DIW: KI-Nutzung am Arbeitsplatz noch eher gering – Niedriggebildete und Frauen zeigen wenig Interesse an zukünftiger Nutzung

Berlin (4.11.26) – Für die meisten Beschäftigten in Deutschland hat Künstliche Intelligenz (KI) im vergangenen Jahr in ihrem Berufsalltag noch keine große Rolle gespielt. Fast die Hälfte von ihnen kam bis dato noch gar nicht mit KI-Anwendungen in Berührung, ein Fünftel hatte wenige Erfahrungen mit KI im Arbeitskontext gesammelt. Nur etwa zwölf Prozent gaben an, KI bisher „viel“ oder „sehr viel“ genutzt zu haben. Dabei unterschieden sich verschiedene Berufs- und Bevölkerungsgruppen deutlich, etwa nach dem Alter, dem Bildungsabschluss und dem Digitalisierungsgrad des ausgeübten Jobs – das könnte die digitale Kluft vertiefen. Insbesondere jüngere, besser gebildete und männliche Beschäftigte sowie Personen in stark digitalisierten Berufen kannten und nutzten KI häufiger als andere Beschäftigte. Vor allem Frauen und Niedriggebildete beabsichtigten zudem nur selten, KI zukünftig zu nutzen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2025 hervor.

„Die Ergebnisse verdeutlichen das Risiko, dass KI bestehende Ungleichheiten in der Arbeitswelt verstärkt“, sagt Rebecca Scheffauer, Studienautorin und Forscherin am SOEP. „Frauen nutzen KI bislang weniger und haben auch weniger Absicht, sie künftig einzusetzen. Auf Dauer kann das dazu führen, dass ihre Perspektiven in KI-Modellen weniger vertreten sind und weniger reproduziert werden.“

Die Infografik des DIW Wochenberichts 45/2026 zeigt den Anteil der Erwerbstätigen, die im Jahr 2025 künstliche Intelligenz im Arbeitskontext „viel“ oder „sehr viel“ nutzten. Die Werte werden für verschiedene Bevölkerungsgruppen und Berufsmerkmale in Prozent dargestellt. Nach Bildungsabschluss nutzen 10,0 Prozent der Personen mit Abitur und Berufsausbildung sowie 17,8 Prozent der Personen mit Hochschulabschluss künstliche Intelligenz viel oder sehr viel bei der Arbeit. Nach dem Digitalisierungsgrad des Berufs beträgt der Anteil 5,7 Prozent in Berufen mit niedrigem Digitalisierungsgrad und 19,6 Prozent in Berufen mit hohem Digitalisierungsgrad. Nach Altersgruppen liegt der Anteil bei den 18- bis 29-Jährigen bei 18,4 Prozent und bei den über 60-Jährigen bei 3,6 Prozent. Nach Geschlecht nutzen 15,7 Prozent der Männer und 8,2 Prozent der Frauen künstliche Intelligenz viel oder sehr viel im Arbeitskontext. Ein hervorgehobener Hinweis in der Mitte der Grafik lautet: „Künstliche Intelligenz nutzen bereits viel oder sehr viel“. Die Grafik verdeutlicht, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz insbesondere bei jüngeren Erwerbstätigen, Männern sowie Personen in stärker digitalisierten Berufen verbreitet ist, während ältere Erwerbstätige und Personen in Berufen mit niedrigem Digitalisierungsgrad deutlich geringere Nutzungsanteile aufweisen. Als Quelle wird das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) genannt. Hinweis: Die Bildmotivbeschreibung wurde mit Unterstützung von KI (M365 Copilot, GPT-5-Modell) erstellt und redaktionell geprüft.

Grafik: DIW

Generative KI-Tools am bekanntesten

Bekanntheit, Nutzung und Bewertung unterscheiden sich erheblich zwischen den einzelnen KI-Anwendungen. Generative KI, zum Beispiel zur Erstellung von Grafiken oder Texten, war 2025 am bekanntesten und wurde am stärksten genutzt. Roboter bewerteten die Befragten besonders positiv, nutzten sie jedoch vergleichsweise selten. Sogenannte prädiktive Analysesysteme, die beispielsweise bei der Auswahl geeigneter Bewerber*innen auf eine Stelle helfen können, waren am wenigsten bekannt und wurden am seltensten genutzt.

„KI ist nicht gleich KI. Während Anwendungen zur Erstellung von Texten und Grafiken bereits weit verbreitet sind, spielen andere Technologien bislang eine deutlich geringere Rolle“, erklärt Sabine Zinn, Direktorin des SOEP und Studienautorin. „Aktuell beabsichtigt rund die Hälfte der Beschäftigten, auch künftig wenig oder gar keine KI einzusetzen. Die großen Unterschiede, die es dabei zwischen Frauen und Männern sowie zwischen Niedrig- und Hochgebildeten gibt, bieten Anlass zur Sorge.“

KI-Kompetenzen müssen gestärkt werden, sonst droht tiefere digitale Spaltung

Den Studienautorinnen zufolge gilt es zu verhindern, dass KI die bereits bestehende digitale Spaltung der Arbeitswelt weiter vertieft und nur diejenigen von KI profitieren, die ohnehin schon gute Voraussetzungen für das Berufsleben haben. Um möglichst vielen Beschäftigten die Teilhabe am technologischen Wandel zu ermöglichen, brauche es gezielte Weiterbildungsangebote, die Förderung von KI-Kompetenzen und vor allem einen verantwortungsvollen Einsatz von KI. Dabei gehe es nicht nur darum, KI-Anwendungen bedienen zu können, sondern auch darum, ihre Möglichkeiten und Grenzen kritisch einzuschätzen.

„Es hängt nicht allein von der technologischen Entwicklung ab, ob KI langfristig zu besseren Arbeitsbedingungen und breiter gesellschaftlicher Teilhabe beiträgt oder bestehende Ungleichheiten verstärkt“, betont Scheffauer. „Entscheidend ist auch, wie Unternehmen, Politik und Bildungseinrichtungen diesen Wandel gestalten und dafür sorgen, dass möglichst viele Beschäftigte von den Chancen der KI profitieren können.“

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