Bundesbank-Monatsbericht: Energiepreisschock treibt Teuerung an und bremst die Konjunkturerholung

Frankfurt/Main (18.6.26) – Die erst im Winterhalbjahr begonnene Erholung der deutschen Wirtschaft wird durch den Krieg im Nahen Osten zunächst wieder ausgebremst. Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben. Sie belasten auch die Kostenseite der Unternehmen. Diese sind zudem mit vermehrten Lieferengpässen und vielfach einer schwächeren Nachfrage konfrontiert. Erhöhte Unsicherheit und gestiegene Zinsen bremsen die privaten Investitionen. 

Ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Sommerhalbjahr wird nur durch die expansive Fiskalpolitik verhindert. Sie liefert im gesamten Prognosezeitraum einen kräftigen Wachstumsimpuls: Der kumulierte Beitrag zum BIP-Wachstum bis 2028 wird auf etwa 1,3 Prozentpunkte geschätzt. Dabei sind vor allem steigende Verteidigungsausgaben von Bedeutung.

Nach dem schwachen Sommerhalbjahr gewinnt die Konjunktur allmählich an Fahrt. Sie wird neben der weiterhin expansiven Finanzpolitik durch sinkende Energiepreise und eine anziehende Weltwirtschaft gestützt: Das kalenderbereinigte reale BIP steigt 2026 um 0,5 %, 2027 um 0,8 % und 2028 um 1,4 %. Da im laufenden und kommenden Jahr mehr Arbeitstage zur Verfügung stehen, sind die unbereinigten BIP-Raten dann etwas höher (2026: 0,7 %, 2027: 0,9 %), 2028 aber etwas niedriger (1,2 %).

Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten werden damit allmählich wieder besser ausgelastet. Denn die Produktionsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft wachsen mit jährlichen Raten zwischen 0,4 % und 0,3 % deutlich langsamer. Strukturelle Hemmnisse wie Fachkräftemangel, vergleichsweise hohe Arbeits- und Energiekosten sowie hoher internationaler Wettbewerbsdruck bestehen fort und dämpfen das Potenzialwachstum. 

Die staatliche Defizitquote klettert von 2,8 % im Jahr 2025 auf 4,9 % im Jahr 2028. Die Schuldenquote steigt auf fast 70 %.

Die Erholung am Arbeitsmarkt verzögert sich: Die Beschäftigung sinkt zunächst noch leicht und steigt erst ab Mitte des kommenden Jahres wieder spürbar an. 

Die Löhne legen weiterhin kräftig zu, wenn auch merklich schwächer als zuvor. Allerdings nehmen die Lohnnebenkosten stark zu – vor allem 2028. Der inländische Preisdruck von den Arbeitskosten ermäßigt sich daher nur vorübergehend.

Der Energiepreisschock treibt die Teuerung zunächst nach oben: Die Inflationsrate steigt 2026 gemessen am HVPI auf 2,9 % und geht 2027 nur leicht auf 2,7 % zurück. Sie fällt erst 2028 deutlich auf 1,9 % – auch durch die preisdämpfende Umstellung des nationalen CO-Preises auf das Europäische System ETS II. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel sinkt von hohem Niveau aus nur zögerlich. Dabei stehen im laufenden und im kommenden Jahr niedrigeren Zuwächsen der Lohnstückkosten spürbare indirekte Effekte des Energiepreisanstiegs entgegen.

Die Risiken sind für die Inflation klar nach oben und für die Konjunktur nach unten gerichtet: Insbesondere ein noch stärkerer Energiepreisschock im Zusammenhang mit der Situation im Nahen Osten könnte den BIP-Anstieg erheblich dämpfen und den Preisanstieg stark erhöhen.

Position2025202620272028
Reales BIP, kalenderbereinigt0,3 0,5 0,8 1,4 
Reales BIP, unbereinigt0,2 0,7 0,9 1,2 
Harmonisierter Verbraucherpreisindex2,3 2,9 2,7 1,9 
ohne Energie und Nahrungsmittel2,8 2,6 2,5 2,3 
Quelle: Statistisches Bundesamt (Rechenstand: 27. Mai 2026). 2026 bis 2028 eigene Prognosen.

Die Deutschland-Prognose der Bundesbank wurde am 27. Mai 2026 abgeschlossen. Sie ging in die am 11. Juni 2026 von der EZB veröffentlichte Prognose für den Euroraum ein.

