Stuttgart (14.4.26) – Die deutschen Autokonzerne blieben im ersten Quartal dieses Jahres zwar mit großem Abstand Marktführer auf dem deutschen Elektroautomarkt und verkauften zudem deutlich mehr Elektroautos als im Vorjahreszeitraum. Allerdings schrumpfte ihr Marktanteil deutlich: von 66 auf 58 Prozent. Insgesamt verkauften die deutschen Autokonzerne in Deutschland in den ersten drei Monaten des Jahres knapp 92 Tausend Elektroautos, das waren 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Der gesamte E-Auto-Markt wuchs hingegen um 41 Prozent. Deutlich stärker zulegen konnten die chinesischen Autokonzerne, deren Absatz insgesamt um 72 Prozent zulegte, sowie die übrigen Herstellernationen, bei denen die Neuzulassungen insgesamt sogar um 81 Prozent wuchsen.
Der Marktanteil der deutschen Konzerne sinkt von Monat zu Monat: Nachdem im vierten Quartal 2025 noch 63 Prozent der in Deutschland neu zugelassenen E-Autos von einem der deutschen Konzerne stammte, lag dieser Anteil im Januar dieses Jahres nur noch bei 61 Prozent, im Februar bei 57 Prozent und im März bei 56 Prozent.
Unter den Top-10-Anbietern von E-Autos verzeichneten im ersten Quartal ausländische Konzerne die höchsten Wachstumsraten: BYD schaffte unter den Top-10-Konzernen mit 339 Prozent das mit Abstand stärkste Wachstum, dahinter folgen Stellantis (plus 166 Prozent), Tesla (plus 160 Prozent) und Ford (plus 90 Prozent). Zum Vergleich: Mercedes-Benz legte um 47 Prozent zu, BMW um 22 Prozent und der Volkswagenkonzern um 19 Prozent.
Dank des starken Wachstums verdrängte Stellantis mit gut 16.500 Elektro-Neuzulassungen BMW (knapp 16.000) vom zweiten Platz im Konzernranking – unangefochtener Marktführer ist aber weiterhin der Volkswagenkonzern mit gut 64.300 Elektro-Neuzulassungen.
Und nachdem 2025 die zehn erfolgreichsten Elektro-Modelle durchweg aus den Fabriken der deutschen Autokonzerne kamen, belegte im ersten Quartal dieses Jahres mit dem Tesla Model Y ein nicht-deutsches Fabrikat den zweiten Platz im Ranking der meistverkauften E-Modelle – hinter dem Skoda Elroq. Im März belegte das Model Y sogar den ersten Platz in der Neuzulassungsstatistik.
Das sind Ergebnisse einer aktuellen EY-Analyse auf Basis von Zahlen, die vom Kraftfahrt Bundesamt (KBA) veröffentlicht wurde. „Vor allem die neue Elektro-Förderung, aber auch die neue Initiative der EU zu „Greening Corporate Fleets“ aus dem Dezember letzten Jahres haben kräftig Bewegung in den deutschen E-Auto-Markt gebracht“, beobachtet Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY. „Gerade einige ausländische Anbieter haben die neue Prämie zum Anlass für eigene, zusätzliche Preissenkungen genommen oder sehr günstige Finanzierungs- oder Leasing-Angebote gemacht. Damit haben sie bei preissensiblen Kunden gepunktet, die zudem durch die Prämie von bis zu 6.000 Euro angezogen wurden. Das Ergebnis ist: Die deutschen Konzerne, die mit Preisnachlässen deutlich zurückhaltender waren und zudem in den niedrigeren Preissegmenten kaum vertreten sind, wachsen langsamer als die Konkurrenz im Segment der Privatkunden. Im Bereich der gewerblichen Kunden hingegen konnten die deutschen Hersteller ihre Vormachtstellung behaupten und sogar ausbauen.“
Der durch die Elektro-Prämie angefachte Absatzboom gerade im März, als die Elektro-Neuzulassungen um 66 Prozent stiegen, komme also weniger den deutschen Autokonzernen zugute als vielmehr ausländischen Anbietern, so Gall: “Wie befürchtet subventionieren wir mit der neuen Elektro-Prämie aktuell vor allem die ausländische Autoindustrie.“
