Postbank: Trotz hoher Sparbereitschaft – vier von zehn Sparern legen weniger zurück

Bonn (3.11.26) – Deutsch­land spart: Vier von fünf Men­schen (81 Pro­zent) bil­den Rück­la­gen – prak­tisch ge­nau­so viele wie im Vor­jahr (80 Pro­zent). Trotz des aus­ge­präg­ten Spar­wil­lens fällt es vie­len Men­schen schwe­rer, Geld zur Seite zu legen. Vier von zehn Spa­rern (41 Pro­zent) legen heute we­ni­ger zu­rück als noch vor einem Jahr, jeder fünf­te (21 Pro­zent) sogar deut­lich we­ni­ger. Nur knapp jeder vier­te (24 Pro­zent) hat seine Spar­leis­tung er­höht, ein Drit­tel (33 Pro­zent) spart un­ver­än­dert wei­ter. „Ob­wohl die Re­al­löh­ne zu­letzt wie­der ge­stie­gen sind und sich die Kauf­kraft der Be­schäf­tig­ten im Durch­schnitt er­holt hat, be­deu­tet das nicht, dass sich die fi­nan­zi­el­le Lage für alle Haus­hal­te glei­cher­ma­ßen ent­spannt“, sagt Dr. Ul­rich Ste­phan, Chef­an­la­ge­stra­te­ge Pri­vat- und Fir­men­kun­den der Postbank.

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Grafik: Postbank

Be­son­ders knapp ist der Spiel­raum bei nied­ri­gen Ein­kom­men: Von den Men­schen mit we­ni­ger als 2.500 Euro Haus­halts­net­to­ein­kom­men kön­nen 29 Pro­zent der­zeit nichts bei­sei­te­le­gen, bei hö­he­ren Ein­kom­men be­trifft dies le­dig­lich sechs Pro­zent. Ob Ver­brau­cher Geld zu­rück­le­gen kön­nen oder nicht, hängt maß­geb­lich von ihrer Le­bens­si­tu­a­ti­on ab: Jeder fünf­te Mie­ter (20 Pro­zent) kann keine Rück­la­gen bil­den, unter Im­mo­bi­li­en­be­sit­zern sind es nur sechs Pro­zent. Jeder fünf­te Rent­ner (20 Pro­zent) ist nicht in der Lage zu spa­ren – ge­gen­über neun Pro­zent der Er­werbs­tä­ti­gen.

Le­bens­un­ter­halt: Fast jeder Zwei­te greift auf Er­spar­nis­se zu­rück

Wie stark die ge­stie­ge­nen Prei­se die fi­nan­zi­el­le Vor­sor­ge be­ein­flus­sen, zeigt ein wei­te­res Er­geb­nis der Postbank Um­fra­ge: 43 Pro­zent der Be­frag­ten grei­fen auf ihre Er­spar­nis­se zu­rück, um lau­fen­de Le­bens­hal­tungs­kos­ten zu be­zah­len, zwölf Pro­zent sogar in grö­ße­rem Um­fang. Nur 39 Pro­zent der Be­frag­ten kön­nen ihre Aus­ga­ben voll­stän­dig aus ihren lau­fen­den Ein­nah­men be­strei­ten. Durch die ge­stie­ge­nen Le­bens­hal­tungs­kos­ten füh­len sich nicht nur die un­te­ren Ein­kom­mens­grup­pen be­las­tet: Von den Haus­hal­ten mit einem mo­nat­li­chen Net­to­ein­kom­men von min­des­tens 2.500 Euro ver­wen­den 41 Pro­zent ihre Er­spar­nis­se zur De­ckung der Le­bens­hal­tungs­kos­ten, bei Haus­hal­ten un­ter­halb die­ser Ein­kom­mens­gren­ze ist es fast jeder zwei­te (49 Pro­zent). Be­son­ders an­ge­spannt ist die Lage dort, wo Ein­kom­men und Re­ser­ven feh­len: 27 Pro­zent der Haus­hal­te mit we­ni­ger als 2.500 Euro Net­to­ein­kom­men ver­fü­gen nicht über Er­spar­nis­se, auf die sie zu­rück­grei­fen könn­ten. Bei hö­he­ren Ein­kom­men sind es im­mer­hin sie­ben Pro­zent.

