Landwirtschaftliche Rentenbank: „Bioeconomy Deep Dive“ – Lignin kann zum Gamechanger für mehr Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in der Industrie werden

Frankfurt/Main (13.1.26) – Lignin ist ein natürliches Biopolymer, das in den Zellwänden von Pflanzen vorkommt und weltweit in großen Mengen als Nebenprodukt der Papier- und Zellstoffindustrie anfällt. Dank seiner vielseitigen Eigenschaften eröffnet Lignin zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten – etwa als Ausgangsstoff für biobasierte Kunststoffe, Bindemittel, Kosmetikprodukte, Batteriematerialien und Baustoffe. Damit nimmt Lignin eine zentrale Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger Alternativen zu fossilen Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle ein. Trotz seines enormen Potenzials wird Lignin bislang nur begrenzt stofflich genutzt. Wirtschaftliche und regulatorische Hürden erschweren die Markteinführung innovativer Lignin-basierter Produkte. Es fehlen einheitliche Standards, und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Wertschöpfungskette ist noch ausbaufähig. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Analyse der Lignin-Wertschöpfungskette im Rahmen der „Bioeconomy Deep Dives“, die vom Innovationshub RootCamp im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durchgeführt wurde. Die Studie zeigt konkrete Lösungswege auf, wie Lignin zum Schlüsselrohstoff der Bioökonomie werden kann.

Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank: „Lignin hat das Potenzial, zum echten Gamechanger für die Bioökonomie zu werden. Seine Vielseitigkeit und Verfügbarkeit bieten die Chance, den Wandel von fossilen zu biobasierten Rohstoffen entscheidend voranzutreiben. Wenn wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, kann Lignin vom Reststoff zum Wertstoff werden und einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Industrie leisten.“

Zentrale Herausforderungen bei der Nutzung von Lignin

Obwohl Lignin als Nebenprodukt der Papier- und Zellstoffindustrie in enormen Mengen anfällt – weltweit werden jährlich zwischen 50 und 100 Megatonnen Lignin gewonnen – und vielseitig einsetzbar ist, wird es bislang überwiegend zur Energiegewinnung verbrannt. Die stoffliche Nutzung – etwa in Kunststoffen, Baustoffen oder chemischen Grundstoffen – steckt hingegen noch in den Anfängen. Ein Grund dafür sind die vielfältigen Herausforderungen, die die Studie identifiziert: Die hohe Komplexität und Heterogenität von Lignin erschwert die Entwicklung neuer Produkte und beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt das Fehlen standardisierter Qualitätsparameter, einer skalierbaren Pilotinfrastruktur sowie einer zentralen Austauschplattform für die Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Dadurch ist die stoffliche Nutzung von Lignin bislang teurer und risikoreicher als der Einsatz fossiler Alternativen. Auch fehlende Preisanreize und regulatorische Hürden bremsen die Markteinführung innovativer Lignin-basierter Produkte und erschweren Investitionen in neue Produktionskapazitäten. Zusätzlich ist die Akteurslandschaft stark fragmentiert: Startups, Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen arbeiten häufig isoliert, während Kooperationen und Transparenz über verfügbare Ligninqualitäten bislang kaum vorhanden sind.

Handlungsempfehlungen für die Zukunft

Um das volle Potenzial von Lignin zu heben, formuliert die Studie fünf zentrale Handlungsempfehlungen. Erstens wird die Entwicklung einheitlicher technischer Parameter und Produktklassen durch eine Standardisierungsinitiative angeregt, um die industrielle Nutzung zu erleichtern. Zweitens empfiehlt die Studie die Einführung eines Lignin-Innovationsprogramms, das Forschung, Entwicklung und Anwendungstests entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördert und so die Markteinführung wirtschaftlich attraktiver macht. Drittens sollen gezielte Produktionsanreize für CO₂-reduzierte Materialien geschaffen werden, damit biobasierte Produkte auch im Wettbewerb mit fossilen Alternativen bestehen können. Viertens wird der Aufbau neutraler Testzentren zur Skalierung von Lignin-Anwendungen vorgeschlagen, um die Brücke zwischen Labor und Markt zu schlagen und Investitionsrisiken zu senken. Schließlich plädiert die Studie für die Einrichtung einer unabhängigen Vermittlungsplattform, die Akteure vernetzt und ein öffentlich zugängliches Lignin-Materialregister bereitstellt – ein wichtiger Schritt, um Transparenz und Effizienz in der Wertschöpfungskette zu erhöhen.

Nikola Steinbock: „Unsere Analyse macht deutlich: Damit Lignin tatsächlich zum Schlüsselrohstoff der Bioökonomie werden kann, müssen wir die bestehenden Herausforderungen jetzt angehen. Einheitliche Standards, gezielte Innovationsförderung und eine stärkere Vernetzung der Akteure sind dafür entscheidend. Die Studie zeigt konkrete Wege, wie wir die stoffliche Nutzung von Lignin vorantreiben und so die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie stärken können.“

Dr. Philipp Rittershaus, Prokurist des RootCamps: “Wie auch viele andere Reststoffströme bietet Lignin ein riesiges Potential für bioökonomische Wertschöpfung. Damit diese Möglichkeiten ökonomisch nachhaltig ausgeschöpft werden können, müssen verschiedene Innovationslücken überbrückt werden. In unserem kollaborativen DeepDive Format konnten wir unter Einbindung aller Wertschöpfungsstufen Maßnahmen für eine zukünftige Skalierung ableiten.”

Die Analyse „Bioeconomy Deep Dives Lignin“ ist unter folgendem Link auf der Homepage der Rentenbank abrufbar: https://www.rentenbank.de/dokumente/research/rentenbank_rootcamp_bioeconomy-deep-dives-lignin.pdf

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