Deutsche Bundesbank: Banken knausern bei Kreditvergabe und haben ihre Kreditrichtlinien gestrafft

Frankfurt/Main (21.7.26) – Die im Rahmen des Bank Lending Survey (BLS) befragten deutschen Banken haben im zweiten Quartal 2026 ihre Vergaberichtlinien für Kredite an Unternehmen und an private Haushalte gestrafft. Die Straffung im Unternehmensgeschäft fiel etwas schwächer aus als im Vorquartal und war geringer als von den Banken in der Aprilumfrage 2026 geplant. Die Banken begründeten die Straffungen in allen Kreditsegmenten primär damit, dass das Kreditrisiko gestiegen sei. In den vergangenen sechs Monaten strafften die Banken die Kreditrechtlinien im Unternehmenskreditgeschäft am stärksten gegenüber dem Immobiliensektor, dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel.

Wegen klimabedingter Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels strafften die Banken in den vergangenen zwölf Monaten ihre Kreditrichtlinien gegenüber Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß und Unternehmen im Übergangsprozess. In der privaten Baufinanzierung wurden die Richtlinien für Kredite, die für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz aufgenommen wurden, ebenfalls strenger.

Die Kreditbedingungen im Firmenkundengeschäft und bei privaten Wohnungsbaukrediten gestalteten die Banken im zweiten Quartal 2026 restriktiver. Im Geschäft mit Konsumenten- und sonstigen Krediten blieben die Bedingungen per saldo unverändert.

Die Kreditnachfrage stieg im zweiten Quartal 2026 im Firmenkundengeschäft an. Im Geschäft mit privaten Haushalten ging die Nachfrage nach Krediten dagegen deutlich zurück. 

Die Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) erfasst drei Kreditsegmente: Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite an private Haushalte sowie Konsumenten- und sonstige Kredite an private Haushalte. Die befragten Banken strafften per saldo die Richtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) in allen drei Segmenten. Der Nettoanteil von Banken, die ihre Anforderungen restriktiver gestalteten, lag für Unternehmenskredite bei +⁠ 10 % (nach +⁠ 16 % im Vorquartal), bei privaten Wohnungsbaukrediten bei +⁠ 7 % (nach +⁠ 4 % im Vorquartal) und bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte bei +⁠ 11 % (nach +⁠ 11 % im Vorquartal). Im Unternehmenskreditgeschäft fiel die restriktive Anpassung etwas schwächer aus als im Vorquartal. Sie war zudem geringer als von den Banken in der Aprilrunde geplant. Die aktuelle Straffung betraf vor allem große Unternehmen. 

Die Banken begründeten die Straffungen der Richtlinien in allen Kreditsegmenten primär damit, dass das Kreditrisiko gestiegen sei. Im Unternehmensgeschäft führten die Banken den Anstieg des Kreditrisikos in erster Linie auf branchen- und firmenspezifische Faktoren sowie die gedämpfte Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten zurück. Der Konflikt im Nahen Osten hatte bei den befragten deutschen Banken bisher kaum Auswirkungen auf die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite. Auch im Vorquartal hatten die Banken nur geringe Auswirkungen gemeldet. Im Geschäft mit privaten Haushalten kam laut Bankangaben neben der gedämpften Wirtschaftslage und den verhalteneren Konjunkturaussichten auch die gesunkene Kreditwürdigkeit der privaten Haushalte zum Tragen. Für das dritte Quartal 2026 planen die Banken, die Richtlinien in allen Kreditsegmenten weitgehend unverändert zu lassen. Angesichts der Unsicherheit über die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten schließen die Banken aber zukünftige Anpassungen nicht aus.

Veränderung der Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite und ausschlaggebenden Faktoren
Veränderung der Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite und ausschlaggebenden Faktoren

Die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) strafften die Banken im Unternehmensgeschäft und bei privaten Wohnungsbaukrediten per saldo. Die restriktiven Anpassungen waren laut Angaben der Banken das Ergebnis gestiegener Kreditzinssätze und ausgeweiteter Margen für risikoreichere Kredite. Bei den Unternehmenskrediten strafften die Banken zudem die Zusatz- und Nebenvereinbarungen, sogenannte Covenants. Die Banken begründeten die Anpassungen in erster Linie mit einem gestiegenen Kreditrisiko sowie – bei den Wohnungsbaukrediten – mit höheren Refinanzierungskosten und ihrer gesunkenen Risikotoleranz. Im Geschäft mit Unternehmen wirkte der Wettbewerb mit anderen Banken für sich genommen expansiv. Bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte blieben die Kreditbedingungen unterm Strich unverändert.