1 Grundzüge des makroökonomischen Ausblicks

Die deutsche Wirtschaft ging im vergangenen Winterhalbjahr deutlicher als erwartet auf Erholungskurs. Die Wirtschaftsleistung legte saisonbereinigt im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 kumuliert um 0,6 % zu und damit spürbar mehr als in der Deutschland-Prognose der Bundesbank vom Dezember 2025 erwartet worden war. 1 Die Saisonbereinigung umfasst hier und im Folgenden auch die Ausschaltung von Kalendereinflüssen, sofern sie nachweisbar und quantifizierbar sind. In der Deutschland-Prognose vom Dezember 2025 war kumuliert ein BIP-Anstieg um 0,2 % erwartet worden, vgl.: Deutsche Bundesbank (2025a). Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe konnte sich stärker festigen als es die Frühindikatoren vor einem halben Jahr nahelegten. Es weitete seine Wertschöpfung spürbar aus, und auch die Exporte stiegen merklich an. Im Gefolge der besseren Industriekonjunktur hielten die Unternehmen ihre Investitionen stabiler als erwartet. Zudem waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte etwas und diejenigen des Staates deutlich schwungvoller als prognostiziert. Die stärkere Konjunkturbelebung hatte allerdings noch keinen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. 2 Vgl.: Deutsche Bundesbank (2025a). Dieser schwächte sich sogar noch leicht stärker ab als erwartet, und das kräftige Lohnwachstum ermäßigte sich etwas rascher. Damit im Einklang ging die Inflationsrate – gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – bis zum Februar noch leicht stärker zurück als in der Prognose veranschlagt. 3 Gemäß Informationen des Statistischen Bundesamtes mussten im Zuge der Einführung der neuen COICOP-Klassifikation zum Jahresbeginn 2026 historische HVPI-Zahlen für Deutschland revidiert werden. Die Revision wurde mit der Veröffentlichung der finalen Mai-Zahlen am 12. Juni 2026 umgesetzt. Daher können die im Prognoseaufsatz gezeigten historischen HVPI-Zahlen von den revidierten amtlichen Zahlen abweichen. Im März stieg sie jedoch infolge des Kriegsausbruchs im Nahen Osten und der stark steigenden Rohölpreise spürbar auf 2,8 % an und übertraf die Erwartungen damit um 0,7 Prozentpunkte. 

Rahmenbedingungen der Prognose

Die Folgen des Krieges im Nahen Osten bremsen die Konjunkturerholung zunächst wieder aus. Die Auswirkungen des Krieges belasten die deutsche Wirtschaft spürbar. Dies gilt bereits in der Basislinie der Prognose, in der davon ausgegangen wird, dass sich der Konflikt rasch beruhigt und die Rohölpreise bereits in der zweiten Jahreshälfte wieder merklich zurückgehen. Diese Annahme folgt den zum Abschlussdatum 4 Hier ist das Datum der Festlegung der technischen Annahmen gemeint, zu denen der Rohölpreis gehört. Dies war am 21. Mai 2026. an den Terminmärkten eingepreisten Erwartungen (vgl. Kapitel „Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen“). Sie ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden, die unter anderem mithilfe eines alternativen Szenarios adressiert werden (vgl. Kapitel „Risikobeurteilung“ und Exkurs „Ein schwerwiegendes Risikoszenario zu möglichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die deutsche Wirtschaft“). Die von dem Krieg ausgegangenen Störungen für das Wirtschaftsgeschehen sind bereits beträchtlich – auch in Deutschland: Die stark gestiegenen Preise für Rohöl und Erdgas verringern die Kaufkraft der privaten Haushalte, die sich zudem verunsichert zeigen. Sie bremsen daher ihre Konsumausgaben. Die Preisanstiege belasten auch die Kostenseite der Unternehmen, die sich zudem mit vermehrten Lieferengpässen und vielfach einer schwächeren Nachfrage konfrontiert sehen. Zugleich dämpft die erhöhte Unsicherheit die Unternehmensinvestitionen, die zudem von spürbar gestiegenen Kreditzinsen gebremst werden. Diese lasten auch auf den privaten Wohnungsbauinvestitionen. Lediglich in einigen Bereichen der exportorientierten Industrie kommt es wohl kurzfristig zu stützenden Effekten, etwa, weil die Nachfrage nach Vorleistungsgütern in Erwartung zunehmender Lieferengpässe gestiegen ist, oder einzelne Branchen davon profitieren, dass Wettbewerber aus anderen Ländern durch Lieferausfälle infolge des Krieges noch stärker betroffen sind. Insgesamt dürfte im laufenden Sommerhalbjahr der Gegenwind durch den Krieg den Auftrieb durch die expansive Fiskalpolitik nahezu ausgleichen. Letztere führt aber dazu, dass trotz der starken Verwerfungen auf den internationalen Rohstoffmärkten für das zweite Quartal noch eine Stagnation und für das dritte Quartal ein leichter BIP-Anstieg veranschlagt werden (vgl. Kapitel „Details zur Kurzfristprognose für das BIP“). 