Gall rechnet damit, dass auch im weiteren Jahresverlauf der Absatz von E-Autos hoch bleiben wird: „Wir haben schon bei früheren Förderungen gesehen, dass dieses Mittel den Markt kräftig ankurbeln kann. Auch in den kommenden Monaten werden wir hohe Wachstumsraten sehen. Das große Fragezeichen in diesem Kontext ist der Konflikt im Mittleren Osten und die hohen Spritkosten. Einerseits vergrößert sich der Vorteil bei den Betriebskosten von E-Autos. Andererseits dürfte sich aber das generelle Konsumverhalten eintrüben – mit entsprechenden Folgen für den Neuwagenkauf.“ Gall geht zudem davon aus, dass zumindest in Richtung Jahresende auch die deutschen Konzerne zunehmend von der Prämie profitieren können: „Das Angebot der deutschen Konzerne im niedrigeren Preissegment ist derzeit noch sehr dünn. Im Jahresverlauf kommen neue, attraktive Modelle, bei denen die Elektro-Prämie einen deutlichen Preisunterschied machen kann. Dann könnte der Marktanteil der deutschen Konzerne auch wieder steigen.“
Für steigende Elektro-Neuzulassungen werden nach Galls Einschätzung auch die geplanten EU-Ziele für Unternehmensflotten sorgen: „Bei Dienstwagen liegen die deutschen Autokonzerne mit großem Abstand vorn. Wenn die Unternehmensflotten relativ kurzfristig elektrifiziert werden müssen, werden davon die deutschen Autobauer voraussichtlich besonders stark profitieren. Da kommen die neuen 800-Volt-Modelle der deutschen Konzerne gerade zur rechten Zeit.“
Markenranking: Volkswagen vorn
Im Markenranking belegt Volkswagen in Deutschland mit knapp 24.000 neu zugelassenen Elektroautos weiterhin den ersten Platz – trotz eines Rückgangs um sechs Prozent. Auf dem zweiten Platz liegt Skoda (plus 94 Prozent), dahinter Tesla (plus 160 Prozent). Audi (plus 44 Prozent), BMW (plus 15 Prozent) und Mercedes-Benz (plus 47 Prozent) belegen die weiteren Plätze. Keine chinesische Marke schaffte es im ersten Quartal unter die Top 10 in Deutschland.
Top-Seller: Neun Fabrikate von deutschen Konzernen plus Tesla
Im Ranking der beliebtesten Elektromodelle lag im ersten Quartal der Skoda Elroq auf dem ersten Platz, dessen Absatz sich mehr als verfünffacht hat. Dahinter platziert sich das Tesla Model Y (plus 172 Prozent), gefolgt von zwei Volkswagen-Modellen: dem ID.3 (plus 47 Prozent) und dem ID.7 (minus 26 Prozent).
Von den zehn bestverkauften E-Autos im ersten Quartal stammen acht aus dem Volkswagenkonzern. Neben dem Tesla Model Y auf Rang zwei kann sich der neu auf den Markt gekommene Mercedes CLA auf dem achten Platz unter den zehn Bestsellern platzieren.
Das erfolgreichste chinesische Elektroauto war im ersten Quartal der Dolphin Surf mit 2.400 Neuzulassungen auf Rang 20.
Der bislang überschaubare Erfolg der chinesischen Konzerne auf dem deutschen Markt sei bemerkenswert, sagt Jan Sieper, Partner Automotive bei EY-Parthenon: „Die chinesischen Autobauer investieren viel in ihren Markteintritt in Europa und auch in Deutschland. In Deutschland sind ihre Wachstumszahlen zwar hoch, der Marktanteil liegt aber immer noch unter der zehn-Prozent-Marke. Die deutschen Konzerne haben bislang ihre Vormachtstellung auf dem deutschen Absatzmarkt erfolgreich verteidigen können, und von der neuen Prämie konnten offenbar andere ausländische Marken stärker profitieren als die chinesischen.“
Rekordwerte etwa bei den Ladezeiten und auch die relativ niedrigen Verkaufspreise scheinen als Verkaufsargument noch nicht auszureichen, sagt Sieper: „Deutschland ist nach wie vor für die chinesischen Automarken ein schwieriger Markt. Zwar haben die Chinesen mit ihren neuen Elektroautos ein wettbewerbsfähiges Produktportfolio. Aber unter den Käufern gibt es oft noch Vorbehalte gegenüber den neuen Anbietern aus China. Es zeigt sich immer wieder: Um als neuer Hersteller in Deutschland Erfolg zu haben, braucht man einen langen Atem. Zunächst gilt es, Vertrauen und Markenloyalität aufzubauen. Dazu ist auch der Aufbau eines landesweiten Vertriebs- und Servicenetzes nötig, was sehr kostenintensiv ist. Es reicht nicht, gute Fahrzeuge zu niedrigen Preisen zu importieren.“
In anderen europäischen Ländern seien die chinesischen Marken deutlich erfolgreicher unterwegs, so Sieper. In Italien war z.B. der Leapmotor T03 das meistverkaufte Elektroauto im ersten Quartal, der BYD Dolphin Surf belegte den vierten Platz im E-Auto-Ranking. In Spanien schaffte es der BYD Dolphin Surf im ersten Quartal immerhin auf den dritten Platz, der BYD Atto 2 auf Rang fünf.