VÖB:

Kapitalmarktprognose – Nur leichte

konjunkturelle Erholung, Zinssenkungen rücken näher

Frankfurt/Main (24.4.24) – Das weltwirtschaftliche Umfeld zeigt aktuell divergierende Tendenzen. Getragen von einem recht starken Arbeitsmarkt, läuft die US-Konjunktur sehr robust, während die Erholung in China schleppender vorangeht. Mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten bleibt die geopolitische Lage äußerst angespannt. Sollte der Nahost-Konflikt weiter eskalieren und zu einem substanziellen Ölpreisanstieg führen, würde die fragile globale Konjunktur weiter belastet und der Rückgang der Inflationsraten gefährdet.

Für die Eurozone gibt es spürbare Signale, dass die seit über einem Jahr anhaltende Wachstumsflaute im weiteren Jahresverlauf zu Ende geht. Auch in Deutschland dürfte es, gestützt von einer nachlassenden Inflation und höheren Löhnen, zu einer leichten konjunkturellen Erholung kommen. Allerdings dürften die Nachfragekräfte insgesamt noch schwach bleiben, während gleichzeitig der Fachkräftemangel zu einer immer ernsteren Wachstumsbremse wird.

In diesem Umfeld erwarten die VÖB-Kapitalmarktexperten Manfred Bucher (BayernLB), Michael Klawitter (DekaBank), Birgit Henseler (DZ BANK AG), Ulf Krauss (Helaba), Dr. Thomas Meißner (LBBW) und Christian Lips (NORD/LB) für das Gesamtjahr ein deutsches BIP-Wachstum in einer Spanne von 0,2 bis 0,8 Prozent. Für das kommende Jahr 2025 wird eine Fortsetzung dieses Trends bei Wachstumsraten zwischen 1,0 und 1,6 Prozent prognostiziert.

Sofern es zu keinen neuen exogen Preisschocks kommt, rechnen die beteiligten Banken in den kommenden zwölf Monaten mit einer deutschen Inflationsrate in einer Spanne zwischen 2,0 und 3,0 Prozent. In Euroland insgesamt dürfte sie etwas niedriger liegen. Mittelfristig könnten globale Megatrends wie Deglobalisierung, Dekarbonisierung und die demografische Entwicklung wieder für inflationären Druck sorgen.

Aus der EZB gab es zuletzt immer mehr Signale für eine erste Zinssenkung, während die US-Notenbank angesichts höherer Inflationsraten noch etwas länger abwarten dürfte. Die VÖB-Kapitalmarktstrategen erklären gemeinsam: „Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Juni ist zuletzt stark gestiegen. Die Entspannung bei den Inflationsraten liefert der EZB dafür den nötigen Spielraum. Sie betont dabei allerdings ihren datenabhängigen Ansatz. Wie viele Zinsschritte im weiteren Jahresverlauf noch folgen, wird daher auch von der Entwicklung der Tariflöhne und der Gefahr von Zweitrundeneffekten abhängen.“

Vor allem in den USA sind die Kapitalmarktrenditen im bisherigen Jahresverlauf spürbar angestiegen, während sie zuvor noch gesunken waren. Angesicht der geopolitischen Lage dürften die Unsicherheiten an den Märkten weiter hoch bleiben. Bei den Renditen rechnen die VÖB-Kapitalmarktexperten im Durchschnitt mit einer Seitwärtsbewegung. Dabei dürfte sich die Zinsstrukturkurve für Bundesanleihen bis zum Jahresende verflachen.