Im weiteren Prognosezeitraum nimmt die deutsche Wirtschaft schrittweise wieder stärker Fahrt auf. Denn die Kriegseffekte klingen annahmegemäß ab, und die Fiskalpolitik liefert kräftige Impulse. So sinken die Energiepreise weiter, die Unsicherheit lässt nach, und die Weltwirtschaft wächst wieder stärker (vgl. Kapitel „Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen“). Damit beginnen zum einen die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte wieder zu steigen, und die Verbraucherinnen und Verbraucher weiten ihre Konsumausgaben moderat aus. Ab Mitte 2027 erhöhen sie ihren Konsum sogar noch etwas stärker, weil Vorsichtsmotive dann aufgrund des sich erholenden Arbeitsmarktes und der nachlassenden Unsicherheit an Gewicht verlieren. Zum zweiten nehmen die Exporte nach und nach stärker zu, auch wenn sie dabei aufgrund der strukturellen Wettbewerbsfähigkeitsprobleme der deutschen Wirtschaft hinter dem Expansionstempo der Auslandsnachfrage zurückbleiben. 5 Dabei dürfte es auch eine Rolle spielen, dass die steigende Auslandsnachfrage, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, durch die von der zunehmenden Verbreitung künstlicher Intelligenz ausgehende hohe Nachfrage, etwa nach Mikrochips, gestützt wird. Dies dürfte der deutschen Exportwirtschaft jedoch nur in begrenztem Maße zugutekommen. Zum dritten wachsen die Unternehmensinvestitionen ab 2027 wieder spürbar und nehmen 2028 stärker Fahrt auf. Sie werden zunächst durch abklingende Unsicherheit und dann durch eine wieder verbesserte Auslastung gestützt. Die privaten Wohnungsbauinvestitionen steigen indes beinahe durchgängig moderat an (vgl. Kapitel „Zu den Prognosen der Verwendungskomponenten des BIP“). Kräftige Wachstumsimpulse erfährt die deutsche Wirtschaft im gesamten Prognosezeitraum durch die starke Lockerung der Fiskalpolitik. Die konjunkturbereinigte staatliche Defizitquote steigt bis 2028 um 2,4 Prozentpunkte. Dieser Impuls trägt schätzungsweise kumuliert von 2026 bis 2028 gut 1,3 Prozentpunkte zum erwarteten BIP-Wachstum in Deutschland bei. Die Prognose enthält diesbezüglich einen impliziten Multiplikator von knapp 0,6. 6 Der genannte Multiplikator ergibt sich aus Fiskalimpuls und BIP-Wachstumseffekt. Für die Analyse wurde das konjunkturbereinigte Defizit in verschiedene Wirkungskanäle zerlegt. Die BIP-Effekte wurden anschließend überwiegend mithilfe von Simulationsrechnungen mit dem makroökonometrischen Modell der Bundesbank ermittelt. Für bestimmte fiskalische Kategorien wurden dabei annahmegemäß keine BIP-Wirkungen berücksichtigt. Dies betrifft Zinsausgaben sowie Transaktionen mit dem Ausland, darunter Transfers an die Ukraine. Für die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben wird in den Simulationen unterstellt, dass die zusätzlichen staatlichen Ausgaben auf knappe Kapazitäten in der Wirtschaft treffen. Dies führt zu einem erhöhten Preisauftrieb, insbesondere in der Bauwirtschaft sowie in der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie. Daher ist der in der Prognose implizierte Fiskalmultiplikator etwas geringer als es die Elastizitäten im makroökonometrischen Modell der Bundesbank nahelegen, vgl.: Haertel et al. (2022). Steigende Ausgaben für die Verteidigung fallen am stärksten ins Gewicht (vgl. Abschnitt „Finanzpolitische Annahmen“). 