Zu­gleich hat der Preis­druck wie­der zu­ge­nom­men. 15 Pro­zent der Be­frag­ten geben an, auf­grund der ge­stie­ge­nen Prei­se ihre Le­bens­hal­tungs­kos­ten kaum noch be­zah­len zu kön­nen – im März 2026 waren es 13 Pro­zent. Bei Haus­hal­ten mit we­ni­ger als 2.500 Euro Net­to­ein­kom­men sagt dies fast jeder vier­te (24 Pro­zent), bei hö­he­ren Ein­kom­men im­mer­hin elf Pro­zent. „Die wie­der an­zie­hen­de In­fla­ti­on trifft die Haus­hal­te auf einem be­reits deut­lich er­höh­ten Preis­ni­veau“, er­klärt Dr. Ul­rich Ste­phan. „Je klei­ner das Ein­kom­men, desto we­ni­ger Mög­lich­kei­ten gibt es, stei­gen­de Prei­se auf­zu­fan­gen. In­fla­ti­on be­las­tet des­halb nicht nur den ak­tu­el­len Kon­sum, son­dern auch die Fä­hig­keit, Rück­la­gen zu bil­den und für die Zu­kunft vor­zu­sor­gen.“

Spar­zie­le: Si­cher­heit statt Kon­sum

Ob­wohl der fi­nan­zi­el­le Spiel­raum für viele klei­ner ge­wor­den ist, bleibt der Spar­wil­le aus­ge­prägt – und rich­tet sich vor allem auf Si­cher­heit. 42 Pro­zent der Spa­rer legen einen Not­gro­schen für un­vor­her­seh­ba­re Aus­ga­ben zu­rück, 37 Pro­zent spa­ren für ein fi­nan­zi­el­les Pols­ter in Kri­sen­zei­ten und 35 Pro­zent für ihre Al­ters­vor­sor­ge. Kon­kre­te Kon­sum­wün­sche ste­hen deut­lich wei­ter hin­ten: Für eine be­son­de­re Aus­ga­be wie eine Reise spa­ren 16 Pro­zent, für ein Auto zehn Pro­zent.

„Feh­len­de Rück­la­gen sind meist keine Frage man­geln­der Spar­be­reit­schaft oder über­mä­ßi­gen Kon­sums“, be­tont Dr. Ul­rich Ste­phan. „Ge­ra­de die Nicht-Spa­rer wün­schen sich be­son­ders häu­fig ein fi­nan­zi­el­les Pols­ter. Si­cher­heit ist vie­len wich­ti­ger als Kon­sum – doch der fi­nan­zi­el­le Spiel­raum fehlt.“ Mehr als jeder zwei­te Be­frag­te (52 Pro­zent), der der­zeit nicht in der Lage ist, Rück­la­gen zu bil­den, würde gerne einen Not­gro­schen auf­bau­en und 43 Pro­zent für Kri­sen­zei­ten vor­sor­gen. Nur vier Pro­zent der Nicht-Spa­rer geben an, dass Ur­laub, Ge­schen­ke oder Hob­bys sie vom Spa­ren ab­hal­ten. Knapp 71 Pro­zent nen­nen da­ge­gen zu hohe Le­bens­hal­tungs­kos­ten als Grund.

Be­lieb­tes­te Spar­form: Gi­ro­kon­to

Wer­den Er­spar­nis­se ge­bil­det, lie­gen sie am häu­figs­ten auf dem Gi­ro­kon­to: 43 Pro­zent der Be­frag­ten nut­zen es zum Spa­ren; 41 Pro­zent waren es im Vor­jahr. Ta­ges­geld folgt mit 40 Pro­zent, ein klas­si­sches Spar­kon­to nut­zen 26 Pro­zent der Be­frag­ten. Rund jeder drit­te (32 Pro­zent) in­ves­tiert in Wert­pa­pie­re. Nach einem deut­li­chen An­stieg von 30 Pro­zent im Jahr 2024 auf 34 Pro­zent im Jahr 2025 ist der An­teil der Wert­pa­pier­an­le­ger 2026 wie­der leicht zu­rück­ge­gan­gen. ETFs sind als An­la­ge wei­ter sehr be­liebt. 21 Pro­zent der Be­frag­ten nut­zen diese An­la­ge­form, eben­so viele wie im Vor­jahr.

