Ernst & Young EY: Elektro-Höhenflug hält an – deutsche Autokonzerne verlieren Marktanteile

Stuttgart (6.8.26) – Die staatliche Förderung für E-Autos bleibt der wichtigste Antreiber des deutschen Neuwagenmarktes: Dank eines starken Anstiegs der Neuzulassungen von Elektroautos um 62 Prozent stiegen im Juli die Pkw-Neuzulassungen insgesamt um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die übrigen Antriebsformen verkauften sich insgesamt aber schlechter als im Vorjahr: Ihr Absatz schrumpfte um zwölf Prozent. Die Neuzulassungen reiner Benziner sanken sogar um 30 Prozent, bei Diesel-Pkw sank der Absatz um 22 Prozent. Insgesamt bleibt das Absatzniveau in Deutschland zudem im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 – trotz des Elektro-Booms – niedrig: So lag der Absatz im Juli um 19,4 Prozent unter Niveau des Vergleichsmonats im Jahr 2019. Im laufenden Jahr wird nach EY-Prognose der deutsche Neuwagenmarkt zwar um etwa drei Prozent über dem Vorjahresniveau, aber 18 Prozent niedriger als 2019 liegen – in absoluten Zahlen werden im Gesamtjahr etwa 650.000 Neuwagen weniger in Deutschland verkauft als vor der Pandemie.

Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, bezeichnet das aktuelle Marktwachstum in Deutschland allerdings als „Scheinwachstum“: „Die Elektro-Prämie treibt derzeit den deutschen Neuwagenmarkt an und sorgt für einen kräftigen Nachfrageboom bei Elektroautos. Dieser Effekt wird jedoch nur so lange anhalten, wie die Förderung gewährt wird. Danach droht erneut ein deutlicher Rückgang der Zulassungszahlen, wie wir ihn bereits nach früheren Förderprogrammen gesehen haben. Zudem wird das Wachstum vollständig durch staatliche Mittel finanziert und ist damit teuer erkauft.“

Elektro wächst am stärksten – Marktanteil der deutschen Konzerne sinkt

Der starke Anstieg der Elektro-Neuzulassungen im Juli führte dazu, dass auch der Marktanteil deutlich stieg: um knapp elf Prozentpunkte von 18,4 auf 29,3 Prozent. Zusammen mit Plug-in-Hybriden, die im Juli auf einen Marktanteil von 11,4 Prozent kamen, lag der Marktanteil von Neuwagen „mit Stecker“ sogar bei 40,7 Prozent – gut vier von zehn Neuwagen fahren also ganz oder teilweise elektrisch.

Kritisch bewertet Gall zudem, dass vor allem ausländische Hersteller von der Förderung profitieren: „Es ist industriepolitisch fragwürdig, dass insbesondere nicht-europäische Hersteller zu den größten Gewinnern der Fördermaßnahmen zählen. Das starke Wachstum bei Elektroautos beschleunigt zwar den Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland, bringt der heimischen Automobilindustrie bislang jedoch nur begrenzte Vorteile. Und die hätte mehr Unterstützung bitter nötig.“

Im Juli stieg der Absatz chinesischer Autokonzerne um 85,5 Prozent, die deutschen Konzerne verzeichneten dagegen einen stagnierenden Absatz. Der Marktanteil der chinesischen Konzerne stieg von 3,9 auf 7,1 Prozent, der Marktanteil der deutschen Konzerne sank hingegen von 61,3 auf 60,6 Prozent. Von den großen Autobauern am stärksten wuchs BYD, dessen Absatz sich mehr als vervierfacht hat.

Entwicklung der Top-5- und chinesischen Konzerne in Deutschland im Juli 2026

 Anzahl Neuzulassungen Marktanteil
KonzernJul 26Jul 25VeränderungJul 26Jul 25
Volkswagen-Konzern105.609108.826-3,0 %39,4 %41,1 %
Stellantis29.72330.463-2,4 %11,1 %11,5 %
BMW-Konzern29.34128.468+3,1 %10,9 %10,8 %
Mercedes-Benz-Konzern27.47525.064+9,6 %10,2 %9,5 %
Hyundai-Kia15.43715.394+0,3 %5,8 %5,8 %
Chinesische Konzerne (gesamt)19.08010.283+85,5 %7,1 %3,9 %

Dass vor allem ausländische Hersteller von der deutschen Elektro-Förderung profitieren, sei allerdings auch eine Folge der Modell- und Preispolitik der deutschen Hersteller, betont Gall: „Die Förderung macht insbesondere Elektrofahrzeuge im Einstiegssegment deutlich attraktiver. Gerade Käufer mit niedrigeren Einkommen bilden die zentrale Zielgruppe der Prämie, für die der staatliche Zuschuss oft kaufentscheidend ist. Allerdings ist das Angebot deutscher Hersteller in diesem Preissegment bislang noch sehr begrenzt. Ausländische Anbieter, insbesondere aus China, sind hier mit wettbewerbsfähigen Modellen deutlich besser positioniert.“

Immerhin dürfte sich die Situation im Laufe dieses Jahres und insbesondere 2027 verändern, erwartet Gall: „Mit dem Marktstart neuer deutscher Einstiegsmodelle im Elektrosegment wird der Marktanteil der deutschen Hersteller voraussichtlich wieder steigen. Zudem beobachten wir im gewerblichen Bereich eine starke Nachfrage nach neuen Elektrofahrzeugen auf 800-Volt-Plattformen. Das Wachstum wird dort derzeit eher durch begrenzte Verfügbarkeiten und Lieferengpässe als durch mangelndes Kundeninteresse gebremst.“

Durchwachsener Ausblick für den deutschen Neuwagenmarkt

Für den deutschen Automarkt insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen schwierig, sagt Gall: „Die anhaltende Konjunkturschwäche sorgt sowohl bei Unternehmen als auch bei privaten Haushalten für Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen. Verschärft wird die Unsicherheit durch geopolitische Konflikte, hohe Energiepreise und die Sorge vor einer erneuten Energiekrise im Winter. Unter diesen Voraussetzungen ist kurzfristig nicht mit einer nachhaltigen Erholung des Automarktes zu rechnen. Für die europäische Automobilindustrie sind konjunkturelle Impulse im laufenden Jahr daher kaum zu erwarten. Gleichzeitig werden chinesische Hersteller ihre Aktivitäten in Europa weiter ausbauen und den Wettbewerbsdruck auf die etablierten europäischen Anbieter auf deren Heimatmärkten erhöhen.“

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