Wirkung expansiver Fiskalpolitik

Das gesamtwirtschaftliche Expansionstempo verstärkt sich damit von Jahr zu Jahr. 2026 steigt das kalenderbereinigte reale BIP um 0,5 %, 2027 um 0,8 % und 2028 um 1,4 %. 7 Da die erwarteten Rüstungsinvestitionen eine wichtige Rolle für die BIP-Expansion spielen, können die tatsächlichen vierteljährlichen BIP-Raten deutlich volatiler ausfallen als in der Prognose unterstellt. Ausrüstungsinvestitionen werden in den VGR zum Zeitpunkt der Auslieferung verbucht, welcher sich gerade bei den Rüstungsgütern nicht quartalsscharf prognostizieren lässt. Da 2026 und 2027 mehr Arbeitstage als in den jeweiligen Vorjahren zur Verfügung stehen, sind die unbereinigten BIP-Raten mit 0,7 % und 0,9 % etwas höher, 2028 sorgt hingegen ein negativer Kalendereffekt für eine etwas niedrigere Rate von 1,2 %. 

Position2025202620272028
Statistischer Überhang am Ende des Vorjahres1)0,1 0,1 0,1 0,5 
Jahresverlaufsrate2)0,4 0,5 1,1 1,5 
Jahresdurchschnittliche BIP-Rate, kalenderbereinigt0,3 0,5 0,8 1,4 
Kalendereffekt3)– 0,1 0,3 0,1 – 0,2 
Jahresdurchschnittliche BIP-Rate4)0,2 0,7 0,9 1,2 
Quelle: Statistisches Bundesamt (Rechenstand: 27. Mai 2026). 2026 bis 2028 eigene Prognosen 1 Saison- und kalenderbereinigter Indexstand im vierten Quartal des Vorjahres in Relation zum kalenderbereinigten Quartalsdurchschnitt des Vorjahres. 2 Jahresveränderungsrate im vierten Quartal, saison- und kalenderbereinigt. 3 In % des BIP. 4 Abweichungen in der Summe rundungsbedingt.

Die BIP-Expansion fällt insgesamt schwächer aus als im Dezember erwartet. Gegenüber der Deutschland-Prognose vom Dezember 2025 wird die BIP-Rate für 2026 leicht und für 2027 spürbar abwärtsrevidiert. Im Durchschnitt des laufenden Jahres halten sich die stützenden Effekte durch das höher als erwartete BIP-Wachstum im Winterhalbjahr 2025/26 sowie die Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten beinahe die Waage. Letztere machen sich im Jahresdurchschnitt 2027 deutlich stärker bemerkbar. Dabei wurden vor allem die Zuwachsraten für die Unternehmensinvestitionen, den privaten Konsum und die Exporte abwärtsrevidiert. Zudem ist der Anstieg der Staatsinvestitionen etwas weniger dynamisch. Die BIP-Rate für 2028 wird hingegen etwas nach oben angepasst. Dies reflektiert die verzögerte Konjunkturerholung. Insbesondere die privaten Ausgaben für Konsum und Investitionen steigen dann etwas stärker als in der Dezember-Prognose.

Position2025202620272028
BIP (real, kalenderbereinigt)
Prognose vom Juni 20260,3 0,5 0,8 1,4 
Prognose vom Dezember 20250,2 0,6 1,3 1,1 
Differenz (in Prozentpunkten)0,1 – 0,1 – 0,5 0,3 

Bei schwachem Potenzialwachstum werden die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten nach und nach besser ausgelastet. Das Wachstum der Produktionsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft wird durch eine Vielzahl von strukturellen Wachstumshemmnissen gedämpft. Dazu zählen der demografische Wandel und damit einhergehende Probleme, wie Fachkräftemangel und steigende Lohnnebenkosten sowie vergleichsweise hohe Energiekosten, Belastungen durch Bürokratie und Regulierung sowie die zunehmende Konkurrenz im Exportgeschäft, insbesondere aus China. Angesichts der seit geraumer Zeit schwachen privaten Investitionen wächst der Kapitalstock langsam. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der schwächeren Investitionsprognose wurde das Potenzialwachstum für die Jahre 2027 und 2028 um jeweils 0,1 Prozentpunkte reduziert. Es wird jetzt in diesen beiden Jahren auf jeweils 0,3 % geschätzt, nach 0,4 % im Jahr 2026. Damit übersteigen die erwarteten BIP-Zuwachsraten das schwache Potenzialwachstum spürbar, und die derzeit noch deutlich negative gesamtwirtschaftliche Produktionslücke schließt sich im Prognosezeitraum. Im Jahr 2028 wird sie wieder leicht positiv.

