BVR: Studie warnt vor Arbeitskräftelücke

Berlin (21.5.26) – Deutschland steuert aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten zehn Jahren auf eine beträchtliche Arbeitskräftelücke zu. Vor dem Hintergrund der anstehenden Reformen in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung sowie bei der Einkommensteuer warnt der BVR davor, die Reformen allein auf höhere Einnahmen der Sozialversicherungen auszurichten. “Die Sozialversicherungen müssen solide finanziert sein. Der Gesetzgeber muss die anstehenden Reformen aber auch dafür nutzen, dass sich zusätzliche Arbeit lohnt. Wer mehr arbeitet, muss auch spürbar mehr im Portemonnaie haben”, fordert Marija Kolak, Präsidentin des BVR.

Eine neue BVR-Studie verdeutlicht, dass für den Arbeitsmarkt nicht nur die Zahl der Erwerbstätigen entscheidend ist, sondern auch der Umfang der geleisteten Arbeitszeit. Wie stark sich der Arbeitsmarkt tatsächlich stabilisieren lässt, hängt deshalb wesentlich davon ab, wie viele Stunden im Durchschnitt pro Kopf gearbeitet werden. Kolak: “Es geht nicht darum, Teilzeit zurückzudrängen oder Menschen in längere Arbeitszeiten zu drängen. Entscheidend sind gute Rahmenbedingungen, damit zusätzliche Stunden dort möglich werden, wo Beschäftigte sie leisten können und wollen.”

Ein wesentlicher Grund für die niedrigere Arbeitszeit pro Kopf ist die stark gestiegene Teilzeitquote, die für viele überhaupt erst Erwerbstätigkeit ermöglicht. Umso wichtiger ist aus Sicht des BVR, Hürden für freiwillige Mehrarbeit abzubauen. Die Studie verweist dabei insbesondere auf Fehlanreize im Steuer- und Abgabensystem, die zusätzliche Arbeit unattraktiv machen können – etwa bei Zweitverdiensten oder beim Übergang von Minijobs in reguläre Beschäftigung. Konkret spricht sich der BVR für Reformen bei Minijobs, der beitragsfreien Mitversicherung und beim Ehegattensplitting aus. Zusätzliche Arbeitsstunden müssten sich netto stärker lohnen, Übergänge in reguläre Beschäftigung erleichtert und Fehlanreize für geringe Arbeitszeiten reduziert werden.

“Gerade in diesem Reformjahr kommt es darauf an, Finanzierung und Arbeitsanreize gleichermaßen im Blick zu behalten. Zusätzliche Arbeit entsteht nicht durch Appelle, sondern dort, wo sie sich für Beschäftigte lohnt und sich mit dem Alltag vereinbaren lässt“, betont Kolak. Mehr Produktivitätswachstum werde es zudem nur geben, wenn Unternehmen wieder stärker investieren und verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden. “Arbeitnehmer und Arbeitgeber brauchen die Perspektive, dass sich mehr Leistung, mehr Verantwortung und mehr Einsatz in Deutschland wieder auszahlen“, so die BVR-Präsidentin.

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