Frankfurt/Main (21.9.26) – Internationale Unternehmen blicken deutlich zuversichtlicher auf Europa, als es die oft kritische Debatte über den Standort vermuten lässt. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Bank Global Sentiment Survey on Europe 2026, eine internationale Umfrage unter 1200 Führungskräften und Entscheidungsträgern in Unternehmen aus 13 nichteuropäischen Märkten, die entweder bereits in Europa investieren oder es planen.
Mehr als ein Drittel der Befragten bezeichnet Europa als die weltweit attraktivste Region für das eigene Geschäft. Damit liegt Europa an der Spitze – vor Asien-Pazifik (ohne China), Nordamerika, dem Nahen Osten, China sowie Lateinamerika. Gleichzeitig erklärt eine große Mehrheit von 81%, dass Europa für die eigenen Investitionsentscheidungen in den vergangenen drei Jahren wichtiger geworden ist.
Die Ergebnisse zeigen, dass Europa aus Sicht internationaler Unternehmen weit mehr zu bieten hat als Stabilität allein. 74% der Befragten sehen besondere Wachstumschancen in Europa, 71% nennen Innovation und Digitalisierung als Stärke des Standorts. Gleichzeitig halten 71% Europa für einen widerstandsfähigen Wirtschaftsraum in Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit.
Alexander von zur Mühlen, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank, sagte bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Die globale Wirtschaft setzt auf Europa. Das ist die zentrale Botschaft der Befragung. Sie bestätigt unsere Erfahrungen aus dem Geschäft mit unseren Kunden in aller Welt. Entscheider sehen Europa als attraktiven Investitionsstandort, als Wachstumsmarkt und als Innovationsraum. Die Umfrage zeigt zugleich, dass wir bei der Wettbewerbsfähigkeit und den Standortbedingungen Aufholbedarf haben. Deswegen kommt es jetzt darauf an, mit entschlossenen Reformen mehr Wachstum und Investitionen zu ermöglichen.“
Die Ergebnisse der Global Sentiment Survey on Europe 2026 im Überblick:
- Führungskräfte sehen Europa vor Amerika und Asien-Pazifik
35% der befragten Entscheider nennen Europa als die derzeit attraktivste Region für ihr Unternehmen. Asien-Pazifik (ohne China) folgt mit 24%, Nordamerika mit 19%. Der Nahe Osten kommt auf 10%, China auf 6% und Lateinamerika auf 5%.
Besonders deutlich fällt das Urteil jener Unternehmen aus, die Europa bereits aus eigener Erfahrung kennen: Von ihnen nennen 45% Europa als attraktivste Region. Unter Unternehmen, die noch nicht in Europa investiert haben, dies aber planen, sind es 15%. Die Ergebnisse deuten damit auf einen ausgeprägten Erfahrungsunterschied hin.
- Die Welt setzt zunehmend auf Europa
Für 81% der Befragten ist Europa bei Investitionsentscheidungen heute wichtiger als vor drei Jahren. 28% bezeichnen Europa als deutlich wichtiger, weitere 53% als etwas wichtiger. Nur 3% messen Europa heute weniger Bedeutung bei. Diese Entwicklung zeigt: Europas Bedeutung als strategischer Zukunftsmarkt wächst.
- Europa gilt in unsicheren Zeiten als widerstandsfähig
71% der befragten Unternehmen halten Europa für sehr oder eher widerstandsfähig. Im Nahen Osten fällt das Urteil mit 82% besonders positiv aus. In Asien und im pazifischen Raum sind es 71%, auf dem amerikanischen Kontinent 65%.
Damit ist Europas politische und wirtschaftliche Stabilität im internationalen Wettbewerb ein wichtiger Standortvorteil.
- Investoren wollen mehr Europa wagen
61% aller Befragten sind bereits in Europa investiert und planen, ihr Engagement innerhalb der kommenden fünf Jahre auszubauen. Nur 6% der bereits investierten Unternehmen planen derzeit keine weitere Expansion. 33% sind noch nicht in Europa aktiv, planen jedoch einen Markteintritt innerhalb der kommenden fünf Jahre oder erwägen diesen.
