IMK zur Inflation: Vom gedämpften Preisanstieg bei Kraftstoffen haben insbesondere Familien mit wenig Geld profitiert

Düsseldorf (20.7.26) – Vom gedämpften Preisanstieg bei Kraftstoffen haben insbesondere Familien ohne viel Geld profitiert Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln ist mit 0,4 Prozent erneut schwach ausgefallen, die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak verharrte bei 2,4 Prozent. Verantwortlich für den Rückgang der Inflationsrate war laut IMK-Expertin Dr. Silke Tober die nachlassende Teuerung bei Kraftstoffen und Heizöl, die von 28,1 Prozent im April auf 20,1 Prozent im Mai und 12,6 Prozent im Juni gesunken ist. Der Tankrabatt von 17 Cent pro Liter dürfte wesentlich zu der Entwicklung seit April 2026 beigetragen haben. In Frankreich – wo es zwar eine Selbstverpflichtung des größten Tankstellenbetreibers, aber keine steuerliche Maßnahme zur Dämpfung der Kraftstoffpreise gab – haben sich die Kraftstoffpreise deutlich stärker erhöht als in Deutschland.

Die geringere Teuerung bei Kraftstoffen hat Tobers Analyse zufolge Paare mit Kindern und geringen sowie mittleren Einkommen, die im April infolge des Iran-Kriegs die höchste haushaltsspezifische Inflationsrate aufwiesen, besonders stark entlastet. „Durch die Kombination aus Tankrabatt und Rohölpreisrückgang ist der Beitrag der Kraftstoffpreise zu den Inflationsraten dieser Familien seit April um 0,8 Prozentpunkte gefallen. Dabei gehen rechnerisch – bei vollständiger Überwälzung auf die Preise – 0,5 Prozentpunkte auf den Tankrabatt zurück“, erklärt die Ökonomin. Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock habe nicht nur die Inflation angefacht, sondern auch die Wirtschaft im Euroraum erheblich belastet, so Tober. Das gelte insbesondere für Deutschland, wo die Industrie bereits unter der kombinierten Last von US-Zöllen, Euro-Aufwertung, starkem Wettbewerbsdruck aus China und hohen Energiepreisen infolge des Ukrainekriegs leidet. Derzeit sei nicht absehbar, wie lange der Preisschock anhält und ob es nennenswerte Zweitrundeneffekte geben wird. Die am 11. Juni von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossene Zinserhöhung sieht die Expertin vor diesem Hintergrund kritisch: „Die EZB bremst die Konjunktur derzeit zusätzlich, ohne dass dafür ein hinreichender ökonomischer Grund besteht.“
 
Informationen zum Inflationsmonitor Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen – von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro), höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600 Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als 5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich. Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.

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