Ernst & Young EY:

EU-Neuwagenmarkt – Absatzniveau sinkt 2022 auf Rekordtief

 Frankfurt/Main (18.1.23) – Trotz des kräftigen Wachstums im Dezember, in dem die Zahl der Neuzulassungen EU-weit um 13 Prozent stiegen, sank der Neuwagenabsatz 2022 auf einen neuen Rekord-Tiefstand: Im Vergleich zum bereits sehr schwachen Vorjahr gingen die Neuzulassungen nochmals um 5 Prozent zurück, im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 schrumpfte der Absatz sogar um 29 Prozent.

„Das Absatzjahr 2022 war historisch schwach“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. Der Hauptgrund für das niedrige Absatzniveau seien in erster Linie Lieferengpässe bei Halbleitern und anderen Vorprodukten gewesen, so Fuß: „Die Chipkrise hat zu massiven Produktionsausfällen geführt, von denen sich die Branche aber langsam erholt.“

Inzwischen habe sich die Versorgungssituation etwas entspannt, und die Lieferfähigkeit der Industrie werde sich im Jahresverlauf noch weiter verbessern, so dass zumindest die Verfügbarkeit von Neuwagen in den kommenden Monaten ein immer geringeres Problem werde – auch die Lieferzeiten werden sinken, so Fuß. „Unklar ist aber, wie groß die Nachfrage von Unternehmen und Privatleuten dann noch ist. Denn die Konjunktur schwächelt, und selbst wenn die befürchtete Rezession ausbleibt, bleiben Unternehmen und Privatleute bei Neuwagenbestellungen zurückhaltend.“ Es spreche daher viel dafür, dass im neuen Jahr die Nachfrage nach Neuwagen weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau liegen werde, so Fuß.

Jahresendspurt bei Elektroautos – vor allem in Deutschland

Im Dezember legten die Neuzulassungen reiner Elektroautos in den größten fünf Märkten Westeuropas[1] insgesamt um 65 Prozent zu. Der Marktanteil reiner Elektroautos in den Top-5-Märkten stieg im Vergleich zu Dezember 2021 von 16,3 auf 23,0 Prozent – ein neuer Rekordwert.

Der Grund für diese starken Wachstumszahlen ist allerdings in erster Linie die Sondersituation in Deutschland, wo die Reduzierung der Förderung ab Januar 2023 zu einem Last-Minute-Ansturm auf Elektroautos führte. So stiegen die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland um 115 Prozent, der Marktanteil schnellte auf 33,2 Prozent hoch.

Außerhalb Deutschlands war die Entwicklung deutlich verhaltener: Während in Großbritannien immerhin noch ein Plus von 53 Prozent verzeichnet wurde, kletterte der Absatz von Elektroautos in Frankreich nur um acht Prozent. In Italien und Spanien war der Absatz im Dezember sogar rückläufig.

„Die Dynamik bei der E-Mobilität ist immer noch maßgeblich bestimmt durch die Höhe der staatlichen Subventionen, das Hochfahren der E-Mobilität ist längst noch kein Selbstläufer“, sagt Fuß. „Die Reduzierung der Umweltprämie für Elektroautos dürfte in diesem Jahr zu einem deutlich abgebremsten Wachstum im Elektrosegment in Deutschland, dem größten Markt für Elektroautos in Europa, führen. Der Boom im Dezember in Deutschland war ein Strohfeuer – die sinkende Förderung und hohe Strompreise werden wir im neuen Jahr deutlich spüren, vor allem im niedrigeren Preissegment, wo die staatliche Förderung besonders wichtig ist.“

Ähnlich dynamisch wie die Neuzulassungen von Elektroautos entwickelte sich im Dezember der Absatz von Plug-in-Hybriden – angetrieben von eine 113-prozentigem Wachstum in Deutschland. Die Neuzulassungen dieser Antriebsart stiegen in den Top-5-Märkten im Dezember um 53 Prozent. Der Marktanteil stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat in den Top-5-Märkten von 10,0 auf 13,2 Prozent. In Spanien, Italien und Frankreich sanken allerdings die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden. „Plug-in-Hybride werden eine Nische bleiben – Wachstum werden wir hier nicht mehr sehen“, sagt Fuß. „Mit dem Auslaufen der staatlichen Förderung in Deutschland seit dem 01. Januar sind diese Autos eigentlich nur noch als Geschäftswagen interessant.“