DIW: Elektromobilität in Deutschland kommt langsam in Fahrt – Technologieklarheit könnte für mehr Tempo sorgen

Grafik: DIW

Berlin (4.2.26) – Nach einem deutlichen Einbruch im Jahr 2024 werden in Deutschland wieder mehr Elektro-Pkw zugelassen. Dennoch entwickelt sich die Elektromobilität im mehrjährigen Trend nur schleppend. Neue Elektro-Pkw werden größer und stammen überwiegend von europäischen Herstellern. Die Schnellladeinfrastruktur ist schneller gewachsen als die Fahrzeugflotte und dürfte meist keinen Engpass mehr darstellen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) basierend auf der Datenplattform Open Energy Tracker, die Fortschritte bei der Energiewende abbildet. „Die Zukunft des Straßenverkehrs ist batterieelektrisch“, so Studienautor Wolf-Peter Schill aus der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin. „Insgesamt kommt der Umbau der Fahrzeugflotte aber zu langsam voran.“

“……..So setzt auch die vorgeschlagene Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus das falsche Signal.“


In Deutschland fahren derzeit rund zwei Millionen reine Elektroautos – das entspricht etwa vier Prozent der Gesamtflotte. Fast jedes fünfte neu zugelassene Auto hatte 2025 einen batterieelektrischen Antrieb. Der Anteil lag damit deutlich über dem Vorjahr, als der abrupte Stopp der Elektroauto-Prämie die Nachfrage einbrechen ließ, aber nur leicht über den Jahren 2022 und 2023. Plug-in-Hybride verzeichneten ebenfalls ein Comeback: Ihr Anteil an den Neuzulassungen stieg im vergangenen Jahr auf gut zehn Prozent. Die elektrischen Fahranteile bei Autos mit Stecker und Verbrennungsmotor sind jedoch empirischen Studien zufolge gering – und damit auch ihr Beitrag zum Klimaschutz. Neue Elektroautos werden zunehmend in höheren Fahrzeugsegmenten zugelassen: Inzwischen entfällt etwa die Hälfte auf SUVs und Geländewagen, mehr als zehn Prozent gehören zur Ober- oder oberen Mittelklasse. Diese Anteile liegen über dem Durchschnitt aller neu zugelassenen Pkw. Zudem stammen etwa vier von fünf der neu zugelassenen Elektroautos aus europäischer Produktion, mehr als die Hälfte davon von deutschen Herstellern. Auffällig ist der deutliche Rückgang der Marktanteile nordamerikanischer Anbieter, was im Wesentlichen Tesla betrifft, während chinesische Hersteller von niedrigem Niveau aus zulegen.
Dynamik bei Sattelzügen und Bussen – Ladeinfrastruktur wächst deutlich
Die Umstellung auf elektrische Antriebe kommt auch bei Nutzfahrzeugen spürbar voran. Selbst bei den besonders schweren Sattelzugmaschinen, die lange als nur schwer elektrifizierbar galten, ist der Neuzulassungsanteil im Jahr 2025 auf immerhin rund drei Prozent gewachsen, mit noch höheren monatlichen Anteilen am Jahresende. Busse haben einen Neuzulassungsanteil von etwa einem Viertel und damit den höchsten von allen Fahrzeugklassen. In der Gesamtflotte ist bereits jeder zwanzigste Bus vollelektrisch unterwegs. Während die Ladeinfrastruktur lange als Engpass für die Antriebswende galt, zeigen die Daten zum Verhältnis von Elektroautos und Ladepunkten, dass die Ladeinfrastruktur den Hochlauf der Elektromobilität mittlerweile kaum mehr bremsen dürfte. Vor allem das Netz an Schnellladern wuchs deutlich. Während sich 2022 rechnerisch noch fast 70 Elektroautos einen Schnellladepunkt teilten, sind es heute nur noch 44. Gleichzeitig wuchs die durchschnittlich installierte Ladeleistung pro Elektro-Pkw. Bundesweit stehen inzwischen knapp 190.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung – etwa ein Viertel davon sind Schnelllader.
Unklare politische Signale bremsen Hochlauf der Elektromobilität
Um die Elektromobilität zu beschleunigen, muss die Politik nach Ansicht von Studienautor Schill Batteriefahrzeuge klar priorisieren und entsprechende Rahmenbedingungen für den Hochlauf schaffen. „Im Straßenverkehr sollte sich die Politik vom Ideal der Technologieoffenheit verabschieden und endlich Technologieklarheit schaffen“, empfiehlt Schill. „Solange sie signalisiert, alle Antriebsoptionen offenhalten zu wollen, verzögert das Investitionen und Kaufentscheidungen. So setzt auch die vorgeschlagene Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus das falsche Signal.“ Fördermaßnahmen könnten der Studie zufolge den Umstieg unterstützen, sollten jedoch zielgerichtet ausgestaltet sein. Die kürzlich neu eingeführte Elektroauto-Prämie oder Steuervorteile für gewerblich genutzte Elektro-Pkw könnten kurzfristig Impulse setzen, sollten aber mit einer klaren politischen Priorisierung batterieelektrischer Fahrzeuge einhergehen.  

 

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