Stuttgart (5.10.26) – Die Elektroprämie sorgt weiterhin für Dynamik auf dem deutschen Neuwagenmarkt: Insgesamt stiegen die Neuzulassungen im September um 9,0 Prozent, die Neuzulassungen von E-Autos legten sogar um 95 Prozent zu. Bei reinen Verbrennern (Benzin und Diesel) gingen die Neuzulassungen hingegen massiv – um 26 Prozent – zurück.
Der Marktanteil von Elektroautos stieg im Vergleich zum Vorjahr von 19,3 auf 34,5 Prozent – der höchste je registrierte Marktanteil von elektrischen Neuwagen in Deutschland. Die ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride traten dagegen auf der Stelle: Ihre Neuzulassungen lagen auf dem Niveau des Vorjahresmonats, ihr Marktanteil sank von 11,8 auf 10,8 Prozent. In Summe erreichten Neuwagen „mit Stecker“ damit einen Marktanteil von 45 Prozent – mehr als vier von zehn Neuwagen lassen sich also per Stecker laden.
Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, sieht die aktuellen Verschiebungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt kritisch: „Die Elektro-Prämie wirkt, und zwar kräftig. Aber dieser Boom ist teuer erkauft, nämlich mit Steuergeld. Und er steht auf wackligen Beinen, denn die hohe Nachfrage nach E-Autos hält nur so lange an, wie die Förderung fließt. Läuft sie aus, droht erneut ein Einbruch der Zulassungszahlen. Genau das haben wir nach dem abrupten Aus des Umweltbonus Ende 2023 schon einmal erlebt.“
Wie stark der Markt an der Prämie hängt, zeigt ein Blick auf die Käufer: Das Wachstum kommt derzeit vor allem von Privatkunden, also genau von der Gruppe, die gefördert wird. Die Neuzulassungen von E-Autos auf Privatkäufer lagen im August um 141 Prozent über dem Vorjahreswert. Bei Unternehmen – die keinen Anspruch auf die Prämie haben – ist die Dynamik deutlich schwächer: Bei ihnen lagen die Neuzulassungen von E-Autos im August 33 Prozent höher als im Vorjahr.
„Für die Hersteller ist der massive Anstieg der Privatkäufe ein echtes Dilemma“, sagt Gall: „Lohnt es sich, jetzt Kapazitäten für Elektroautos aufzubauen und auf einen dauerhaften Aufwärtstrend zu setzen? Oder ist das nur ein Strohfeuer? Gleichzeitig bricht die Nachfrage nach Verbrennern regelrecht ein. Ob diese Kunden dauerhaft verloren sind oder nach dem Ende der Prämie zurückkehren, lässt sich heute kaum vorhersagen. Hinzu kommt: Der Fördertopf ist begrenzt. Bei der aktuellen Dynamik ist nicht ausgeschlossen, dass das Geld deutlich früher aufgebraucht ist als geplant. Das eigentliche Problem ist das ständige Hin und Her in der Förderpolitik. Prämie an, Prämie aus, neue Regeln: Das macht eine verlässliche Planung für die Hersteller nahezu unmöglich. Wer Milliarden in Werke, Batterien und Lieferketten investiert, braucht Planungssicherheit über Jahre und nicht nur über eine Förderperiode.“
Marktanteil der deutschen Konzerne sinkt weiter – Chinesen legen kräftig zu
Vom Aufschwung auf dem deutschen Neuwagenmarkt profitieren seit Monaten vor allem ausländische Hersteller, die deutschen Konzerne verlieren dagegen Monat für Monat Boden. Im September setzte sich dieser Trend fort. Der Marktanteil der deutschen Konzerne auf dem Heimatmarkt sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,8 Prozentpunkte auf 54,0 Prozent, nachdem er bereits im August um 4,6 Prozentpunkte zurückgegangen war. Zwar legten die Neuzulassungen deutscher Konzernmarken im September leicht zu – um 0,2 Prozent. Der Gesamtmarkt wuchs mit 9,0 Prozent aber deutlich stärker.
