Kronberg/Ts. (23.7.26) – Zeitwertkonten gewinnen mit Blick auf den demografischen Wandel und den steigenden Wunsch nach einer Flexibilisierung von Erwerbsbiografien an Bedeutung. Dennoch sind entsprechende Modelle in Deutschland noch nicht flächendeckend etabliert. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Die Verbreitung von Zeitwertkonten in Deutschland“, die Fidelity International gemeinsam mit der Universität Hamburg durchgeführt hat. Die Untersuchung basiert auf einer bundesweiten Befragung von Organisationen mit mehr als 300 Beschäftigten. Demnach bieten 29,6 Prozent der befragten Organisationen Zeitwertkonten an. Besonders verbreitet sind sie im öffentlichen Sektor.
Verbreitung steigt mit Unternehmensgröße
Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Verbreitungsgrad. Während lediglich 20,9 Prozent der Organisationen mit 300 bis 999 Beschäftigten Zeitwertkonten anbieten, steigt der Anteil bei Unternehmen mit 3.000 bis 4.999 Mitarbeitenden auf 38,5 Prozent.
Auch regional ergeben sich Unterschiede. Besonders hohe Verbreitungsraten wurden in Hamburg (43,3 Prozent), Berlin (42,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (42,9 Prozent) sowie Nordrhein-Westfalen (35,1 Prozent) festgestellt.
Zeitwertkonten werden vor allem für den früheren Ruhestand genutzt
Bei den Freistellungszwecken dominiert weiterhin der vorgezogene Übergang in den Ruhestand. Rund 36,7 Prozent der Organisationen mit Zeitwertkonten nennen den Vorruhestand als wichtigsten Verwendungszweck. Ebenfalls hohe Bedeutung haben Sabbaticals mit 33,1 Prozent der Nennungen. Elternzeiten, Pflegezeiten und Weiterbildungsphasen spielen dagegen eine vergleichsweise geringere Rolle.
Informationsdefizite und Verwaltungsaufwand bremsen die Verbreitung
Als wichtigste Hindernisse für die Einführung von Zeitwertkonten nennen die befragten Organisationen den administrativen Aufwand (26,1 Prozent) sowie fehlende Informationen über Funktionsweise und Nutzen der Modelle (21,5 Prozent). Weitere Hürden sind Unsicherheiten beim Insolvenzschutz, Fragen der Bilanzierung und die damit verbundenen organisatorischen Anforderungen.
Christof Quiring, Head of Workplace Investing bei Fidelity International:
„In Berlin wird derzeit intensiv über die Zukunft der drei Säulen der Alterssicherung gesprochen. Dabei sollten auch die Zeitwertkonten in der Diskussion eine Rolle spielen, da sie zu einem bedeutenden Instrument der Vorruhestandsfinanzierung geworden sind. Gerade diese Debatte müssen wir jetzt führen, denn die Flexibilisierung von Erwerbsverläufen nimmt weiter zu. Ein wichtiger Schritt wäre es, die Werterhaltungsgarantie für Zeitwertkonten zu modernisieren. Analog zur privaten Altersvorsorge könnte damit der Kapitalmarkt stärker genutzt und langfristig höhere Renditechancen für Beschäftigte geschaffen werden.“
Über die Studie
Für die Studie wurden zwischen November 2025 und Januar 2026 insgesamt 470 Organisationen in Deutschland mit mehr als 300 Beschäftigten befragt. Die Untersuchung wurde in Kooperation zwischen Fidelity International und der Universität Hamburg durchgeführt und liefert ein aktuelles bundesweites Bild zur Nutzung und Ausgestaltung von Zeitwertkonten in Deutschland. Der Sammelbegriff Zeitwertkonten umfasst verschiedene Modelle, die es Beschäftigten ermöglichen, Zeit- oder Entgeltbestandteile über einen längeren Zeitraum anzusparen, um diese für individuell gestaltbare Freistellungsphasen im Verlauf des Erwerbslebens zu nutzen.