Frankfurt/Main (24.9.26) – Die kleinen und mittelgroßen Banken und Sparkassen in Deutschland zeigen sich weiterhin widerstandsfähig. Trotz einer angespannten wirtschaftlichen Lage, erhöhter geopolitischer Risiken und steigender Belastungen insbesondere im Unternehmens- und Gewerbeimmobiliengeschäft verfügen die Institute im Aggregat über eine solide Kapitalausstattung, die auch für schwerwiegende Krisen ausreicht.
Über diesen grundlegenden Befund aus dem Stresstest für weniger bedeutende Institute (sog. „Less Significant Institutions“ – LSIs) haben heute Bafin-Exekutivdirektor Nikolas Speer und Bundesbankvorstandsmitglied Michael Theurer informiert.
Parallel zum LSI-Stresstest haben die Finanzaufsicht Bafin und die Deutsche Bundesbank eine Umfrage unter den Instituten durchgeführt. An der Erhebung nahmen 1.113 Banken und Sparkassen teil – und damit rund 90 Prozent aller Kreditinstitute in Deutschland, die etwa 38 Prozent der aggregierten Bilanzsumme ausmachen.
„Die Institute bleiben insgesamt solide aufgestellt. Aufgrund ihrer guten Kapitalisierung wären die meisten Banken und Sparkassen in der Lage, auch einem drastischen globalen Wirtschaftseinbruch zu widerstehen“, sagte Nikolas Speer, Bafin-Exekutivdirektor Bankenaufsicht, bei der Vorstellung der Stresstest-Ergebnisse in Frankfurt am Main. Das im Stresstest vorgegebene Szenario entspricht einer sehr schweren Krise in Folge einer simulierten Verschärfung geopolitischer Spannungen. In einer solchen Stresssituation würde sich die harte Kernkapitalquote der LSIs im Aggregat um rund 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent reduzieren. Dieser Rückgang wäre dabei vor allem auf Wertberichtigungen im Adressrisiko- und Marktrisikobereich zurückzuführen.
In diesem Szenario geraten einzelne Banken und Sparkassen stärker unter Druck. Mehrere Dutzend Institute könnten ihre aufsichtlich vorgegebenen Kapitalanforderungen nicht mehr einhalten. Trotz eines ähnlich harten Szenarios wären jedoch weniger Institute betroffen als noch im LSI-Stresstest 2024. Dies liegt unter anderem daran, dass Institute, die vor zwei Jahren im Hinblick auf ihre Kapitalisierung auffällig erschienen, in der Folge aufsichtlich eng begleitet worden sind. Die meisten dieser Banken und Sparkassen haben ihre Eigenmittelquoten inzwischen erhöht und damit ihre Resilienz gegenüber Krisen gestärkt. „Wir haben die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigen, besonders im Blick. Sollte es erforderlich sein, werden wir rechtzeitig aufsichtliche Maßnahmen ergreifen“, betonte Speer.
Nach Erkenntnissen aus der Umfrage zur aktuellen und zukünftigen Ergebnislage und Risikosituation blicken die Institute trotz der geopolitischen und konjunkturellen Herausforderungen weiterhin optimistisch auf ihre Ertragschancen. „Die Institute erwarten im Aggregat einen Anstieg der Gesamtkapitalrentabilität von 0,43 Prozent im Jahr 2025 auf 0,64 Prozent im Jahr 2028, was einer Steigerung um knapp die Hälfte entspricht“, sagte Michael Theurer, das für die Finanzaufsicht zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Wie bereits im vorherigen LSI-Stresstest gehen die Institute davon aus, dass ihre risikogewichteten Aktiva stärker wachsen werden als ihre Bilanzsummen. Dies könnte ein Indiz für eine stärkere Risikonahme, aber auch Folge geänderter regulatorischer Anforderungen sein. Zugleich sehen die Planungen für die Gesamtheit der Banken und Sparkassen einen weiteren Anstieg der harten Kernkapitalquote von aktuell 18,4 Prozent auf 19,1 Prozent im Jahr 2028 vor; jedes fünfte Institut rechnet indes für die nächsten drei Jahre mit einer fallenden harten Kernkapitalquote.
Die wirtschaftliche Erholung bleibt zögerlich und geopolitische Risiken sind weiterhin hoch. Zudem können strukturelle Belastungen insbesondere im Unternehmens- und Gewerbeimmobiliengeschäft die Schuldentragfähigkeit der Kreditnehmer weiter beeinträchtigen. Die aktuellen Entwicklungen der vergangenen Monate sind in den im Frühjahr erhobenen Plandaten noch nicht vollumfänglich berücksichtigt. Diesen Aspekt hob Theurer hervor: „Die anhaltend hohe Unsicherheit bezüglich der weiteren geopolitischen Entwicklungen erschwert den konjunkturellen Ausblick. Umso vorsichtiger müssen die Kreditinstitute bei ihrer Geschäfts- und Kapitalplanung vorgehen, damit sie auch im Falle unvorhergesehener Schocks eine solide Kapitalbasis bewahren und die Finanzierung der Realwirtschaft aufrechterhalten können.“ Dies würden Bafin und Bundesbank bei ihrer laufenden Aufsichtstätigkeit kritisch überprüfen. Hierfür böten die im Rahmen von Stresstest und Umfrage gewonnenen Daten wertvolle Einblicke, so Theurer. Besonders anfällige Institute würden bereits frühzeitig einer noch intensiveren Aufsicht unterworfen. Das trage zur weiteren Stärkung der Stabilität des deutschen Bankenmarktes bei.
Die Institute profitierten im LSI-Stresstest 2026 von deutlichen methodischen Vereinfachungen, einer schlankeren Datenerhebung und einer stärkeren Risikoorientierung. Künftig erhalten nur noch die Institute eine Empfehlung für zusätzliche Eigenmittel („Pillar 2 Guidance“), deren Kapitalquoten im adversen Szenario des Stresstests unter die vorgeschriebenen Kapitalanforderungen („Total SREP Capital Requirements“) plus einem Puffer von 500 Basispunkten fallen. Das Unterschreiten dieser Grenze ist für die Aufsicht eine risikoorientierte Frühwarnschwelle. Damit werden künftig etwa 40 Prozent weniger Institute eine Eigenmittelempfehlung erhalten.