Die großen Gewinner sind die chinesischen Hersteller. Ihr Absatz stieg im September um 80 Prozent, ihr Marktanteil kletterte von 5,1 auf 8,4 Prozent – ein neuer Rekordwert. Der Aufwärtstrend der chinesischen Konzerne hält damit unvermindert an. Auch außerhalb der Zulassungsstatistik ist die Verschiebung sichtbar: Von Januar bis Juli war China laut Statistischem Bundesamt erstmals das wichtigste Herkunftsland für nach Deutschland importierte Neuwagen.
Gall: „China exportiert inzwischen nicht mehr nur Autos, sondern auch seine Überkapazitäten. Der Heimatmarkt schrumpft, der Preiskampf dort wird immer härter. Also drängen die chinesischen Hersteller mit voller Kraft nach Europa. Vor allem im Einstiegs- und Volumensegment stoßen sie auf Lücken im Angebot der etablierten Hersteller und gewinnen Schritt für Schritt Marktanteile. Gerade im Volumensegment wird der Wettbewerb in Europa deshalb weiter zunehmen.“
Bislang punkten die chinesischen Marken vor allem in den unteren Preisklassen. Das muss aber nicht so bleiben, warnt Gall: „Die chinesischen Hersteller greifen derzeit vor allem dort an, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis über die Kaufentscheidung bestimmt: im unteren und mittleren Segment. Im Premiumbereich liegen die Hürden deutlich höher. Dort zählen Markenstärke, Tradition, Kundenbindung und stabile Wiederverkaufswerte mehr als der reine Preis. In diesen Punkten haben die deutschen Premiummarken nach wie vor die Nase vorn. Eine Garantie für die Zukunft ist das aber nicht. Die chinesischen Angreifer werden den Druck auch im gehobenen Segment weiter erhöhen.“
Durchwachsener Ausblick für den deutschen Neuwagenmarkt
Auch in den kommenden Monaten dürfte die Elektro-Prämie den Absatz von Elektroautos auf dem deutschen Neuwagenmarkt stützen. Zusätzlichen Schwung erwartet Gall von neuen elektrischen Kleinwagen, denn gerade in diesem Segment senkt die Prämie den Kaufpreis prozentual besonders stark. Aber: „Abgesehen von der Elektro-Prämie gibt es derzeit keine Impulse für den Neuwagenmarkt. Die Konjunktur bleibt schwach, Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, und viele Menschen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Die Rahmenbedingungen könnten kaum ungünstiger sein.“
Gall rechnet allerdings damit, dass der Marktanteil der deutschen Konzerne in den kommenden Monaten wieder steigt und sie stärker als bisher vom Wachstum im Elektrosegment profitieren – dank der aktuellen Markteinführungen neuer Einstiegs-Elektroautos. Gall: „Mit neuen deutschen Einstiegsmodellen im Elektrosegment wird zunehmend auch die heimische Autoindustrie von der Prämie profitieren. Dann dürfte der Marktanteil der deutschen Hersteller wieder steigen. Zudem sehen wir bei gewerblichen Kunden eine starke Nachfrage nach neuen Elektrofahrzeugen auf 800-Volt-Plattformen. Gebremst wird das Wachstum im Elektrosegment derzeit eher durch begrenzte Verfügbarkeit und Lieferengpässe als durch fehlendes Kundeninteresse.“
Entwicklung der Top-5- und chinesischen Konzerne im September 26
| Anzahl Neuzulassungen | Marktanteil | ||||
| Konzern | September 26 | September 25 | Veränderung | September 26 | September 25 |
| Volkswagen-Konzern | 93.936 | 95.500 | -1,6 % | 36,6 % | 40,5 % |
| Stellantis | 28.267 | 27.072 | +4,4 % | 11,0 % | 11,5 % |
| BMW-Konzern | 23.063 | 22.486 | +2,6 % | 9,0 % | 9,5 % |
| Mercedes-Benz-Konzern | 21.595 | 20.338 | +6,2 % | 8,4 % | 8,6 % |
| Renault-Konzern | 13.379 | 10.834 | +23,5 % | 5,2 % | 4,6 % |
| Chinesische Konzerne (gesamt) | 21.644 | 12.007 | +80,3 % | 8,4 % | 5,1 % |