Nach Einschätzung der befragten Banken stieg die Nachfrage nach Bankkrediten in Deutschland im zweiten Quartal 2026 im Firmenkundengeschäft an, während private Haushalte weniger Bankkredite nachfragten als im Vorquartal. Bei den Unternehmenskrediten setzte sich damit die Belebung der Nachfrage fort, die in der ersten Jahreshälfte 2024 begonnen hatte. Nach der Abschwächung der Dynamik in den beiden Vorquartalen nahm die Nachfrage wieder etwas stärker zu. Der Nachfrageanstieg vonseiten der Unternehmen übertraf zudem die Erwartungen der Banken aus der vorangegangenen Umfragerunde. Die gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten ging allein auf große Unternehmen zurück. Kleine und mittlere Unternehmen fragten dagegen etwas weniger Kredite nach. Die Zunahme des Mittelbedarfs betraf zudem nur langfristige Kredite. Die Banken begründeten den Nachfrageanstieg in erster Linie mit Umfinanzierungen, Umschuldungen und Neuverhandlungen. Außerdem sei bei großen Unternehmen der Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen gestiegen. Das allgemeine Zinsniveau wirkte zum ersten Mal seit der Juliumfrage 2024 wieder nachfragedämpfend. Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnungsbaukrediten sowie nach Konsumenten- und sonstigen Krediten ging so deutlich zurück wie zuletzt vor drei Jahren. In beiden Segmenten blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen der Banken aus der letzten Befragung zurück. Den Rückgang führten die Banken vor allem auf ein gesunkenes Verbrauchervertrauen, das höhere allgemeine Zinsniveau sowie rückläufige Ausgaben für langlebige Konsumgüter zurück. Von den Aussichten auf dem Wohnimmobilienmarkt gingen zum ersten Mal seit zwei Jahren negative Impulse auf die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten aus. Die Kreditablehnungsquote stieg bei Unternehmenskrediten erneut an. Auch bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten nahm die Ablehnungsquote zu, während sie bei privaten Wohnungsbaukrediten abermals nahezu unverändert blieb. Für das dritte Quartal 2026 gehen die Banken im Firmenkundengeschäft von einem weiteren Anstieg der Nachfrage aus. Im Geschäft mit privaten Haushalten rechnen sie dagegen mit einem erneuten Rückgang des Mittelbedarfs.

Veränderung der Nachfrage nach Unternehmenskrediten und ausschlaggebenden Faktoren
Veränderung der Nachfrage nach Unternehmenskrediten und ausschlaggebenden Faktoren

Die Juli-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken sowie zu den Auswirkungen notleidender Kredite (Non-performing Loans, NPLs) und anderer Indikatoren der Kreditqualität auf die Kreditvergabepolitik der Institute. Zudem war eine Frage zur Kreditangebotspolitik und zur Kreditnachfrage in den wichtigsten Wirtschaftssektoren enthalten. Ferner wurde nach den Auswirkungen klimabedingter Risiken und der Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels auf die Kreditvergabe der Banken gefragt, d. h. nach den Auswirkungen auf die Kreditrichtlinien und die Kreditnachfrage bei Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß, Unternehmen im Übergangsprozess und „grünen“ Unternehmen. Zudem wurden die Auswirkungen klimabezogener Faktoren im Zusammenhang mit privaten Wohnungsbaukrediten betrachtet, unterschieden nach Gebäuden mit niedriger sowie guter oder hoher Energieeffizienz.

Die deutschen Banken berichteten vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten von insgesamt etwas verschlechterten Refinanzierungsbedingungen. Insbesondere der Zugang zu kurzfristigen Kundeneinlagen und die Refinanzierung über Schuldverschreibungen verschlechtere sich.

Die NPL‑Quote (prozentualer Anteil des Brutto-NPL‑Bestands am Bruttobuchwert der Kredite) und andere Indikatoren der Kreditqualität trugen im zweiten Quartal 2026 in keinem der drei Kreditsegmente nennenswert zur Straffung der Kreditrichtlinien bei. In den letzten Umfragerunden hatten die Banken insbesondere für Unternehmenskredite noch von restriktiven Effekten berichtet. 

