aber er wächst auf Pump. Ein großer Teil der Elektro-Käufe wird von Förderprogrammen ausgelöst. Wenn diese Programme enden, bricht der Markt ein. Das hat Deutschland nach dem abrupten Aus des Umweltbonus Ende 2023 schmerzhaft erlebt. Diese Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung ist keine nachhaltige Politik für den Umstieg auf die E-Mobilität. Elektroautos müssen die Neuwagenkäufer technologisch und preislich überzeugen, und es braucht eine adäquate Infrastruktur. Das ist offenbar bislang noch nicht der Fall – daher braucht es staatliche Subventionen.“

Elektro-Boom wird zum Planungsrisiko

Der unerwartet starke Anstieg der Elektro-Neuzulassungen schafft für die Hersteller zugleich ein strategisches Problem, so Gall. „Für die langfristige Produktions- und Kapazitätsplanung sowohl bei Herstellern wie bei Zulieferern ist wichtig, ob wir gerade einen dauerhaft höheren Elektro-Anteil sehen oder vor allem einen durch Förderprogramme ausgelösten Schub“, sagt Gall. „Die Hersteller müssen heute darüber entscheiden, ob sie zusätzliche Kapazitäten für Elektroautos aufbauen und zugleich Verbrennerkapazitäten zurückfahren. Solange aber offen ist, wie lange die Nachfrage auf diesem Niveau bleibt und ob die EU-Länder ihre Subventionen dauerhaft finanzieren, fehlt eine verlässliche Grundlage für diese Entscheidungen. Ein zu langsamer Umbau kostet Marktanteile; ein zu schneller Umbau kann neue Überkapazitäten schaffen.“

Großes Nord-Süd-Gefälle

Europa wechselt sehr unterschiedlich schnell zum Elektroauto. In Norwegen, das nicht zur EU gehört, sind 99 Prozent der neuen Pkw Elektroautos. Dänemark kommt auf 89 Prozent, Finnland auf 62 Prozent. Deutschland liegt mit 35 Prozent im oberen Mittelfeld und hat gegenüber August weiter zugelegt (damals 32,4 Prozent). In einigen großen Märkten spielen Elektroautos dagegen kaum eine Rolle: In Italien liegt ihr Anteil bei acht Prozent, in Polen bei sechs Prozent.

Europas Automarkt stellt schneller auf Strom um, als viele erwartet hatten – bezahlt wird das allerdings zu einem erheblichen Teil mit Geld vom Staat. Im September kamen in der EU 290.117 Elektroautos neu auf die Straße, 73 Prozent mehr als vor einem Jahr und so viele wie noch nie in einem einzigen Monat. Der Elektro-Marktanteil stieg um 11,0 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent – ebenfalls ein Rekord. Mehr als jeder vierte Neuwagen fuhr damit rein elektrisch. Neben den diversen nationalen Förderprogrammen dürften auch die hohen Benzin- und Dieselpreise den Umstieg beschleunigt haben.

Der Gesamtmarkt wuchs um 9,3 Prozent – allerdings nur dank der Autos mit Stecker: Neben den Elektroautos legten auch die meist ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride zu, um 12 Prozent. Alle übrigen Antriebe verloren zusammen acht Prozent. Noch deutlicher sank die Nachfrage nach klassischen Verbrennern: Reine Benziner verloren 23 Prozent, reine Diesel sogar 30 Prozent.

Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, sieht das aktuelle Wachstum skeptisch: „Der Markt wächst, aber er wächst auf Pump. Ein großer Teil der Elektro-Käufe wird von Förderprogrammen ausgelöst. Wenn diese Programme enden, bricht der Markt ein. Das hat Deutschland nach dem abrupten Aus des Umweltbonus Ende 2023 schmerzhaft erlebt. Diese Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung ist keine nachhaltige Politik für den Umstieg auf die E-Mobilität. Elektroautos müssen die Neuwagenkäufer technologisch und preislich überzeugen, und es braucht eine adäquate Infrastruktur. Das ist offenbar bislang noch nicht der Fall – daher braucht es staatliche Subventionen.“