Vor allem lang­fris­ti­ge Ziele ste­hen bei der Wert­pa­pier­an­la­ge im Fokus: 42 Pro­zent nut­zen sie für die Al­ters­vor­sor­ge, 41 Pro­zent für den Ver­mö­gens­auf­bau. Ein Vier­tel (25 Pro­zent) möch­te damit ein fi­nan­zi­el­les Pols­ter für Kri­sen­zei­ten auf­bau­en, 22 Pro­zent einen Not­gro­schen. Le­dig­lich vier Pro­zent nen­nen kurz­fris­ti­ge Ge­win­ne als eines ihrer wich­tigs­ten An­la­ge­zie­le. „Ge­ra­de wenn der fi­nan­zi­el­le Spiel­raum zum Spa­ren be­grenzt ist, ge­win­nen lang­fris­ti­ge Er­trags­chan­cen an Be­deu­tung. Breit ge­streu­te Wert­pa­pier­an­la­gen bie­ten die Mög­lich­keit, auch mit klei­ne­ren Be­trä­gen am Wachs­tum der Ka­pi­tal­märk­te teil­zu­ha­ben“, er­klärt Dr. Ul­rich Ste­phan.

Wert­pa­pie­re: Feh­len­des Wis­sen bremst den Ein­stieg

Bis­lang ist der Zu­gang zum Ka­pi­tal­markt al­ler­dings un­aus­ge­wo­gen, wie die Er­geb­nis­se der Postbank Um­fra­ge zei­gen. 43 Pro­zent der Be­frag­ten mit einem Haus­halts­net­to­ein­kom­men von min­des­tens 2.500 Euro in­ves­tie­ren in Wert­pa­pie­re, bei nied­ri­ge­ren Ein­kom­men sind es le­dig­lich 18 Pro­zent. Auch zwi­schen Im­mo­bi­li­en­be­sit­zern (41 Pro­zent) und Mie­tern (25 Pro­zent) sowie Män­nern (39 Pro­zent) und Frau­en (25 Pro­zent) be­stehen deut­li­che Un­ter­schie­de. Doch Geld al­lein er­klärt die Schief­la­ge nicht. Die größ­te Ein­stiegs­hür­de ist feh­len­des Wis­sen: 26 Pro­zent der Nicht-Wert­pa­pier­an­le­ger geben an, sich mit Wert­pa­pie­ren nicht gut genug aus­zu­ken­nen. 22 Pro­zent fehlt das Geld für eine An­la­ge, 20 Pro­zent emp­fin­den Wert­pa­pie­re als zu un­si­cher.

Das Al­ters­vor­sor­ge­de­pot könn­te neue Im­pul­se set­zen: 22 Pro­zent der Spa­rer, die bis­lang nicht in Wert­pa­pie­re in­ves­tie­ren, sagen, dass die staat­li­che För­de­rung für sie ein Grund wäre, künf­tig am Ka­pi­tal­markt an­zu­le­gen. Unter den ak­ti­ven Wert­pa­pier­an­le­gern wol­len sogar 45 Pro­zent auf­grund der För­de­rung in Zu­kunft ver­stärkt in­ves­tie­ren. „Die staat­li­che För­de­rung kann einen An­stoß geben, sich mit der Wert­pa­pier­an­la­ge aus­ein­an­der­zu­set­zen. Ent­schei­dend wird sein, den Ein­stieg mög­lichst ein­fach und ver­ständ­lich zu ge­stal­ten. Denn feh­len­des Wis­sen ist heute noch die größ­te Hürde für die Wert­pa­pier­an­la­ge“, er­gänzt Dr. Ul­rich Ste­phan.

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