Stuttgart (24.3.26) – Der europäische Neuwagenmarkt schwächelt weiter: Zwar stiegen die Neuzulassungen in der EU im Februar um 1,4 Prozent, im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz aber weiterhin – um 1,2 Prozent – unter dem Vorjahresniveau und damit sogar 19 Prozent unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019. Laut Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, haben sich die Aussichten für den Neuwagenmarkt zuletzt sogar weiter verschlechtert: „Die Rahmenbedingungen sind sehr ungünstig: Eine schwache Konjunktur, eine massive Zuspitzung geopolitischer Konflikte, stark steigende Energiepreise, die zu einer insgesamt steigenden Inflation führen werden: All das wird dazu führen, dass Unternehmen und Privatleute bei größeren Anschaffungen vorsichtig bleiben. Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten und Risiken werden die Krise der europäischen Autoindustrie noch verschärfen.“
Für die europäischen Autokonzerne stellen zudem die neuen Wettbewerber aus China ein immer größeres Problem dar, so Gall: „Chinesische Autokonzerne gewinne vor allem im Süden Europas, wo kleinere und preisgünstigere Modelle den Markt beherrschen, immer weiter an Bedeutung und kommen dort inzwischen auf beachtliche Marktanteile. Das wird vor allem für die westlichen Hersteller zur Herausforderung, die sich stark auf dieses Segment fokussiert haben.“
Gebremste Wachstumsdynamik bei Elektroautos
Die Neuzulassungen von Elektroautos stiegen im Februar EU-weit um 21 Prozent, nach einem Wachstum um 24 Prozent im Januar. Der Marktanteil stieg von 15,9 auf 18,3 Prozent. Allerdings lag der Elektro-Marktanteil im vierten Quartal des Vorjahres noch deutlich über der 20-Prozent-Marke, im Dezember bei 22,6 Prozent. Im Dezember hatten die Elektro-Neuzulassungen zudem noch um 51 Prozent zugelegt – die Wachstumsrate hat sich seitdem also mehr als halbiert.
Gall bezeichnet das aktuell schwache Wachstum bei Elektroautos als enttäuschend, aber nicht überraschend: „Die EU-Länder fördern die Elektromobilität mit sehr viel Geld – sei es durch Kaufprämien oder durch steuerliche Vergünstigungen. Und auch die Autokonzerne stecken Milliarden in die Entwicklung neuer, immer leistungsstärkerer Modelle und verdienen gleichzeitig an diesen Modellen zumeist deutlich weniger als an vergleichbaren Verbrennern. Trotzdem kommt der Hochlauf der E-Mobilität nur sehr langsam voran, weil die große Mehrheit der Autokäufer sich weiterhin für Verbrenner entscheidet. Die Gründe sind bekannt: Hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweite bei kleineren und preisgünstigen Modellen, unzureichende öffentliche Ladeinfrastruktur mit teils hohen Ladekosten. Für viele Menschen passt ein Elektroauto nach wie vor nicht in ihren Alltag und zu ihrer individuellen Lebenssituation.“
Gall rechnet nicht damit, dass der aktuelle Anstieg der Kraftstoffpreise zu einem deutlichen Schub bei den Neuzulassungen von Elektroautos führen wird: „Das Interesse an Elektroautos steigt angesichts der hohen Preise an den Zapfsäulen zwar – aber ein Autokauf ist eine langfristige Investition, über die Menschen lang nachdenken und die nicht ad hoc entschieden wird. Die hohen Energiepreise und eine insgesamt steigende Inflation werden eher dazu führen, dass noch mehr Menschen den Autokauf vertagen, als dass sich plötzlich alle für Elektroautos entscheiden.“
Große Unterschiede innerhalb Europas: In immerhin 13 der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil unter zehn Prozent, in gerade einmal vier EU-Ländern waren im Februar mehr als 30 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos. Während im Norden Europas Elektroautos inzwischen recht hohe Marktanteile erreichen, kommen im Osten und Südosten nur sehr wenige Elektroautos neu auf die Straße: In Skandinavien (einschließlich des nicht-EU-Landes Norwegen) stieg der BEV-Marktanteil im Februar von 55 auf 61 Prozent. In Osteuropa legte er hingegen nur von fünf auf sechs Prozent zu.
Prognose für 2026: Für das laufende Jahr rechnet Gall mit einem Wachstum der Elektro-Neuzulassungen in der EU von etwa 30 Prozent und einem Marktanteil im Gesamtjahr von knapp 23 Prozent. Dazu dürften zum einen neue Subventionen – etwa die Kaufprämie in Deutschland – beitragen, aber auch neue, attraktive Modelle, so Gall: „Gerade die deutschen Konzerne zeigen aktuell mit einer Vielzahl neuer Elektroautos, was inzwischen technologisch machbar ist. Und sie müssen sich dabei auch vor den chinesischen Wettbewerbern keineswegs verstecken. Im höheren Preissegment und vor allem bei Dienstwagen werden diese neuen Modelle zu steigenden Elektro-Neuzulassungen führen.“
Neuzulassungen von E-Autos in der EU und Marktanteile (jeweils Februar)
Top-Elektroautos in Westeuropa* im Februar 2026
| Tesla Model Y | 8.404 |
| Skoda Elroq | 7.028 |
| Leapmotor T03 | 5.575 |
| VW ID.4/5 | 5.184 |
| Skoda Enyaq | 4.768 |
*Zahl der Neuzulassungen basierend auf Zahlen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien
Allerdings gibt es innerhalb Europas erhebliche Unterschiede bei den Elektro-Bestsellern, wie die folgenden Übersichten zeigen. Dargestellt sich die drei meistverkauften Elektroautos im Februar in den Top-5-Märkten (nach Zahl der neu zugelassenen Elektroautos). Für Belgien und Großbritannien liegen keine Zahlen zu einzelnen Modellen vor. In allen fünf Märkten führt ein anderes Modell die Statistik an, der Skoda Elroq, das Tesla Model Y, der Citroen C3 sowie der BYD Dolphin Surf liegen in drei Märkten in den Top 3. Alle anderen Modelle unterscheiden sich von Land zu Land.
Die Top-3-Elektro-Bestseller in den Top-5-Märkten Westeuropas (Februar)
| Deutschland | Frankreich | Italien | |||||
| Skoda Elroq | 3.406 | Tesla Model Y | 3.034 | Leapmotor T03 | 4.778 | ||
| VW ID.3 | 2.455 | Renault R5 | 2.639 | BYD Dolphin Surf | 699 | ||
| Skoda Enyaq | 2.308 | Citroen e-C3 | 1.337 | Citroen e-C3 | 627 | ||
| Dänemark | Spanien | ||||||
| Toyota BZ4X | 1.364 | Tesla Model 3 | 1.169 | ||||
| Skoda Elroq | 681 | BYD Dolphin Surf | 435 | ||||
| VW ID.4/5 | 625 | Tesla Model Y | 419 |