Die Kreditrichtlinien im Unternehmensgeschäft wurden in den vergangenen sechs Monaten gegenüber dem Immobiliensektor, dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel am stärksten gestrafft. Im Verarbeitenden Gewerbe fiel die Straffung gegenüber dem Kfz-produzierenden Gewerbe und dem energieintensiven Verarbeitenden Gewerbe besonders deutlich aus. Restriktive Anpassungen gab es jedoch auch in allen übrigen erfragten Sektoren. Für die kommenden sechs Monate planen die Banken, ihre Kreditrichtlinien gegenüber dem Gewerbeimmobiliensektor, dem Kfz-produzierenden Gewerbe und dem energieintensiven Verarbeitenden Gewerbe erneut restriktiv anzupassen. 

Die Kreditnachfrage der Unternehmen entwickelte sich in den vergangenen sechs Monaten nach Einschätzung der Banken in nahezu allen wichtigen Wirtschaftssektoren rückläufig oder blieb unverändert. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Kfz-produzierenden Gewerbe und im Wohnimmobiliensektor aus. Nachfrageeinbußen verzeichneten zudem das Verarbeitende Gewerbe (einschließlich des energieintensiven Verarbeitenden Gewerbes) und das Baugewerbe (ohne Immobilien). Im Dienstleistungssektor und im Handel blieb die Nachfrage unverändert. Im Gewerbeimmobiliensektor nahm die Nachfrage dagegen geringfügig zu. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Banken in den meisten wichtigen Wirtschaftssektoren kaum Veränderungen der Kreditnachfrage. Lediglich im Baugewerbe sowie im Gewerbe- und Wohnimmobiliensektor rechnen sie mit einer Belebung der Nachfrage.

Klimabedingte Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels wirkten sich in den vergangenen zwölf Monaten besonders restriktiv auf die Richtlinien für Kredite an Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß aus. In etwas geringerem Maß war ein restriktiver Einfluss des Klimawandels auch bei den Richtlinien für Kredite an Unternehmen im Übergangsprozess zu beobachten. Auf Kredite an „grüne“ Unternehmen hatte der Klimawandel dagegen keinen Einfluss. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Banken mit einem lockernden Einfluss des Klimawandels auf ihre Kreditrichtlinien für „grüne“ Unternehmen. Bei ihren Kreditrichtlinien für die übrigen Unternehmen gehen sie von weiteren restriktiven Auswirkungen des Klimawandels aus. Gleichzeitig stimulierten die Auswirkungen des Klimawandels für sich genommen die Kreditnachfrage vonseiten der Unternehmen im Übergangsprozess sowie der Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß. Die Kreditnachfrage von „grünen“ Unternehmen wurde von Klimawandel und Klimapolitik dagegen nicht beeinflusst. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Banken unabhängig von der Klassifikation der Unternehmen mit nachfragetreibenden Effekten im Zusammenhang mit dem Thema Klimawandel.

In der privaten Baufinanzierung wurden die Richtlinien für Kredite gestrafft, die für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz aufgenommen wurden und kaum zu Effizienzverbesserungen führen. Bei Krediten für Gebäude mit aktuell oder angestrebter hoher Energieeffizienz hatten klimabezogene Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels dagegen geringfügig expansive Effekte auf die Kreditrichtlinien. Für die kommenden zwölf Monate planen die Banken eine deutlich stärkere Differenzierung bei der Anpassung der Richtlinien. Klimawandel und Klimapolitik stimulierten für sich genommen die Nachfrage nach Krediten für Gebäude mit aktuell oder angestrebter hoher Energieeffizienz. Die Nachfrage nach Krediten für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz wurde dagegen durch klimabezogene Faktoren negativ beeinflusst. Auch für die kommenden zwölf Monate rechnen die Banken mit einer steigenden Kreditnachfrage für Gebäude mit hoher Energieeffizienz und einer rückläufigen Kreditnachfrage für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz. 

Die viermal im Jahr durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand in der Zeit vom 15. bis 30. Juni 2026 statt. An der Umfrage nahmen in Deutschland 33 Banken teil. Die Rücklaufquote lag bei 100 Prozent. 

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