Berlin (21.10.26) – Das Baugewerbe in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich an Produktivität verloren. Gleichzeitig sind der Baubedarf und damit der Druck auf die Branche enorm hoch. Aufgrund des Arbeitskräftemangels wird sie ihre Kapazitäten aber nur ausweiten können, wenn sie ihre Arbeitsproduktivität verbessert, also mehr Wertschöpfung je Beschäftigten erzielt. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt große Produktivitätsunterschiede zwischen Bauunternehmen, selbst zwischen Unternehmen derselben Sparte und Größe. Nach einer Simulationsrechnung mit Unternehmensdaten für 2022 läge die Bauleistung um rund zwölf Prozent höher, wenn die weniger produktiven Betriebe zu vergleichbaren Unternehmen aufschließen würden. Das entspräche der Leistung von knapp 350 000 zusätzlichen Beschäftigten.

Grafik: DIW
„Die Bauwirtschaft muss ihre Kapazitäten ausweiten, damit die milliardenschweren öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur nicht die Preise treiben. Da Arbeitskräfte knapp sind, kann dies nur durch eine Trendwende bei der Arbeitsproduktivität gelingen“, schließt Studienautor Martin Gornig. Zusammen mit Alexander Schiersch hat er berechnet, wie sich die Bruttowertschöpfung je nach Bausparte und Größe der Unternehmen seit dem Jahr 2010 entwickelt hat.
„Um die Produktivität signifikant zu steigern, müssten bereits verfügbare, moderne Produktionsmethoden deutlich schneller und flächendeckender eingesetzt werden“ Martin Gornig
Der Handlungsbedarf ist groß: Die Arbeitsproduktivität im Baugewerbe befindet sich seit Jahren im Sinkflug. 2025 lag sie nahezu 30 Prozent unter dem Niveau von 2010, während sie in der Gesamtwirtschaft oder im Verarbeitenden Gewerbe stieg. Der Negativtrend zeigt sich über alle Bausparten und Unternehmensgrößen hinweg. Beschleunigt hat er sich seit der Corona-Pandemie und durch den Zins- und Kostenschock vor allem seit dem Ukraine-Krieg.
Gleichzeitig offenbaren anonymisierte Unternehmensdaten erhebliche Produktivitätsunterschiede innerhalb der Branche. Insbesondere bei kleinen Unternehmen, die in einigen Bausparten rund 70 Prozent der Unternehmen ausmachen, variiert die Arbeitsproduktivität sehr stark. „Es gibt in jeder Bausparte kleine Unternehmen, die sehr produktiv sind und mit den großen mithalten können“, stellt Studienautor Alexander Schiersch fest. Würden Betriebe mit unterdurchschnittlicher Produktivität zumindest das jeweilige Medianniveau ihrer Sparte und Größenklasse erreichen, könnte die reale Bauleistung insgesamt um rund zwölf Prozent steigen, zeigen die Berechnungen.
„Um die Produktivität signifikant zu steigern, müssten bereits verfügbare, moderne Produktionsmethoden deutlich schneller und flächendeckender eingesetzt werden“, sagt Gornig. Auch die öffentliche Hand kann dazu beitragen: Über die Senkung bürokratischer Nebenbelastungen, innovationsfreundliche Ausschreibungen und gezielte Pilotprojekte ließen sich wichtige Impulse setzen. „Wir sollten neue Technologien nicht unterschätzen und zum Beispiel Robotik auf dem Bau neu denken“, sagt Schiersch. „Wenn wir dahin kommen, dass wir auf dem Bau nicht nur mit Maschinen, sondern auch mit Robotern arbeiten, können wir die Arbeitsproduktivität hier enorm steigern.“