Stuttgart (3.9.26) – Der von der Elektroprämie ausgelöste Absatzboom bei Elektroautos hält an: um 75 Prozent stiegen die Neuzulassungen von E-Autos im August, der Marktanteil kletterte gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,4 Prozentpunkte auf 32,4 Prozent. Auch die ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride legten – um 6,0 Prozent – zu und kamen auf einen Marktanteil von 12,0 Prozent. In Summe erreichten Neuwagen „mit Stecker“ damit einen Marktanteil von 44,4 Prozent – gut vier von zehn Neuwagen lassen sich also per Stecker laden.
Die übrigen Antriebsformen verkauften sich hingegen insgesamt schlechter als im Vorjahr: Ihr Absatz schrumpfte in Summe um 17,8 Prozent. Die Neuzulassungen reiner Benziner sanken sogar um 37,9 Prozent, bei Diesel-Pkw sank der Absatz um 17,3 Prozent.
Trotz des aktuellen Aufwärtstrends auf dem deutschen Neuwagenmarkt, bleibt das Absatzniveau im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 niedrig: So lag der Absatz im August um 32,3 Prozent unter Niveau des Vergleichsmonats im Jahr 2019.
Im laufenden Jahr wird nach EY-Prognose der deutsche Neuwagenmarkt zwar um etwa drei Prozent über dem Vorjahresniveau, aber 18 Prozent niedriger als 2019 liegen – in absoluten Zahlen werden im Gesamtjahr etwa 650.000 Neuwagen weniger in Deutschland verkauft als vor der Pandemie.
Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, bleibt trotz des aktuellen Marktwachstum in Deutschland skeptisch: „Die Elektro-Prämie hat einen kräftigen Nachfrageschub im Elektrosegment ausgelöst – allerdings ist dieses Absatzwachstum zum einen teuer erkauft – und zwar mit Steuergeldern –, zum anderen wird die hohe Nachfrage nach Elektroautos nur so lange anhalten, wie die Förderung gewährt wird. Danach werden wir erneut einen massiven Rückgang der Zulassungszahlen sehen – so wie es in der Vergangenheit bei E-Auto-Förderungen auch schon war.“
Marktanteil der deutschen Konzerne sinkt – Chinesen legen kräftig zu
Vom Aufwärtstrend auf dem deutschen Neuwagenmarkt konnten in den vergangenen Monaten ausländische Autokonzerne überproportional stark profitieren – die deutschen Konzerne verloren hingegen Monat für Monat Marktanteile. Im August schrumpfte der Marktanteil der deutschen Konzerne auf dem deutschen Neuwagenmarkt um 4,6 Prozentpunkte, nachdem er im Juli um 0,9 Prozentpunkte gesunken war.
Deutliche Marktanteilsgewinne verzeichnen aktuell vor allem die chinesischen Konzerne: Ihr Absatz stieg im August um 90 Prozent, der Marktanteil stieg von 4,4 auf 8,0 Prozent – ein neuer Rekord. Damit setzt sich der kontinuierliche Aufwärtstrend bei den chinesischen Konzernen fort.
Gall: „China exportiert mittlerweile nicht nur Autos, sondern auch seine Überkapazitäten. Weil der Heimatmarkt rückläufig ist und der Wettbewerb immer härter wird, drängen chinesische Hersteller mit Macht nach Europa – und Deutschland bietet mit der aktuellen Elektroprämie den Chinesen das perfekte Umfeld für ihre Marktoffensive. Besonders im Einstiegs- und Volumensegment treffen chinesische Hersteller auf Lücken im Angebot der etablierten Hersteller und gewinnen Schritt für Schritt Marktanteile. Für die Volumenhersteller wird der Wettbewerb auf dem europäischen Markt weiter zunehmen. Die Zeiten, in denen chinesische Marken hierzulande nur eine Randerscheinung waren, sind endgültig vorbei.“ Dazu trage auch die Schnelligkeit bei der Produktentwicklung, die deutlich niedrigeren Produktionskosten und der Ausbau des Vertriebsnetzes in Europa bei, so Gall.