Elektro-Boom und Förderung helfen der Konkurrenz aus China

Für die chinesischen Hersteller läuft es in Europa besser denn je. Ihr EU-Absatz stieg im September um drei Viertel (plus 76 Prozent), ihr Marktanteil von 7,3 auf 11,7 Prozent. Die wachstumsstärksten Hersteller in der EU sind chinesische Marken: Leapmotor (plus 256 Prozent), Chery (plus 224 Prozent) und BYD (plus 111 Prozent). Dahinter folgen Tesla (plus 79 Prozent), Mazda (plus 47 Prozent) und Geely (plus 33 Prozent).

„Mit den Förderprogrammen subventionieren die europäischen Länder die ausländische Konkurrenz der heimischen Industrie“, sagt Gall. „Gerade die chinesischen Hersteller bieten im unteren und mittleren Preissegment sehr wettbewerbsfähige Modelle und günstige Finanzierungen an. Sie profitieren deshalb überproportional von den Förderprogrammen, die sich stark an Käufer mit niedrigem und mittlerem Einkommen richten. Industriepolitisch kann das so nicht gewollt sein.“ Gall erwartet, dass sich der Trend fortsetzt: „Der steigende Marktanteil chinesischer Hersteller ist kein Strohfeuer. Gerade im Volumensegment droht den etablierten europäischen Herstellern ein dauerhafter Verlust von Marktanteilen. Zwar werden voraussichtlich nicht alle chinesischen Marken, die derzeit nach Europa drängen, langfristig bestehen; der Markt dürfte sich konsolidieren. Die Anbieter, die sich durchsetzen, werden aber mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis zu einer ernsthaften Konkurrenz für die etablierten Volumenhersteller. Viele von ihnen stehen in Europa erst am Anfang.“

Deutsche Hersteller: Weniger verkauft, deutlich Marktanteile verloren

Die Bilanz der deutschen Autokonzerne fällt schwach aus. Sie verkauften im September 2,1 Prozent weniger Autos in der EU als ein Jahr zuvor, während der Gesamtmarkt um 9,3 Prozent wuchs. Ihr Marktanteil sank deshalb von 39,7 auf 35,6 Prozent, also um 4,1 Prozentpunkte. Der Rückgang hat sich damit verstärkt: Im August hatten die deutschen Hersteller 2,2 Prozentpunkte verloren. Auf Konzernebene verloren vor allem der Volkswagen-Konzern (minus 3,3 Prozentpunkte), die Renault Group (minus 0,8 Prozentpunkte) sowie Ford und Stellantis (jeweils minus 0,6 Prozentpunkte) Marktanteile.

Tesla Model Y an der Spitze – deutsche Modelle fallen zurück

Wie zuletzt in jedem letzten Quartalsmonat liegt Tesla im Ranking der Elektromodelle vorn. Das Model Y war im September das meistverkaufte Elektroauto in Europa, gefolgt vom Model 3. Mit großem Abstand folgen die Skoda-Modelle Elroq und Enyaq sowie zwei Renault-Modelle. Unter den zehn meistverkauften Elektroautos kamen nur noch drei von deutschen Konzernen, im August waren es noch sechs.

Ausblick: Wachstum ohne Rückenwind aus der Konjunktur

Die steigenden Neuzulassungen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Umfeld für die Autohersteller kaum aufgehellt hat, betont Gall: „Die Branche bekommt derzeit von mehreren Seiten Druck: Die Konjunktur ist schwach, viele Verbraucher halten sich bei größeren Anschaffungen zurück, geopolitische Konflikte schaffen neue Risiken und gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb auf dem europäischen Markt. Das ist eine schwierige Gemengelage.“ Entsprechend bleibe der Druck auf Kosten und Margen hoch. „Die Hersteller können nicht darauf setzen, dass ihnen ein kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung die Probleme abnimmt. Sie müssen wettbewerbsfähiger werden und ihre Kostenstrukturen konsequenter anpassen.“

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