ifo Institut: Nahost-Krieg wird Wachstum bremsen

München (12.3.26) – Das ifo Institut hat seine Wachstumsprognose angesichts des Nahostkriegs nach unten korrigiert. Ein kurzfristiger Energiepreisanstieg würde das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gegenüber Vorkriegs-Schätzungen um rund 0,2 Prozentpunkte verlangsamen, so dass das Institut mit einem Wachstum von 0,8 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im nächsten Jahr rechnet. „Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken. Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren Zeitraum stark erhöht auf dem heutigen Niveau bleiben, könnte die Inflation in der Spitze bis auf knapp 3 Prozent steigen. Dies würde das Wachstum um weitere 0,2 Prozentpunkte auf nur noch 0,6 Prozent in diesem Jahr und um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent im kommenden Jahr bremsen“, sagt ifo Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Die deutsche Wirtschaft hatte laut ifo Institut Ende 2025 einen Erholungskurs eingeschlagen. Darauf deute nicht nur der kräftige Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts und die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung hin, sondern auch die spürbar verbesserte Auftragslage im Baugewerbe und in der Industrie. „Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen, insbesondere weil staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung ausgeweitet und zunehmend nachfragewirksam werden“, so Wollmershäuser.

Die Erholung sei für Deutschland jedoch untypisch, sagen die ifo Konjunkturexperten. Denn sie sei nicht durch das Exportgeschäft getragen. Im Gegenteil seien die Warenausfuhren weiter gesunken, obwohl die Wirtschaftsleistung auf den deutschen Absatzmärkten erneut zugenommen hat. Die Erholung wurde vielmehr durch inländische Impulse eingeleitet, die im Zusammenhang mit der zunehmend expansiven Ausrichtung der Fiskalpolitik stehen. So legten im vierten Quartal 2025 vor allem die staatlichen Ausrüstungsinvestitionen sowie die öffentlichen Konsumausgaben kräftig zu.

Am Arbeitsmarkt kommt die konjunkturelle Erholung mit etwas Verzögerung an. In allen Szenarien liegt die Arbeitslosenquote 2027 niedriger als 2026. „Wann hier die Trendwende kommt, hängt wiederum von der Länge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost und den damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten ab“, sagt Wollmershäuser. Auch die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr noch einmal sinken und erst im kommenden Jahr im Zuge der Erholung zunehmen.

Eckdaten der Prognose für Deutschland

  DeeskalationEskalationVorkrieg
 20242025202620272026202720262027
Bruttoinlandsprodukt (Veränderung ggü. Vorjahr in %)-0,50,20,81,20,60,81,01,2
Erwerbstätige (1 000 Personen)45 98745 98245 91646 10345 87245 96045 95346 112
Arbeitslose (1 000 Personen)2 7872 9482 9792 7783 0092 8772 9372 747
Arbeitslosenquote BA (in %)6,06,36,35,96,46,16,35,9
Verbraucherpreise (Veränderung ggü. Vorjahr in %)
– Gesamtinflationsrate2,22,22,22,32,52,52,02,2
– Kerninflationsrate2,92,62,12,42,22,52,12,4
Finanzierungssaldo des Staates
– in Mrd. EUR-115,3-119,1-174,0-188,9-180,0-203,8-168,6-181,8
– in % des Bruttoinlandsprodukts-2,7-2,7-3,8-4,0-3,9-4,3-3,6-3,8

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank; 2026 und 2027: Prognose des ifo Instituts.

© ifo Institut März 2026

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