München (14.1.26) – Cybervorfälle sorgten 2025 für zahlreiche Schlagzeilen und sind laut dem Allianz Risk Barometer auch 2026 weltweit die größte Sorge für Unternehmen. Das vergangene Jahr war zudem ein bedeutendes Jahr für Künstliche Intelligenz (KI). Dass das Risiko auf Platz 2 im Ranking landet und den größten Sprung macht (von Platz 10 auf Platz 2) unterstreicht die Komplexität von KI als operativem und rechtlichem Risiko, aber auch als Gefahr für die Reputation von Unternehmen. Dennoch glaubt fast die Hälfte der Befragten, dass KI ihrer Branche mehr Vorteile als Risiken bringt. Ein Fünftel ist gegenteiliger Meinung. Zum ersten Mal überhaupt gehören Betriebsunterbrechungen (BU) nicht mehr zu den beiden größten Risiken, sondern fallen auf Platz 3 zurück. BU bleiben jedoch ein wichtiges Thema, da sie häufig eine Folge anderer Risiken in den globalen Top 10 sind.
Faktoren wie eine ruhigere Hurricane-Saison im Jahr 2025 führen dazu, dass Naturkatastrophen im Vergleich zum Vorjahr auf Platz 5 zurückfallen. Unterdessen klettern politische Risiken und Gewalt von Platz 9 auf Platz 7. Hintergrund ist hier vor allem die zunehmende Besorgnis über geopolitische Instabilität und Konflikte auf der ganzen Welt.
Unter den deutschen Teilnehmenden der Studie belegen erneut Cyber-Attacken und Betriebsunterbrechungen die Plätze 1 (2025: 1) und 2 (2025: 2). Neu auf dem dritten Platz sind Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung. Dies könnte ein Hinweis auf bürokratische Pflichten für Unternehmen und regulatorische Unsicherheiten sein. KI wird von den Befragten in Deutschland auf Platz 4 eingestuft und ist neu im Ranking vertreten. Politische Risiken und Gewalt rutschen gegenüber dem Vorjahr von Platz 6 auf 10. Dies ist vor dem Hintergrund zahlreicher politisch motivierter Anschläge in Deutschland, wie auf die Bahn-Infrastruktur oder zuletzt in Berlin, überraschend.
Die Zahlen geben an, wie oft ein Risiko als Prozentsatz aller Antworten für das jeweilige Land ausgewählt wurde (Deutschland: 451). Die Prozentzahlen ergeben in Summe nicht 100%, da in der Umfrage bis zu drei Risiken ausgewählt werden konnten.
Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial, kommentiert: „2025 war geprägt von Volatilität und Unsicherheit. Auch in diesem Jahr sehen sich Unternehmen mit einem sich schnell verändernden Umfeld mit verknüpften und hochkomplexen Risiken konfrontiert. Angesichts des anhaltenden Aufstiegs von KI in Gesellschaft und Wirtschaft ist es nicht verwunderlich, dass sie im Allianz Risk Barometer eine wichtige Rolle spielt. KI bringt nicht nur enorme Chancen mit sich, sondern verändert durch ihr transformatives Potenzial und ihre rasante Entwicklung sowie Verbreitung auch die Risikolandschaft. Sie wird damit neben anderen etablierteren Bedrohungen weltweit zu einem herausragenden Thema für Unternehmen jeder Größe.“
Im Jahr 2026 sind Cybervorfälle zum fünften Mal in Folge das weltweit größte Risiko. 42 Prozent der Befragten stufen Cyber als Top-Risiko ein. Das ist der höchste jemals erreichte Wert. Zudem liegt Cyber zehn Prozentpunkte vor dem zweitgrößten Risiko mit 32 Prozent. Cyberrisiken stehen in jeder Region der Welt (Amerika, Asien-Pazifik, Europa sowie Afrika und Naher Osten) an erster Stelle. Die anhaltende Spitzenplatzierung im Allianz Risk Barometer spiegelt die zunehmende Abhängigkeit von digitaler Technologie in einer Zeit wider, in der sich die Cyberbedrohungslandschaft sowie das geopolitische und regulatorische Umfeld rasch verändern. Die jüngsten prominenten Cyberangriffe unterstreichen die anhaltende Bedrohung für Unternehmen aller Größen. Kleine und mittelgroße Firmen geraten vor allem aufgrund fehlender Ressourcen für Cybersicherheit zunehmend ins Visier von Kriminellen und stehen unter massivem Druck.
