Stuttgart (23.6.26) – Auf dem europäische Neuwagenmarkt bleibt der Aufwärtstrend intakt: Die Neuzulassungen in der EU stiegen im Mai um drei Prozent, im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz damit vier Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Zudem war der vergangene Monat der absatzstärkste Mai seit dem vor-Corona-Jahr 2019. Allerdings bleibt der Abstand zum Vor-Pandemie-Niveau groß: Im Juni 2019 wurden in der EU 22 Prozent mehr Neuwagen zugelassen als im aktuellen Jahr. In absoluten Zahlen entspricht dies mehr als 260.000 Neuwagen.
Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, sieht noch keine positive Trendwende auf dem EU-Neuwagenmarkt: „Wir haben bei den Neuzulassungen seit 2023 ein Plateau erreicht – mit leichten Schwankungen nach oben oder unten. Nach wie vor liegt der Absatz in Europa erheblich niedriger als vor der Pandemie. Das ist die neue Normalität, mit der die Autoindustrie umgehen muss.“
Gall führt die anhaltende Absatzschwäche in Europa auf mehrere Faktoren zurück: „Die anhaltende Konjunkturschwäche, Arbeitsplatzsorgen, hohe Neuwagenpreise, der Wegfall des Kleinwagensegments und eine allgemeine Verunsicherung über die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung führen zu Kaufzurückhaltung bei privaten und gewerblichen Käufern.“
Das aktuelle leichte Marktwachstum sei zudem ausschließlich auf den stark wachsenden Absatz von Elektroautos zurückzuführen – und der sei teuer erkauft, betont Gall: „Allein die stark steigenden Verkaufszahlen von Elektroautos treiben den Neuwagenmarkt an – die übrigen Antriebsformen liegen weit unter dem Vorjahresniveau. Das Plus bei Elektroautos ist zwar grundsätzlich erfreulich – allerdings sind es in erster Linie staatliche Subventionen, die für die steigenden Absatzzahlen verantwortlich sind. Aktuell sorgt also der Staat für Wachstum auf dem Neuwagenmarkt.“
Im Mai stieg der Absatz von Elektroautos EU-weit um 43 Prozent, der Gesamtmarkt wuchs nur um drei Prozent – rechnet man Elektroautos und die ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride heraus, schrumpften die Neuzulassungen EU-weit um sechs Prozent. Gall sieht die zunehmende Abhängigkeit des Neuwagenmarkts von staatlichen Förderungen kritisch: „Früher oder später muss der Markt auf eigenen Beinen stehen, dann muss Elektromobilität auch ohne Subventionen funktionieren – aber so weit sind wir noch lange nicht.“
Während Elektroautos (plus 43 Prozent) und Plug-in-Hybride (plus 12 Prozent) im Mai kräftig zulegten, schrumpfte der Absatz von Diesel-Pkw um 19 Prozent, bei Benzinern lag das Minus sogar bei 20 Prozent.
Chinesische Marken gewinnen weiter kräftig Marktanteile
Im bisherigen Jahresverlauf sank der EU-Marktanteil der deutschen Autokonzerne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 39,0 auf 38,3 Prozent – er schrumpfte also leicht um 0,7 Prozentpunkte. Immerhin: Alle drei deutschen Konzerne verzeichneten Absatzzuwächse, in Summe stieg ihr EU-Absatz allerdings nur um 2,1 Prozent; der Gesamtmarkt legte hingegen um 4,0 Prozent zu.
Deutlich stärker als die deutschen Konzerne wuchsen insbesondere chinesische Unternehmen und Tesla: Leapmotor (plus 531 Prozent im Jahresverlauf), Chery (plus 265 Prozent), BYD (plus 159 Prozent), Tesla (plus 77 Prozent), SAIC (plus 12 Prozent).
In Summe legten die chinesischen Hersteller (Geely, SAIC, BYD, Chery und Leapmotor) um 57 Prozent zu, ihr Marktanteil stieg insgesamt von 6,0 auf 9,0 Prozent. Jeder elfte im aktuellen Jahr in der EU neu zugelassene Pkw war damit ein chinesisches Fabrikat.
„Die chinesischen Autobauer erobern langsam, aber sicher Marktanteile in Europa – gerade in den südeuropäischen Ländern sind kostengünstige chinesische Modelle echte Bestseller. Die chinesischen Hersteller sind im niedrigeren Preissegment stärker vertreten als die europäischen, sie profitieren somit auch überdurchschnittlich stark von den Elektro-Fördermaßnahmen. Auch die immer intensiveren Vertriebskooperationen zwischen europäischen Herstellern und Händlergruppen einerseits und chinesischen Marken andererseits erleichtert den chinesischen Autobauern den Zugang zum europäischen Markt – weiter steigende Absatzzahlen chinesischer Marken in Europa dürften die Folge sein.“
Deutliche Marktanteilsverluste mussten im bisherigen Jahresverlauf in erster Linie Renault (minus 1,1 Prozentpunkte), Ford (minus 0,7 Prozentpunkte), Hyundai und Toyota (minus 0,5 bzw. 0,4 Prozentpunkte) hinnehmen.
Elektroautos: Große Unterschiede innerhalb Europas
In immerhin elf der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil im Mai unter zehn Prozent, in gerade einmal sieben EU-Ländern waren im Mai mehr als 30 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos.
Während im Norden Europas Elektroautos inzwischen hohe Marktanteile erreichen, kommen im Osten und Südosten nach wie vor nur sehr wenige Elektroautos neu auf die Straße: In Skandinavien (einschließlich des nicht-EU-Landes Norwegen) stieg der BEV-Marktanteil im Mai von 56 auf 66 Prozent. In Osteuropa verharrte er hingegen bei sechs Prozent.
Top-Elektroautos in Westeuropa* im Mai 2026
| Tesla Model Y | 13.778 |
| Tesla Model 3 | 7.739 |
| Skoda Elroq | 7.425 |
| Skoda Enyaq | 5.954 |
| VW ID.3 | 5.651 |
| Leapmotor T03 | 5.547 |
*Zahl der Neuzulassungen basierend auf Zahlen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien
Plug-in-Hybride legen zu
Weniger stark als bei Elektroautos kletterten die Neuzulassungen bei Plug-in-Hybriden, die EU-weit im Mai um 12 Prozent zulegten – der Marktanteil stieg von 9,5 auf 10,3 Prozent. Die höchsten Marktanteile erzielten Plug-in-Hybride im Mai in Schweden und den Niederlanden (26 bzw. 23 Prozent). Der kombinierte Marktanteil beider elektrischen Antriebsarten (BEV und PHEV) war in Dänemark (79 Prozent) und Schweden (67 Prozent) am höchsten unter allen EU-Ländern.