Bislang können die chinesischen Marken in erster Linie in niedrigeren Preissegmenten punkten – das müsse aber nicht so bleiben, warnt Gall: „Die chinesischen Hersteller greifen derzeit vor allem dort an, wo Kaufentscheidungen besonders stark vom Preis-Leistungs-Verhältnis geprägt werden: im unteren und mittleren Marktsegment. Im Premiumbereich sind die Eintrittsbarrieren hingegen deutlich höher. Dort spielen Faktoren wie Markenstärke, Tradition, Kundenloyalität und Wiederverkaufswerte eine wesentlich größere Rolle als reine Preisvorteile. Die deutschen Premiummarken verfügen in diesen Bereichen nach wie vor über Wettbewerbsvorteile. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung in China selbst, wie schnell sich Markenbilder verändern können. Deshalb sollten die deutschen Hersteller ihre immer noch vorhandene Stärke im Premiumsegment nicht als dauerhafte Garantie verstehen. Was heute vor allem das Volumensegment betrifft, kann mittelfristig auch auf höhere Fahrzeugklassen übergreifen.“
Durchwachsener Ausblick für den deutschen Neuwagenmarkt
Auch in den kommenden Monaten werde das von der Elektro-Prämie ausgelöste Absatzwachstum auf dem deutschen Neuwagenmarkt anhalten, zusätzlich befeuert durch neu auf den Markt kommende elektrische Kleinwagen. In diesem Segment ermögliche die Prämie prozentual besonders große Preisabschläge, so Gall. Aber: „Außer der Elektro-Prämie gibt es aktuell keine Impulse für den Neuwagenmarkt. Die Konjunktur bleibt sehr schwach, die Investitionsbereitschaft ist gering, Arbeitsplatzsorgen machen sich breit. Und die Elektro-Prämie wird sich als drei Milliarden Euro teures Strohfeuer erweisen, denn wenn sie voraussichtlich Anfang 2028 ausläuft, wird der Markt für E-Autos zusammenbrechen.“
Bis dahin werden die deutschen Autokonzerne allerdings stärker am Wachstum im Elektrosegment partizipieren als bisher: „Mit dem Marktstart neuer deutscher Einstiegsmodelle im Elektrosegment wird zunehmend auch wieder die deutsche Autoindustrie von der Elektroprämie profitieren – dann wird der Marktanteil der deutschen Hersteller voraussichtlich wieder steigen. Zudem sehen wir im gewerblichen Bereich eine starke Nachfrage nach neuen Elektrofahrzeugen auf 800-Volt-Plattformen. Das Absatzwachstum im Elektrosegment wird derzeit eher durch begrenzte Verfügbarkeiten und Lieferengpässe als durch mangelndes Kundeninteresse gebremst.“
Entwicklung der Top-5- und chinesischen Konzerne in Deutschland im August 2026
| Anzahl Neuzulassungen | Marktanteil | ||||
| Konzern | August 26 | August 25 | Veränderung | August 26 | August 25 |
| Volkswagen-Konzern | 73.466 | 81.998 | -10,4 % | 34,6 % | 39,6 % |
| Stellantis | 25.408 | 25.371 | +0,1 % | 12,0 % | 12,2 % |
| BMW-Konzern | 21.854 | 21.511 | +1,6 % | 10,3 % | 10,4 % |
| Mercedes-Benz-Konzern | 20.680 | 19.148 | +8,0 % | 9,7 % | 9,2 % |
| Hyundai-Kia | 13.643 | 12.207 | +11,8 % | 6,4 % | 5,9 % |
| Chinesische Konzerne (gesamt) | 17.110 | 9.019 | +89,7 % | 8,0 % | 4,4 % |