Bochum (29.5.26) – Die GLS Investment Management GmbH („GLS Investments“) hat im Rahmen ihres aktiven Engagements im europäischen Investorennetzwerk Shareholders for Change e.V. (SfC) gemeinsam mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) eine umfassende Umfrage unter 22 börsengelisteten Unternehmen aus dem GLS Anlageuniversum durchgeführt, die im Jahr 2025 zusammen mehr als 200 Mrd. Euro Umsatz erwirtschafteten. Im Fokus stand die Frage, wie die investierten Unternehmen Hitzeschutz konkret umsetzen – und wo Lücken bestehen. Im Mittelpunkt standen Wirtschaftsbetriebe aus Branchen, die besonders hitzebedingten Risiken ausgesetzt sind, wie die Energie- oder Logistikbranche.
Die Umfrage untersuchte unter anderem, wie die Unternehmen Hitzerisiken erkennen und bewerten, welche Hitzeschutzmaßnahmen sie bereits einsetzen und ob Frühwarn- und Überwachungssysteme existieren. Auch die konzernweite Vorbereitung auf häufigere und intensivere Hitzewellen wurde abgefragt.
Ergebnisse: Bewusstsein vorhanden – Umsetzung bleibt lückenhaft
Die Ergebnisse zeichnen ein gemischtes Bild: Viele der befragten Unternehmen erkennen das Thema Hitze als wesentlich an und schätzen ihre eigenen Maßnahmen als ausreichend ein – doch nur wenige erfüllen nach Einschätzung der Expert*innen die Anforderungen an strukturierten Hitzeschutz. Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen (43 %) haben die Auswirkungen von Hitze am Arbeitsplatz systematisch erfasst, etwa durch anonyme Beschwerden über Hitzebelastung. Rund 30 % der befragten Unternehmen haben bisher keine systematischen Hitzeschutzpläne aufgesetzt.
Positiv hervorzuheben sind die Ansätze einiger Vorreiter: Diese erfassen Hitzerisiken systematisch und überprüfen Maßnahmen kontinuierlich. Dazu gehört auch die Identifizierung besonders vulnerabler Personengruppen und die Evaluierung der Arbeitsorte nach ihrem Risiko für Hitzestress. Konkrete Einzelmaßnahmen zum Hitzeschutz sind weit verbreitet. So haben alle befragten Unternehmen nach eigenen Angaben technische und bauliche Maßnahmen umgesetzt, um ihre Mitarbeiter*innen vor Hitze zu schützen – meist durch technische Lösungen wie Klimaanlagen, seltener auch durch die Begrünung von Fassaden und Dächern. Weitere in der Breite eingeführte Maßnahmen umfassen die Bereitstellung von Getränken, an Hitze angepasste Ernährung in der Kantine oder flexible Arbeitszeiten.
Ziel der Befragung: Hitzeresilienz fest in Unternehmen verankern
Übergeordnetes Ziel der Umfrage war es, den Stand des Auf- und Umsetzens von Schutzmaßnahmen durch die Unternehmen zu dokumentieren und Hitzeschutz als festen Bestandteil von Arbeitsschutz, Klimaanpassung und Risikomanagement in Unternehmen zu etablieren.
Die GLS Investments wurde bei der Umfrage von den SfC-Mitgliedern Etica Funds, EB-SIM and Sanso Longchamp sowie auf wissenschaftlicher Ebene von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) unterstützt. Mit der Umfrage leisten die GLS Investments und Shareholders for Change auch innerhalb der Branche des nachhaltigen Investierens wertvolle Aufklärungsarbeit.
Hitze bleibt ein unterschätztes Risiko – trotz klarer Fakten
Die Praxis zeigt: Selbst im sozial-ökologischen Investmentbereich erhält das Thema Hitzeschutz sowohl auf Unternehmens- als auch auf Investorenseite bislang zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei sprechen die Fakten für sich: So steigt das Risiko für Hitze bedingt durch die Klimaerwärmung konstant an, besonders in Städten und Ballungszentren, in denen viele Menschen arbeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bezeichnet Hitze als größtes Gesundheitsrisiko der Klimakrise und schätzt, dass weltweit 2,4 Mrd. arbeitende Menschen und damit über 70 % der weltweit erwerbstätigen Bevölkerung Hitze besonders ausgesetzt sind. Allein in Deutschland verursacht ein Hitzetag mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius nach wissenschaftlichen Schätzungen aufgrund sinkender oder ausfallender Arbeitsleistung Kosten in Höhe von 431 Mio. Euro pro Tag.
Der internationale Heat Action Day am 2. Juni 2026 sowie der nationale Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 rücken das Thema verstärkt ins öffentliche Bewusstsein.
„Unsere Umfrage zeigt, dass selbst unter nachhaltig ausgerichteten Unternehmen noch viel Potenzial für systematische Hitzeschutzmaßnahmen besteht. Wir treiben das Thema gemeinsam mit Shareholders for Change und KLUG aktiv voran – denn Hitze ist nicht nur ein Gesundheits- und Klimathema, sondern betrifft auch maßgeblich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Wenn Menschen durch Hitze am Arbeitsplatz leiden, sinkt die Produktivität – im Extremfall führt sie zu kurz- oder langfristigen Arbeitsausfällen. Ein systematisches Hitzerisikomanagement ist vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels unerlässlich – es schützt Menschen und stärkt Unternehmen zugleich“, sagt Richard Buch, Engagement-Experte und Senior Analyst im sozial-ökologischen Research der GLS Investments.
„Hitze birgt gravierende Gesundheitsrisiken. Neben der Eindämmung des Klimawandels durch eine möglichst CO2-neutrale Wirtschaftsweise müssen Unternehmen aktiv dafür Sorge tragen, dass Arbeitnehmer*innen am Arbeitsplatz ausreichend vor Hitze geschützt sind. Betrieblicher Hitzeschutz ist ein zentraler Baustein einer ganzheitlichen Resilienzstrategie, die gleichzeitig Vorteile für Gesundheit, Klima, Umwelt und Wirtschaftlichkeit bietet“, sagt Felix Bittner, Projektleiter von KLUG.
Drei klare Forderungen an Unternehmen
Shareholders for Change strebt an, den angestoßenen Dialog mit den Unternehmen weiterzuführen. Drei zentrale Forderungen stehen dabei im Mittelpunkt:
1. Hitzestress als Risiko anerkennen – verpflichtend und messbar.
Unternehmen müssen Hitzestress systematisch in ihre Arbeits- und Risikobewertungen integrieren, Hitzeexposition erfassen und gesundheitliche Auswirkungen erkennen.
2. Verantwortung übernehmen – Hitzeschutz konsequent umsetzen.
Hitzeschutz braucht klare Zuständigkeiten auf Managementebene sowie wirksame technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen – von Kühlung und Verschattung bis zu flexiblen Arbeitszeiten, Pausen, Trinkwasser und geeigneter Schutzausrüstung.
3. Beschäftigte schützen – einbeziehen, informieren, schulen, befähigen.
Partizipation, Frühwarnsysteme, regelmäßige Schulungen und transparente Kommunikation sind unverzichtbar, damit Beschäftigte sich bei extremer Hitze wirksam schützen können.