München (29.9.26) – Wie investieren, wenn der Blick auf die Zukunft global immer stärker auseinandergeht, die Welt sich zunehmend in zwei rivalisierende Machtblöcke aufspaltet und der Kapitalhunger der großen Technologiekonzerne nun auch auf dem Anleihemarkt die Indexmechanik im Griff hat? Über diese Fragen diskutierten NATO-Expertin Dr. Florence Gaub und der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Maurice Pedergnana, gemeinsam mit den Investmentexperten von Assenagon beim 18. Fund Forum vergangene Woche in München.
Wie Menschen auf die Zukunft blicken, hängt stark davon ab, wo und unter welchen Bedingungen sie leben. Das zeigte Dr. Florence Gaub, Forschungsdirektorin des NATO-Verteidigungskollegs in Rom, in ihrem Vortrag. Während in wohlhabenden Ländern 59 Prozent der Jugendlichen erwarten, es später schlechter zu haben als ihre Eltern, rechnen in ärmeren Ländern 69 Prozent mit einem besseren Leben. In Indonesien glauben sogar 82 Prozent der befragten Jugendlichen, dass sich die Welt insgesamt zum Besseren entwickeln werde. Wer viel zu verlieren habe, der nehme Veränderungen eher als Bedrohung wahr. Wer hingegen Chancen auf Verbesserung sähe, blicke zuversichtlicher nach vorn. Auch Wissen und Bildung machten einen Unterschied. Je besser Menschen darüber informiert seien, welche Fortschritte die Menschheit bereits erreicht habe, desto optimistischer beurteilten sie die Zukunft.
Gaubs zentrale These: “Zukunft ist kein feststehendes Schicksal, sondern ein Möglichkeitsraum und ein zutiefst demokratischer Partizipationsprozess. Zukunft ist davon abhängig, wie sehr wir uns dafür entscheiden.”
Diesen engagierten Zukunftsoptimismus griff auch Assenagon-Mitgründer Hans Günther Bonk in seinem Begrüßungsvortrag an die rund 100 geladenen Gäste auf.
Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Geschäftsführer und Chefökonom der Zugerberg Finanz AG, und Thomas Romig, Geschäftsführer und CIO Multi Asset bei Assenagon, beleuchteten die Folgen der geopolitischen Rivalität zwischen China und den USA. Die damit einhergehende Fragmentierung der Welt in zwei Machtblöcke werde die globale Wirtschaft für Jahrzehnte prägen, so die beiden Experten. Die Herausforderung für Europa bestehe darin, strategische Abhängigkeiten zu verringern und zugleich mit beiden Machtblöcken zusammenzuarbeiten. Um diesen Spagat zu meistern, müsse Europa bürokratische Hürden abbauen, sein Innovationspotenzial (wieder) voll ausschöpfen und die Finanzbildung stärken. “In den hohen Bargeldbeständen und gering verzinsten Bankeinlagen der privaten Haushalte verfügt Europa über Milliarden Euro, die an den Kapitalmärkten für starken Liquiditätsrückenwind sorgen könnten”, betonte Prof. Pedergnana.
Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten sowie steigender Ölpreise und Inflationserwartungen überwiegen aus Sicht der Vortragenden die positiven Perspektiven für die Finanzmärkte. “Gerade in disruptiven Zeiten bieten sich für Anleger immer auch spannende Opportunitäten”, so Romig. Für Portfolios sei entscheidend, Risiken über Anlageklassen, Regionen und Themen zu verteilen und die Gewichtung aktiv und punktgenau an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Wie eine solche Portfoliopositionierung aussehen kann, zeigte Romig am Beispiel der vielfach ausgezeichneten Multi Asset-Fondsfamilie von Assenagon.
Robert Van Kleeck, Head of Credit Portfolio Management bei Assenagon, richtete den Blick auf die Finanzierung des KI-Investitionsbooms am Anleihemarkt. So emittierten US-Hyperscaler binnen zwei Jahren Anleihen über fast 400 Milliarden US-Dollar. Und ein Ende des Kapitalhungers der Techgiganten ist mitnichten in Sicht. Bis 2029 dürften, laut Marktschätzungen, Investitionen von rund 5,5 Billionen US-Dollar die Indexgewichte deutlich verschieben.
Für Anleger hat das massive Folgen, da Anleiheindizes Emittenten nach ausstehendem Schuldenvolumen gewichten. Die wachsende Kreditaufnahme eines Unternehmens erhöht damit automatisch dessen Indexgewicht: “Der Index gewichtet nach Verschuldung. Demgegenüber selektieren wir in unseren Assenagon Credit Fonds nach Attraktivität und Risiko entsprechend unseres hauseigenen Rating-Modells”, fasste Van Kleeck seinen aktiven Investmentansatz jenseits der Indexmechanik zusammen.