„Die Investitionen großer Unternehmen in Cybersicherheit und Resilienz haben sich ausgezahlt und sorgen dafür, dass sie Angriffe frühzeitig erkennen und darauf reagieren können. Allerdings entwickeln sich Cyberrisiken ständig weiter. Unternehmen sind zunehmend auf Drittanbieter für kritische Daten und Dienste angewiesen, während KI die Bedrohungen verstärkt, die Angriffsfläche vergrößert und bestehende Schwachstellen noch verschärft“, erklärt Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services bei Allianz Commercial.
KI ist in die Spitzengruppe der globalen Unternehmensrisiken aufgestiegen und liegt 2026 auf Platz 2 (32 Prozent) gegenüber Platz 10 im Vorjahr. Dies ist der größte Sprung in der diesjährigen Rangliste. KI ist in allen Regionen ein wichtiger Faktor – auf Platz 2 in Amerika, im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Afrika und im Nahen Osten und auf Platz 3 in Europa – und stellt auch für Unternehmen jeder Größe ein wachsendes Risiko dar. Sie ist bei großen, mittleren und kleinen Unternehmen unter die Top 3 vorgerückt. Da die Einführung von KI immer schneller voranschreitet und die Technologie immer tiefer in das Kerngeschäft eingebettet wird, erwarten die Befragten eine Zunahme der KI-bezogenen Risiken, insbesondere im Hinblick auf Haftungsfragen. Die rasante Verbreitung generativer KI-Systeme in Verbindung mit ihrer zunehmenden Nutzung in der Praxis hat das Bewusstsein dafür geschärft, wie stark Unternehmen diesen Risiken ausgesetzt sind.
„Unternehmen sehen KI zunehmend nicht nur als eine leistungsstarke strategische Chance, sondern auch als eine komplexe Quelle für operative, rechtliche und Reputationsrisiken. In vielen Fällen schreitet die Einführung schneller voran, als Governance, Regulierung und Unternehmenskultur mithalten können“, sagt Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz. „2026 werden immer mehr Unternehmen versuchen den Einsatz von KI auszuweiten. Sie werden sich vermehrt mit Problemen hinsichtlich der Systemzuverlässigkeit, Datenqualität, Integrationshürden und dem Mangel an qualifizierten Fachkräften konfrontiert sehen. Gleichzeitig entstehen neue Haftungsrisiken im Zusammenhang mit automatisierten Entscheidungsprozessen, voreingenommenen oder diskriminierenden Modellen, dem Missbrauch geistigen Eigentums und der Ungewissheit darüber, wer haftet, wenn durch KI generierte Ergebnisse Schaden verursachen.“
2025 markierte einen Wandel hin zu protektionistischer Handelspolitik und Handelskriegen, die die Weltwirtschaft verunsicherten. Es war auch ein Jahr regionaler Konflikte im Nahen Osten und des weiterhin tobenden Krieges in der Ukraine. Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und Pakistan, zwischen Thailand und Kambodscha und Bürgerkriege in Afrika kamen hinzu – ein Trend, der sich 2026 mit der US-Intervention in Venezuela fortsetzt. Geopolitische Risiken setzen Lieferketten zunehmend unter Druck, doch trotz steigender Risiken schätzen nur drei Prozent der Befragten des Allianz Risk Barometers ihre Lieferketten als „sehr resilient“ ein. Allein im vergangenen Jahr haben sich die Handelsbeschränkungen verdreifacht und betreffen Waren im Wert von schätzungsweise 2,7 Billionen US-Dollar – fast 20 Prozent der weltweiten Importe laut Allianz Trade. Dies veranlasst Unternehmen, Trends wie Friendshoring und Regionalisierung zu verfolgen. Diese Entwicklungen führen zu einer hohen Risikowahrnehmung: 29 Prozent der Befragten stufen Betriebsunterbrechungen als größte Gefahr ein. Das ist Platz 3 im Ranking gegenüber Platz 2 im Vorjahr.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Situation, überrascht es nicht, dass politische Risiken und Gewalt um zwei Plätze auf Rang 7 klettern – die höchste Platzierung seit dem Bestehen des Risk Barometers. Das eng damit verbundene Risiko von Gesetzes- und Regulierungsänderungen – einschließlich Handelszöllen – belegt weltweit Platz 4. Der Wert blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert, jedoch stieg die Prozentzahl der Befragten, was auf die Sorge vor zunehmendem Protektionismus zurückzuführen ist. Tatsächlich halten 51 Prozent der Befragten eine Lähmung der globalen Lieferketten aufgrund eines geopolitischen Konflikts für das wahrscheinlichste „black-swan“-Szenario, das in den nächsten fünf Jahren eintreten könnte.