Creditreform:

Zahlungsziele nach hinten gerückt

Neuss (1.2.24) – Im zweiten Halbjahr 2023 sank der Zahlungsverzug bei deutschen Unternehmen auf durchschnittlich 8,47 Tage. Aber: Im selben Zeitraum gewährten Kreditgeber und Lieferanten ihren Geschäftspartnern deutlich längere Zahlungsziele als Reaktion auf die insgesamt schwierige wirtschaftliche Lage. Unter dem Eindruck hoher Kosten und sinkender Liquiditätsbestände zeigen sich Unternehmer verunsichert.

Kreditgeber und Lieferanten räumten ihren Geschäftskunden in den vergangenen Monaten längere Zahlungsziele ein. So lag das durchschnittliche Zahlungsziel der Unternehmen im 2. Halbjahr 2023 bei 32,05 Tagen (1. Halbjahr 2023: 29,93 Tage). Durch die Ausweitung der Zahlungsfristen blieb den Schuldnern mehr Zeit zum Begleichen der Rechnungen. Infolgedessen verringerte sich der Zahlungsverzug. Im 2. Halbjahr 2023 waren Rechnungen im Durchschnitt 8,47 Tage überfällig (1. Halbjahr 2023: 10,77 Tage).

„Die Gefahr von Insolvenzen und Forderungsausfällen ist deutlich gestiegen. Das Risikomanagement erfordert deshalb hohe Aufmerksamkeit. Die schlechteren Rahmenbedingungen stellen gerade viele Geschäftspartner vor enorme Herausforderungen. Das erfordert ein sensibles Agieren und Abwägen“, kommentiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, die aktuellen Daten.

Aktuell kehren die Zahlungsziele wieder zu früheren Werten zurück. Vor Beginn der Pandemie waren Zahlungsziele von rund 32 Tagen üblich. Während der Corona- und der Energiepreiskrise hatten die Lieferanten die Zahlungsfristen eingeschränkt, auch um Ausfallrisiken zu minimieren.

Forderungen über 40 Tage offen

Die Forderungslaufzeit, die sich aus dem vereinbarten Zahlungsziel zuzüglich eines eventuellen Zahlungsverzugs zusammensetzt, war im 2. Halbjahr 2023 mit 40,52 Tagen nahezu unverändert (1. Halbjahr 2023: 40,70 Tage). Dabei existieren deutliche Unterschiede bei den Forderungslaufzeiten je nach Branche des Schuldners. Im 2. Halbjahr 2023 schwankte die Forderungslaufzeit zwischen 45,35 Tagen (Metall- und Elektrobranche) und 33,69 Tagen (Konsumgüterbranche).

„Die Transaktionswerte dürften aufgrund der verschlechterten und unsicheren Wirtschaftslage tendenziell sinken. So mussten Geschäfte storniert oder verschoben werden“, sagt Hantzsch weiter. Damit verringerte sich der Wert einer zu spät bezahlten Rechnung auf durchschnittlich 1.955 Euro (1. Halbjahr 2023: 2.234 Euro). Das Volumen der Außenstände blieb trotz der aktuellen Minderung aber auf einem hohen Niveau.

Großunternehmen erhalten mehr Zeit

Mehr als die Hälfte der Außenstände in Deutschland (59,4 Prozent) entsteht durch Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern. Dieser Anteil war zuletzt jedoch rückläufig (minus 1,4 Prozentpunkte). Kleinunternehmen mit höchstens 50 Mitarbeitern waren für 27,1 Prozent des überfälligen Forderungsvolumens verantwortlich – mit steigender Tendenz (plus 1,3 Prozentpunkte).

„Große Firmen bekamen 1,76 Tage mehr Zeit zum Begleichen von Rechnungen als in der Vorperiode. Kleinunternehmen wurden nur 0,79 Tage zusätzlich gewährt. Das kann Ausdruck von Marktmacht sein, ist aber auch betriebswirtschaftlich nachzuvollziehen, da Großkunden meist ein niedrigeres Ausfallrisiko aufweisen“, erläutert DRD-Leiterin Janine Stappen. Insgesamt werde Großunternehmen derzeit ein Zahlungsziel von 34,25 Tagen eingeräumt, Kleinunternehmen erhalten 26,80 Tage.

Für die aktuelle Studie hat die Creditreform Wirtschaftsforschung rund 3,8 Millionen Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD) ausgewertet.

Datenbasis Creditreform Zahlungsindikator Deutschland:

  • Zu rund 1,04 Mio. Unternehmen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.
  • Das gesamte Belegvolumen beträgt rund 86 Mrd. Euro.
  • Monatlich werden aktuell ca. 26 Mio. Zahlungsinformationen eingeliefert.
  • Die Zahlen zum Zahlungsindikator beruhen auf überfälligen, aber ausgeglichenen Belegen.