DIW: Energiewende kommt voran – aber noch zu langsam

Berlin (11.2.26) – Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland hat zuletzt an Dynamik gewonnen, reicht aber weiterhin nicht aus, um die gesetzlich festgelegten Ausbauziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Das zeigt der aktuelle Energiewende-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der die Entwicklung zentraler Schlüsseltechnologien im zweiten Halbjahr 2025 analysiert. Während die Photovoltaik, die Windkraft an Land sowie Stromspeicher zuletzt deutlich zulegen konnten, kommt die Nutzung von erneuerbarem Strom in den Bereichen Wärme und Verkehr weiterhin zu langsam voran. „Bei der Energiewende sehen wir derzeit Fortschritte in vielen Bereichen, aber insgesamt noch nicht das Tempo, das für Klimaschutz und Energiesouveränität wünschenswert wäre“, sagt Studienautor Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs „Transformation der Energiewirtschaft“ im DIW Berlin.

Die Infografik zeigt zentrale Kennzahlen der deutschen Energiewende im zweiten Halbjahr 2025. Oben steht der Titel: „DIW Energiewende‑Monitor: Ausbau Erneuerbarer braucht noch mehr Tempo, größere Anstrengungen bei der Elektromobilität nötig, gewisse Fortschritte bei Batteriespeichern.“ Links befindet sich ein grün umrahmter Abschnitt mit der Ausbauschnelligkeit erneuerbarer Stromquellen in Prozent des für die 2030‑Ziele nötigen Tempos: Photovoltaik 88, Windkraft an Land 81 und Windkraft auf See 22, jeweils dargestellt mit halbkreisförmigen Tachometern von Rot nach Grün. In der Mitte zeigt ein blau umrahmter Bereich die Marktanteile von Elektrofahrzeugen an den Neuzulassungen im zweiten Halbjahr 2025: Elektro‑Pkw 20,4 %, Elektro‑Lkw 10,9 % und Elektro‑Sattelzüge 4,5 %, jeweils mit passenden Fahrzeugsymbolen. Rechts zeigt ein orange umrahmter Abschnitt den Zubau von Großbatteriespeichern 2025 in Megawattstunden: 711 MWh im ersten Halbjahr und 828 MWh im zweiten Halbjahr, dargestellt durch zwei Batteriesymbole mit einem Pfeil für das Wachstum. Am unteren Rand stehen das Branding „DIW Wochenbericht 7 2026“, das DIW‑Berlin‑Logo sowie eine Quellenangabe mit Datenhinweisen und Creative‑Commons‑Lizenz.

Grafik: © DIW Berlin

Bei der installierten Leistung liegt Deutschland von den Zielen für 2030 noch ein gutes Stück entfernt. Bei der Photovoltaik war Ende 2025 gut die Hälfte (117 von 215 Gigawatt) der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für das Jahr 2030 vorgesehenen Leistung erreicht, bei der Windkraft an Land mit fast 60 Prozent noch etwas mehr. Deutlich größer ist der Rückstand bei der Offshore-Windenergie. Beim aktuellen Ausbautempo kommt die Photovoltaik dem für das Erreichen des 2030er Ziels nötigen Tempo mit 88 Prozent am nächsten, auch die Windkraft an Land hat zuletzt spürbar aufgeholt.

Sektorenkopplung bleibt Baustelle

Fortschritte gibt es auch bei der Kopplung mit den Sektoren Wärme und Verkehr: Im Heizungsmarkt erreichten Wärmepumpen im zweiten Halbjahr 2025 mit 48 Prozent einen Rekordanteil an den Neuinstallationen. Bei den Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen zeigt sich sowohl bei Pkw als auch bei Lkw ein Aufwärtstrend. Dennoch bleiben die Marktanteile vergleichsweise niedrig: Im vergangenen Halbjahr hatte nur etwa jedes fünfte neu zugelassene Auto in Deutschland einen reinen Elektroantrieb. „Mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität 2045 brauchen wir insbesondere bei Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen eine deutlich stärkere Beschleunigung“, betont Schill.

„Wenn der Ausbau der Erneuerbaren gebremst wird, droht ein unguter Kreislauf“ Wolf-Peter Schill

Bei der Flexibilität im Stromsystem gab es derweil leichte Fortschritte. Die Zahl der Stunden mit negativen Großhandelspreisen ist im zweiten Halbjahr 2025 deutlich zurückgegangen – ein Hinweis darauf, dass Angebot und Nachfrage besser zusammengefunden haben. Zugleich wächst der Zubau großer Batteriespeicher. Dennoch bleibt die weitere Steigerung von Flexibilität im Energiesystem eine Herausforderung.

Günstige Rahmenbedingungen sollten konsequent genutzt werden

Nach Einschätzung von Studienautor Schill sind die Voraussetzungen für eine Beschleunigung der Energiewende derzeit so gut wie noch nie. Technologische Fortschritte, gesunkene Kosten und verbesserte Genehmigungsverfahren sprächen dafür, den eingeschlagenen Kurs zu forcieren. Gleichzeitig sende die aktuelle Bundesregierung bislang gemischte Signale. „Wenn der Ausbau der Erneuerbaren gebremst wird, droht ein unguter Kreislauf“, warnt Schill. „Auch wenn die Stromnachfrage derzeit unter anderem wegen des geringen Wachstums der Zahl von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen langsamer steigt als erwartet: Der Strom wird später fehlen, wenn die Erneuerbaren jetzt nicht kräftig ausgebaut werden.“

Eine beschleunigte Energiewende sei nicht nur klimapolitisch geboten, sondern könne auch industrie- und geopolitisch sinnvoll sein, sagt Schill. Der Ersatz von Öl und Gas durch erneuerbaren Strom, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen verringere die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten deutlich. „Die Politik sollte die günstigen Rahmenbedingungen nutzen und sowohl den Ausbau der erneuerbaren Energien als auch die Sektorenkopplung gemeinsam kraftvoll vorantreiben – statt auf die Bremse zu treten“, so Schill.

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