Berlin (30.9.26) – Die Elektromobilität hat in Deutschland deutlich an Fahrt gewonnen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres war etwa jeder vierte neu zugelassene Pkw rein batterieelektrisch betrieben, im August sogar jeder dritte. Im vergangenen Jahr waren es im Durchschnitt erst 19 Prozent. Damit dürfte 2026 hierzulande ein Rekordjahr für Elektroautos werden. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt zudem, dass die neue Kaufprämie stark nachgefragt wird. Bis Anfang September wurden gut 52 000 Anträge bewilligt, rund 90 Prozent davon für rein batterieelektrische Autos. Besonders häufig werden eher kleine Fahrzeuge mit relativ niedrigen Listenpreisen gefördert, wobei die Antragstellenden überwiegend niedrige Einkommen haben.

Grafik: DIW
„Die Elektromobilität nimmt in Deutschland endlich Fahrt auf, wobei der Weg zu einer vollelektrischen Pkw-Flotte noch immer sehr weit ist“, sagt Studienautor Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs Transformation der Energiewirtschaft in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin. Insgesamt sind auf Deutschlands Straßen inzwischen zwar rund 2,5 Millionen rein batterieelektrische Pkw unterwegs. Das entspricht aber erst etwa fünf Prozent der gesamten Pkw-Flotte. Und nach wie vor haben die meisten der Monat für Monat neu zugelassenen Pkw in Deutschland noch einen Verbrennungsmotor. „Die Kaufprämie gibt dem Markt offenbar etwas zusätzlichen Schwung. Viele der geförderten Autos wären aber vermutlich auch ohne staatlichen Zuschuss gekauft worden“, so Schill.
Inwieweit die Kaufprämie ihre klima-, sozial- und industriepolitischen Ziele erreichen kann, ist bislang offen. Klimapolitisch ist der hohe Anteil rein batterieelektrischer Autos positiv zu bewerten, aber es lässt sich nicht beziffern, wie viele Elektroautos aufgrund der Prämie wirklich zusätzlich gekauft wurden. Sozialpolitisch wird die Förderung zwar häufig an Menschen mit niedrigen Einkommen unter 45 000 Euro ausgezahlt – aber die Empfänger*innen der Prämie müssen nicht zwingend die gleichen Personen sein, die das Fahrzeug später nutzen. Zudem gingen trotz des politischen Fokus auf die Förderung von Familien rund zwei Drittel der Bewilligungen bisher an Haushalte ohne Kinder. Auch der deutschen Automobilindustrie dürfte die Prämie zumindest kurzfristig nur bedingt helfen: Deutsche Marken sind unter den geförderten E-Autos deutlich schwächer vertreten als im Gesamtmarkt.
„Die Politik sollte endlich eine klare Perspektive für rein batterieelektrische Autos schaffen und keine falschen Zukunftserwartungen für Verbrenner mehr wecken. Technologieklarheit wäre deutlich wichtiger als das Verteilen weiterer Kaufprämien.“ Wolf-Peter Schill
Der Trend zu immer größeren Elektroautos scheint vorerst gestoppt. Minis und Kleinwagen gewinnen bei den Neuzulassungen wieder leicht an Bedeutung. Das liegt auch daran, dass kleinere und günstigere E-Autos unter den geförderten Fahrzeugen besonders häufig vertreten sind. Deutsche Hersteller haben in diesem Preissegment bisher allerdings nur wenige Modelle im Angebot. Entsprechend fällt ihr Anteil unter den mit der Kaufprämie geförderten Autos geringer aus, während asiatische und US-amerikanische Marken stärker vertreten sind. Allerdings können die geförderten Autos ausländischer Marken auch zu Wertschöpfung in Deutschland führen. So produziert beispielsweise Tesla aus den USA eines seiner stark nachgefragten Modelle auch in Deutschland.
Kritisch sehen die Studienautor*innen, dass auch Plug-in-Hybridmodelle gefördert werden. Bisher machen sie zwar nur knapp zehn Prozent der geförderten Fahrzeuge aus. Ihr Klimanutzen ist aber deutlich geringer als der reiner E-Autos. Zudem sind die geförderten Plug-in-Hybride im Durchschnitt deutlich größer und teurer, sodass hier die Erreichung der sozial- und klimapolitischen Ziele besonders fraglich ist. Die Förderung dieser Modelle sollte nach Ansicht der Studienautor*innen daher schnellstmöglich beendet werden.
Andere Reformvorschläge für die Kaufprämie sehen sie hingegen skeptischer: Eine Obergrenze für den Listenpreis oder eine Fokussierung der Förderung auf deutsche oder europäische Anbieter würden das Programm komplizierter machen und bräuchten einigen Vorlauf. Als weitaus wichtiger erachten die Studienautor*innen einen verlässlichen politischen Rahmen. „Die Politik sollte endlich eine klare Perspektive für rein batterieelektrische Autos schaffen und keine falschen Zukunftserwartungen für Verbrenner mehr wecken“, so Schill. „Technologieklarheit wäre deutlich wichtiger als das Verteilen weiterer Kaufprämien.“