Commerzbank Research: Euroraum-PMIs – Irankrieg hinterlässt erste Spuren

Autor Dr. Vincent Stamer, Senior Economist

Der kombinierte Einkaufsmanagerindex für die Industrie und den Dienstleistungssektor im Euroraum ist im März von 51,9 auf 50,5 Punkte gefallen. Der Irankrieg hinterlässt offenbar erste Spuren: Während die Erwartungen im Euroraum spürbar sinken, steigen die Inputpreise. Die Unsicherheit trifft insbesondere den Dienstleistungssektor, wobei allerdings der Anstieg des Index für das verarbeitende Gewerbe alleine auf einen Sondereffekt zurückzuführen ist. Trotz des deutlichen Rückgangs im März befindet sich der Einkaufsmanagerindex insgesamt weiter in dem Bereich, in dem die Wirtschaft im Euroraum in der Vergangenheit zumindest leicht gewachsen ist.

Der kombinierte Einkaufsmanagerindex im Euroraum ist im März auf 50,5 Punkte gesunken, nach 51,9 Punkten im Februar. Die vorab befragten Ökonomen hatten einen etwas geringeren Rückgang erwartet (Konsensus: 51,0). Damit sinkt der Konjunkturindikator in der Tendenz seit November, befindet sich aber weiter in dem Bereich, in dem die Wirtschaft des Euroraums in der Vergangenheit zumeist moderat gewachsen ist (Chart 1).

Dabei hat sich insbesondere die Stimmung im Dienstleistungssektor verschlechtert (50,1 nach 51,9), während der Index für das verarbeitende Gewerbe sogar leicht von 50,8 auf 51,4 zugelegt hat. Allerdings dürfte der Wert für das verarbeitende Gewerbe durch längere Lieferzeiten der Zulieferer nach oben verzerrt sein. In “normalen” Zeiten sind solche längere Lieferzeiten konjunkturell bedingt. Sie signalisieren eine hohe Nachfrage bei den Zulieferern, sind also ein positives Signal für die Konjunktur und gehen deshalb positiv in den Index ein. Derzeit dürften die längeren Lieferzeiten – ähnlich wie während der Corona-Pandemie – allerdings eher durch Beeinträchtigungen der Lieferketten durch den Irankrieg verursacht werden. Die Lieferzeiten sind also eher ein negatives Signal. Die Subindizes für die Produktion und die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sind leicht gefallen. Daher deuten die heutigen Werte eher auf eine etwas schlechtere Lage im verarbeitenden Gewerbe – trotz eines leicht höheren Indikators.

Chart 1 – Euroraum-Einkaufsmanagerindex sinkt
Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich, saisonbereinigte Monatswerte
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Quelle: S&P Global, Commerzbank-Research

Der Irankrieg schlägt stark auf die Erwartungen

Sollte der Irankrieg in den kommenden Wochen nicht enden oder sogar weiter eskalieren, dürfte die Wirtschaft einen noch stärkeren Schaden nehmen. Denn die steigenden Preise für Energieträger wie Benzin lassen die Kaufkraft der Konsumenten und Unternhemen fallen, die wiederum weniger Waren oder Dienstleistungen nachfragen. Bereits im März ist der aktuelle Umsatz (“Produktion”) im Dienstleistungssektor des Euroraums gesunken. Deutlich stärker hingegen sind die Erwartungen für die Zukunft gefallen (Chart 2). Sollte der Irankrieg also weitergehen, dürfte sich die Lage noch weiter verschärfen.

Chart 2 – Unsicherheit schädigt den Dienstleistungsbereich
Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich im Euroraum, saisonbereinigte Monatswerte
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Quelle: S&P Global, Commerzbank-Research

Teure Energie lässt Inputpreise nach oben springen

Darüberhinaus belasten die gestiegenen Energiepreise bereits jetzt die Unternehmen. Die Inputpreise für Unternehmen, die neben Energiepreisen auch die Preise für Vorleistungen und Löhne für Arbeitskräfte umfassen, sind im März stark gestiegen. Der entsprechende Index hat in der Industrie mit einem Wert von 68,6 den höchsten Wert seit dem Herbst 2022 erreicht. Zwar war er in den Jahren 2021 und 2022 in der Spitze noch deutlich höher. Allerdings zeigen die Einfkaufsmanagerindizes im März, dass ein längerer Krieg mit dem Iran das Potenzial hat, die Inflation deutlich anzufachen.

Chart 3 – Inputpreise ziehen deutlich an
Einkaufsmanagerindex für Inputpreise im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich, saisonbereinigte Monatswerte
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Quelle: S&P Global, Commerzbank-Research

Schwierige Ausgangslage für die EZB

Für die Europäsische Zentralbank stellen diese Zahlen ein Dilemma dar: Während sich die Aussichten für die Realwirtschaft eintrüben, nehmen die Inflationsgefahren zu. Bei einem drei Monate andauernden Krieg ergeben unsere Berechnungen eine Inflation für das gesamte Jahr 2026 von 2,7%. Diesen Anstieg der Konsumentenpreise können die Zentralbanker zwar nicht ignorieren. Allerdings ist die Unsicherheit auch für die EZB sehr hoch, sodass diese im Zweifelsfall vorerst die Daten beobachten wird, bevor sie die Leitzinsen erhöht.

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