Gesamtwirtschaftliche Produktion und Produktionslücke

Die staatliche Defizit- und Schuldenquote steigt deutlich. Ursache sind nicht nur zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und nicht-militärische Investitionen. Hinzu kommen verschiedene Steuerentlastungen und Transfers (vgl. Kapitel „Finanzpolitische Annahmen“). Auch die Ausgaben der Sozialversicherungen nehmen kräftig zu. Gegen Ende des Prognosezeitraums werden diese jedoch zunehmend durch höhere Beitragssätze finanziert. Insgesamt steigt die Defizitquote von 2,8 % im Jahr 2025 auf 4,9 % im Jahr 2028. Dabei überschreitet Deutschland sowohl den EU-Referenzwert von 3 % ab 2026 als auch der Bund ab 2028 die Kreditobergrenze der nationalen Schuldenregel. Die Defizite des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität führen nur zum Teil zu höheren Investitionen. So fließen im Prognosezeitraum nur 40 % der Ausgaben des Sondervermögens in zusätzliche nicht-militärische Investitionen. 8 Als zusätzlich gelten hier nicht-militärische Investitionen (gemäß VGR-Abgrenzung), soweit sie die Relation von nicht-militärischen Investitionen zum nominalen Trend-BIP gegenüber 2024 erhöhen. Die Maastricht-Schuldenquote erhöht sich von 63,5 % im Jahr 2025 auf 69,7 % im Jahr 2028 (vgl. Kapitel „Ausblick für die öffentlichen Finanzen“).

Die Erholung am Arbeitsmarkt verzögert sich. Die Erwerbstätigkeit dürfte noch bis zum Jahresende leicht zurückgehen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sollte allerdings schon etwas früher zum Stillstand kommen (vgl. Kapitel „Zur kurzfristigen Prognose für den Arbeitsmarkt“). Erst im Laufe des Jahres 2027 erholt sich die Arbeitsnachfrage so weit, dass auch die Beschäftigung wieder zunimmt. Gleichzeitig geht das Arbeitsangebot so stark zurück, dass wenig Spielraum für einen Beschäftigungsaufbau bleibt. 9 Denn die ungünstige Demografie wird nicht mehr vollständig durch eine zunehmende Erwerbsbeteiligung sowie durch Zuwanderung ausgeglichen. Die Nettozuwanderung fällt im Prognosezeitraum geringer aus als in den meisten vorangegangenen Jahren: Sie hatte sich 2025 gegenüber dem Vorjahr auf 235 000 Personen nahezu halbiert. Die Zuwanderungsannahme für die Jahre 2026 bis 2028 beträgt 250 000 Personen pro Jahr, was dem langfristigen Durchschnitt der Zuwanderung in die Bundesrepublik der letzten 70 Jahre entspricht. Zum Einfluss des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt und das Wachstumspotenzial in Deutschland vgl. auch: Deutsche Bundesbank (2026a), Kapitel 3.4. Damit geht die sich verstärkende Konjunkturerholung 2027 und 2028 mit einer steigenden Arbeitszeit sowie höherer Produktivität einher. Dazu trägt insbesondere die zunehmende Auslastung der in der Vergangenheit nicht vollumfänglich eingesetzten Belegschaften bei. Umfrageergebnisse zeigen zwar, dass ein Teil der befragten Unternehmen Produktivitätssteigerungen auch aus der zunehmenden und intensiveren Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) erwartet. Inwieweit sich diese Effekte bestätigen, bleibt jedoch abzuwarten. Die Beschäftigungswirkungen der KI schätzen die Unternehmen zugleich im Aggregat neutral ein. 10 Vgl.: Deutsche Bundesbank (2026b). Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar bis 2028 spürbar. Die schnellen Veränderungen der beruflichen und qualifikatorischen Anforderungen durch den Strukturwandel erschweren es jedoch, angebotene und nachgefragte Qualifikationen in Einklang zu bringen. Daher ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosigkeit auch zum Ende des Prognosezeitraums noch nicht wieder auf ihren früheren Tiefstand zurückgeht. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel weiter zu.

