Köln (6.10.26) – Deutsche Unternehmen haben den Wert ihrer Direktinvestitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Gründe hierfür sind vermehrt niedrige Produktionskosten im Ausland. Das kann zu Lasten des deutschen Standortes gehen.
Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen im Ausland lag im Jahr 2024 (letztverfügbarer Datenstand) bei 1.689 Milliarden Euro. Das zeigt eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Analyse auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank.
Einige der wichtigsten Zielregionen:
Die gestiegenen deutschen Auslandsinvestitionen allein sind noch kein Grund zur Sorge, denn gleichzeitig investierten ausländische Unternehmen zuletzt wieder mehr in Deutschland. Erschließen Unternehmen durch Auslandsinvestitionen neue Märkte, können sie mehr exportieren und so die heimische Wirtschaft stärken. Anders ist es, wenn die Produktion kostenbedingt verlagert wird. Tatsächlich sind Kostenmotive laut einer DIHK-Umfrage bei Industrieunternehmen in den letzten Jahren wichtiger geworden.
„Schrumpfen die Margen, verlagern Unternehmen ihre Produktion verstärkt in Länder mit niedrigeren Löhnen“, sagt IW-Ökonomin Samina Sultan. Die heimische Politik sei gefordert. Sie müsse jetzt Reformen umsetzen, um Deutschland im internationalen Wettbewerb zu stärken und die Kosten für Unternehmen hierzulande zu senken.
Zur Methodik: Direktinvestitionsbestände erfassen stichtagsbezogen das anteilige Eigenkapital an ausländischen Beteiligungen (einschließlich Rücklagen, Vorträgen und Jahresergebnis) und die konzerninternen Kreditbeziehungen. Somit können neben neuen Transaktionen auch Wert- und Wechselkursänderungen bei den bisherigen Beständen ursächlich für Veränderungen bei den Direktinvestitionsbeständen sein. In der Analyse wurden die deutschen Direktinvestitionen im Ausland nach dem Land der ersten operativen Einheit zugeordnet, durch abhängige Holdinggesellschaften wird demnach „hindurchgeschaut“.
Deutsche Direktinvestionsbestände in ausgewählten Ländern, in Prozent
| Länder | Anteil am Gesamtbestand 2024 | Veränderung seit 2010 |
|---|---|---|
| EU-27 (Region) | 38 % 38 %38 % | +136 % |
| USA | 27 % 27 %27 % | +102 % |
| Luxemburg | 9 % 9 %9 % | +264 % |
| China | 7 % 7 %7 % | +281 % |
| UK | 6 % 6 %6 % | +5 % |
| Frankreich | 4 % 4 %4 % | +87 % |
| Italien | 4 % 4 %4 % | +107 % |
| Schweiz | 3 % 3 %3 % | +60 % |
| Polen | 3 % 3 %3 % | +141 % |
| Spanien | 3 % 3 %3 % | +110 % |
| Österreich | 3 % 3 %3 % | +127 % |
| Tschechien | 2 % 2 %2 % | +68 % |
Anmerkung: Länderzuordnung nach erweitertem Richtungsprinzip und Land der ersten operativen Einheit. Veränderungsraten gerundet.
Quelle: Deutsche Bundesbank; Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft, Datenstand: 2024