- Europa ist und bleibt als Absatzmarkt attraktiv, seine industrielle Bedeutung wächst weiter
Europa ist für internationale Unternehmen bereits ein etablierter Absatzmarkt: 73% der in Europa aktiven Unternehmen verkaufen derzeit Waren oder Dienstleistungen an Kunden in Europa, 59% verfügen über eigene Vertriebs- oder Verkaufsteams in der Region. Diese starke Position dürfte bestehen bleiben: 99% der Befragten halten Europa als Absatzmarkt für das Wachstum ihres Unternehmens in den kommenden drei bis fünf Jahren für wichtig.
Gleichzeitig bietet Europas industrielle Bedeutung noch Ausbaupotenzial: Derzeit produzieren nur 19% der in Europa aktiven Unternehmen Waren vor Ort. Zugleich erwarten 92% der Befragten, dass Europa in den kommenden drei bis fünf Jahren für Produktion, Forschung und Entwicklung sowie stabile Lieferketten wichtig sein wird; 51% bewerten diese Rolle sogar als sehr wichtig. Die Lücke zwischen der bislang begrenzten Produktion vor Ort und den hohen Erwartungen eröffnet Europa erhebliche Chancen.
- Europa punktet mit Wachstum und Innovationskraft
Die befragten Entscheider verbinden Europa ausdrücklich mit wirtschaftlichen Chancen, technologischer Entwicklung und industrieller Substanz. 74% der Befragten sehen in den europäischen Wachstumschancen einen Vorteil gegenüber anderen Investitionsregionen. Als weitere Stärke nennen 71% Europas Innovationskraft – gerade auch in Verbindung mit dem Potenzial von KI. Dahinter folgen internationale Beziehungen (70%) sowie wirtschaftliche und marktbezogene Stabilität (68%).
- Deutschland ist Europas Investitionsmagnet
Deutschland führt die Rangliste der Investitionsziele in Europa an. Unter den 1.200 befragten Unternehmen nennen 56% Deutschland als eines ihrer drei wichtigsten europäischen Zielländer. Es folgen das Vereinigte Königreich mit 47% und Frankreich mit 35%.
Deutschland erzielt hohe Werte bei Infrastruktur und Logistik, Innovationskraft gerade auch in Verbindung mit künstlicher Intelligenz, industriellen Kapazitäten, qualifizierten Arbeitskräften sowie Marktwachstum und Skalierung.
- Europas größte Bremse ist Europa selbst
Die Vorteile des europäischen Binnenmarkts werden noch nicht voll ausgeschöpft. Nach Ansicht von 43% der Befragten beeinträchtigen Hürden für grenzüberschreitendes Geschäft die Attraktivität Europas stark oder sehr stark, für weitere 42% zumindest teilweise. Nur 15% messen ihnen geringe oder keine Auswirkungen bei.
Während Wachstum und Innovation klar als Stärken gelten, erreichen vier Faktoren weniger als 50% Zustimmung als Standortvorteil: wettbewerbsfähige Arbeitskosten (42%), das Steuersystem (44%) sowie Energiekosten und die Geschwindigkeit von Genehmigungsverfahren (jeweils 47%).
Über die Befragung
Für die internationale B2B-Befragung „Global Sentiment Survey on Europe 2026” wurden im Juli und August 2026 insgesamt 1.200 Führungskräfte und Entscheidungsträger aus Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten befragt. Die Unternehmen stammen aus 13 nichteuropäischen Märkten: China (inkl. Hongkong), Japan, Singapur, Indien, Australien, Südkorea, Taiwan, USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien. Alle teilnehmenden Unternehmen sind entweder bereits in Europa investiert bzw. planen oder erwägen einen Markteintritt in den kommenden fünf Jahren. Die Befragung bildet daher nicht die Gesamtheit aller Unternehmen ab.