Arbeitsmarkt

Die Zuwächse der Effektivverdienste lassen zwar nach, bleiben aber noch kräftig. Zu dem im vergangenen Jahr noch sehr starken Anstieg der Effektivverdienste hatten Sonderzahlungen wie Abfindungen maßgeblich beigetragen. Darauf deutet eine neue Unternehmensumfrage der Bundesbank hin (vgl. Exkurs „Zur Rolle von Sonderzahlungen für den Anstieg der Effektivverdienste in Deutschland 2025 und 2026“). Demnach erwarten die Unternehmen außerdem, dass diese Zahlungen 2026 deutlich niedriger ausfallen werden. Auch geringere Prämienzahlungen wirken 2026 lohnmindernd. Zudem fielen die jüngsten Tarifabschlüsse vergleichsweise niedrig und schwächer aus als noch in der Prognose vom Dezember 2025 erwartet. In der Industrie sind Arbeitnehmer bereit, für den Arbeitsplatzerhalt auf ein höheres Lohnplus zu verzichten. Arbeitsintensive Dienstleistungen sind hingegen von der kräftigen Mindestlohnanhebung zu Jahresbeginn besonders betroffen. Alles in allem steigen die Effektivverdienste 2026 um 3,5 %. Der Zuwachs ist damit merklich schwächer als 2025 und auch etwas niedriger als noch im Dezember erwartet. Die schwächeren Lohnabschlüsse aus dem laufenden Jahr dämpfen auch 2027 noch den Anstieg der Tarifverdienste (vgl. Kapitel „Zur Prognose für die Tariflöhne im laufenden und kommenden Jahr“). Da im kommenden Jahr lohnerhöhende Sondereffekte mit Bezug zu Abfindungen keine Rolle mehr spielen, ermäßigt sich der Anstieg der Effektivverdienste 2027 auf 3,1 %. Eine günstigere wirtschaftliche Lage und ein wieder deutlicher von Knappheiten gekennzeichneter Arbeitsmarkt stärken 2028 die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer und sprechen für dann wieder höhere Tarifabschlüsse. Die Effektivverdienste steigen dann mit einer Rate von 3,2 % leicht stärker. Größere Zweitrundeneffekte des Energiepreisanstiegs über den Lohnkanal sind damit jedoch nicht verbunden (vgl. zur Begriffsklärung solcher Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“). Die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer legen 2028 noch deutlich mehr zu als die Effektivverdienste. Dies liegt an den kräftig steigenden Sozialbeitragssätzen, die die Lohnnebenkosten auch für die Arbeitgeber weiter erhöhen (vgl. Kapitel „Finanzpolitische Annahmen“). 

Tarif- und Effektivverdienste sowie Arbeitnehmerentgelte

Die Binneninflation lässt noch etwas nach, bleibt aber durchgängig erhöht. Der starke Anstieg der Lohnstückkosten von 4,6 % aus dem Vorjahr reduziert sich bis 2027 deutlich auf 2,3 %. Denn das Lohnwachstum ermäßigt sich und die Arbeitsproduktivität legt spürbar stärker zu. Die Unternehmen können ihre Gewinnmargen 2026 und 2027 ein wenig ausweiten – unter anderem, weil die gestiegenen Energiekosten deutlich und teilweise sogar verstärkt in die Absatzpreise weitergegeben werden. 11 Bei einigen mineralölbasierten Produkten, wie Kfz-Treibstoffen oder Kerosin, kam es zu stärkeren Preisanhebungen als durch den höheren Rohölpreis angelegt. Außerdem dürfte es in den Branchen, die besonders von den erhöhten Staatsausgaben profitieren, zu stärkeren Preissteigerungen kommen. Allerdings steigen die Lohnstückkosten 2028 mit 2,6 % wieder stärker an, da die Sozialversicherungsbeitragssätze kräftig zulegen. Dieser Kostenschub dürfte sich nur teilweise in den Preisen niederschlagen und die Gewinnmargen dämpfen. Unter dem Strich – und gemessen am BIP-Deflator – sinkt die Binneninflation 2026 und 2027 auf jeweils 2,7 % (von 3,0 % im Vorjahr) und ermäßigt sich 2028 auf 2,3 %. Sie bleibt damit aber immer noch durchgängig erhöht.

