DIW: Elektroautos vor Rekordjahr – Kaufprämie setzt Impulse, genaue Wirkung aber unklar

Berlin (30.9.26) – Die Elektromobilität hat in Deutschland deutlich an Fahrt gewonnen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres war etwa jeder vierte neu zugelassene Pkw rein batterieelektrisch betrieben, im August sogar jeder dritte. Im vergangenen Jahr waren es im Durchschnitt erst 19 Prozent. Damit dürfte 2026 hierzulande ein Rekordjahr für Elektroautos werden. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt zudem, dass die neue Kaufprämie stark nachgefragt wird. Bis Anfang September wurden gut 52 000 Anträge bewilligt, rund 90 Prozent davon für rein batterieelektrische Autos. Besonders häufig werden eher kleine Fahrzeuge mit relativ niedrigen Listenpreisen gefördert, wobei die Antragstellenden überwiegend niedrige Einkommen haben.

Die Infografik des DIW Wochenberichts 40/2026 zeigt zwei grafische Darstellungen zur Entwicklung von Elektroautos in Deutschland. Links ist ein Liniendiagramm mit den monatlichen Anteilen von Pkw-Neuzulassungen dargestellt. Es vergleicht reine batterieelektrische Fahrzeuge mit Plug-in-Hybriden im Zeitraum von 2020 bis 2026. Die Linie für reine batterieelektrische Fahrzeuge steigt von niedrigen Anteilen im Jahr 2020 auf über 30 Prozent im Jahr 2026 an und weist mehrere deutliche Ausschläge auf. Markiert sind politische und regulatorische Ereignisse, darunter die Verschärfung der Flottengrenzwerte im Dezember 2021, die Reduktion der Kaufprämie im Dezember 2022, das Ende der Kaufprämie für gewerbliche E-Autos im August 2023, das Ende der Kaufprämie für private E-Autos im Dezember 2023 sowie der Beginn einer neuen Kaufprämie im Januar 2026. Die Anteile von Plug-in-Hybriden steigen zunächst ebenfalls an, bleiben ab 2023 jedoch deutlich unter den Werten der batterieelektrischen Fahrzeuge. Rechts zeigt ein horizontales Balkendiagramm die Listenpreise geförderter reiner Elektroautos. Die meisten geförderten Fahrzeuge entfallen auf die Preisklasse von 30.000 bis 40.000 Euro. Ebenfalls stark vertreten sind Fahrzeuge zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Höhere Preisklassen ab 50.000 Euro machen nur einen kleinen Anteil aus. Die Grafik verdeutlicht, dass die Neuzulassungen von Elektroautos zuletzt deutlich zugenommen haben und die neue Kaufprämie vor allem Fahrzeuge im unteren und mittleren Preissegment fördert. Die Überschrift lautet „Neuzulassungen von Elektroautos haben zuletzt deutlich zugenommen – neue Kaufprämie fördert vor allem E-Autos im unteren Preissegment“.

Grafik: DIW

„Die Elektromobilität nimmt in Deutschland endlich Fahrt auf, wobei der Weg zu einer vollelektrischen Pkw-Flotte noch immer sehr weit ist“, sagt Studienautor Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs Transformation der Energiewirtschaft in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin. Insgesamt sind auf Deutschlands Straßen inzwischen zwar rund 2,5 Millionen rein batterieelektrische Pkw unterwegs. Das entspricht aber erst etwa fünf Prozent der gesamten Pkw-Flotte. Und nach wie vor haben die meisten der Monat für Monat neu zugelassenen Pkw in Deutschland noch einen Verbrennungsmotor. „Die Kaufprämie gibt dem Markt offenbar etwas zusätzlichen Schwung. Viele der geförderten Autos wären aber vermutlich auch ohne staatlichen Zuschuss gekauft worden“, so Schill.

Deutsche Automarken profitieren von Kaufprämie nur bedingt

Inwieweit die Kaufprämie ihre klima-, sozial- und industriepolitischen Ziele erreichen kann, ist bislang offen. Klimapolitisch ist der hohe Anteil rein batterieelektrischer Autos positiv zu bewerten, aber es lässt sich nicht beziffern, wie viele Elektroautos aufgrund der Prämie wirklich zusätzlich gekauft wurden. Sozialpolitisch wird die Förderung zwar häufig an Menschen mit niedrigen Einkommen unter 45 000 Euro ausgezahlt – aber die Empfänger*innen der Prämie müssen nicht zwingend die gleichen Personen sein, die das Fahrzeug später nutzen. Zudem gingen trotz des politischen Fokus auf die Förderung von Familien rund zwei Drittel der Bewilligungen bisher an Haushalte ohne Kinder. Auch der deutschen Automobilindustrie dürfte die Prämie zumindest kurzfristig nur bedingt helfen: Deutsche Marken sind unter den geförderten E-Autos deutlich schwächer vertreten als im Gesamtmarkt.

„Die Politik sollte endlich eine klare Perspektive für rein batterieelektrische Autos schaffen und keine falschen Zukunftserwartungen für Verbrenner mehr wecken. Technologieklarheit wäre deutlich wichtiger als das Verteilen weiterer Kaufprämien.“ Wolf-Peter Schill

Der Trend zu immer größeren Elektroautos scheint vorerst gestoppt. Minis und Kleinwagen gewinnen bei den Neuzulassungen wieder leicht an Bedeutung. Das liegt auch daran, dass kleinere und günstigere E-Autos unter den geförderten Fahrzeugen besonders häufig vertreten sind. Deutsche Hersteller haben in diesem Preissegment bisher allerdings nur wenige Modelle im Angebot. Entsprechend fällt ihr Anteil unter den mit der Kaufprämie geförderten Autos geringer aus, während asiatische und US-amerikanische Marken stärker vertreten sind. Allerdings können die geförderten Autos ausländischer Marken auch zu Wertschöpfung in Deutschland führen. So produziert beispielsweise Tesla aus den USA eines seiner stark nachgefragten Modelle auch in Deutschland.

Förderung von Plug-in-Hybriden sollte rasch beendet werden

Kritisch sehen die Studienautor*innen, dass auch Plug-in-Hybridmodelle gefördert werden. Bisher machen sie zwar nur knapp zehn Prozent der geförderten Fahrzeuge aus. Ihr Klimanutzen ist aber deutlich geringer als der reiner E-Autos. Zudem sind die geförderten Plug-in-Hybride im Durchschnitt deutlich größer und teurer, sodass hier die Erreichung der sozial- und klimapolitischen Ziele besonders fraglich ist. Die Förderung dieser Modelle sollte nach Ansicht der Studienautor*innen daher schnellstmöglich beendet werden.

Andere Reformvorschläge für die Kaufprämie sehen sie hingegen skeptischer: Eine Obergrenze für den Listenpreis oder eine Fokussierung der Förderung auf deutsche oder europäische Anbieter würden das Programm komplizierter machen und bräuchten einigen Vorlauf. Als weitaus wichtiger erachten die Studienautor*innen einen verlässlichen politischen Rahmen. „Die Politik sollte endlich eine klare Perspektive für rein batterieelektrische Autos schaffen und keine falschen Zukunftserwartungen für Verbrenner mehr wecken“, so Schill. „Technologieklarheit wäre deutlich wichtiger als das Verteilen weiterer Kaufprämien.“

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