BIP-Deflator: Verteilungsseite

Der kräftige Anstieg der Energiekosten treibt die Inflationsrate 2026 und 2027 deutlich über die 2 %-Marke, bevor sie 2028 auf knapp 2 % zurückgeht. Die Vorjahresrate des HVPI steigt im laufenden Jahr deutlich auf 2,9 %, von 2,3 % im letzten Jahr. Das liegt vor allem an den höheren Energiepreisen infolge des Krieges im Nahen Osten (vgl. Kapitel „Zur Inflationsprognose im Jahr 2026“). Während die direkten Effekte der höheren Energierohstoffpreise bei Kraftstoffen und Heizöl bereits weitgehend in den Verbraucherpreisen angekommen sind, ist bei Gas mit einem verzögerten Preisauftrieb zu rechnen. Dies wirkt dem in den Rohstoffpreispfaden grundsätzlich angelegten Rückgang der Energiepreise im weiteren Prognosezeitraum etwas entgegen. Die höheren Energiepreise wirken zudem mit Verzögerung auf die Preise für Nahrungsmittel sowie für Industriegüter ohne Energie und auch für Dienstleistungen durch. Bei Nahrungsmitteln geschieht dies vor allem über steigende Kosten in der landwirtschaftlichen Produktion sowie für Logistik, insbesondere Transport und Lagerung. Hinzu kommen höhere Kosten für energieabhängige Vorleistungen wie Düngemittel. Bei Industriegütern ohne Energie wirken höhere Energiekosten ebenfalls über energieintensive Produktionsprozesse, Logistikkosten sowie verteuerte Vorleistungen. Dienstleistungen sind vor allem im Bereich der Reisen sowie über Kosten für Transport, Heizung oder eingesetzte Vorprodukte von den höheren Energiepreisen betroffen, aber insgesamt weniger stark als Waren. Diese indirekten Effekte der höheren Energiepreise wirken dem zunächst nachlassenden Druck von den Lohnstückkosten entgegen. Dadurch geht die Kernrate (ohne die volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel) im laufenden und im kommenden Jahr deutlich langsamer zurück als noch im Dezember erwartet (vgl. zur Begriffsklärung der direkten versus indirekten Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“). Sie sinkt von 2,6 % im laufenden Jahr nur leicht auf 2,5 % im nächsten Jahr. Da zudem die Energierohstoffpreise zurückgehen, ermäßigt sich die Gesamtrate 2027 leicht stärker auf 2,7 %. Im Jahr 2028 geht sie dann deutlich zurück, auf 1,9 %. Dabei wird der bereits von den Rohstoffpreisen angelegte Rückgang der Energiepreise in Deutschland durch die Umstellung des nationalen CO₂-Preissystems (nEHS) auf das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS II) vorübergehend noch verstärkt. 12 Vgl.: Deutsche Bundesbank (2025a), Exkurs „Auswirkungen der Einführung des Europäischen Emissionshandelssystems II auf die Verbraucherpreise“. Die Kernrate geht 2028 aufgrund nachlassender indirekter Effekte des Energiepreisanstiegs zwar auch etwas zurück. Sie bleibt mit 2,3 % aber noch erhöht. Dies reflektiert die konjunkturelle Erholung und den erneuten Schub von den Lohnstückkosten.

Beiträge der Komponenten zur HVPI-Gesamtrate

Insgesamt wurde der Inflationsausblick gegenüber der Dezember-Prognose für 2026 und 2027 deutlich nach oben revidiert. Dabei spielen vor allem die direkten und indirekten Effekte des jüngsten Energiepreisanstiegs eine Rolle. Letztere führen auch zu einer Aufwärtsrevision der Kernrate in allen drei Jahren des Prognosezeitraums. 

Position2025202620272028
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
Prognose vom Juni 20262,3 2,9 2,7 1,9 
Prognose vom Dezember 20252,3 2,2 2,1 1,9 
Differenz (in Prozentpunkten)0,0 0,7 0,6 0,0 

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