Ernst & Young EY: DAX-Konzerne

erwirtschaften im 3. Quartal

Rekordgewinne und -umsätze

Stuttgart (17.11.22) – Trotz erheblicher wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten, einer rekordhohen Inflation und steigender Energie- und Materialkosten: Das Geschäft der DAX-Konzerne nahm im dritten Quartal weiter Fahrt auf. Mit einem Umsatzwachstum von insgesamt 23 Prozent haben die DAX-Konzerne das dritte Quartal 2022 erneut auf Rekordniveau abgeschlossen – und zudem das stärkste Umsatzwachstum seit mindestens zehn Jahren verzeichnet. Im zweiten Quartal war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum „nur“ um 14 Prozent gestiegen.

Auch beim Gewinn wurde ein neuer Rekordwert erreicht: Der operative Gewinn kletterte um 28 Prozent auf 44,7 Milliarden Euro und war damit so hoch wie nie zuvor in einem dritten Quartal. Im zweiten Quartal war unterm Strich noch ein Gewinnrückgang um 19 Prozent registriert worden.

Fast alle DAX-Unternehmen legten beim Umsatz zu – nur ein Unternehmen verzeichnete niedrigere Umsätze als im Vorjahreszeitraum. Die Gewinnentwicklung war weniger einheitlich: Bei immerhin 13 Unternehmen ging der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der derzeit im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

„Auf den ersten Blick entwickeln sich viele DAX-Konzerne derzeit gerade bärenstark“, fasst Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY, zusammen. „Wer mit einem Einbruch des Geschäfts gerechnet hatte, sieht sich getäuscht: Bei der Mehrzahl der DAX-Unternehmen steigen Umsatz und Gewinn, das Geschäft brummt.“

“Es scheint, dass der Schwung der ersten drei Quartale ausreicht, damit 2022 in Summe ein Rekordjahr wird“, ergänzt Mathieu Meyer, Partner bei EY. Angesichts eines ganzen Bündels an Herausforderungen, mit denen fast alle Unternehmen zu kämpfen haben, sei aber nur den wenigsten zum Feiern zumute. „Bislang gelingt es den meisten DAX-Unternehmen, die steigenden Kosten bei Personal, Beschaffung, Logistik und Energie auf ihre Kunden umzulegen. Und zu dem befürchteten Nachfrageeinbruch ist es bislang nicht gekommen – zudem bieten die hohen Auftragspolster einen komfortablen Puffer gegen eine zurückgehende Nachfrage. Aber niemand kann sagen, wie lang diese Situation anhält. Nach wie vor droht eine Rezession – und das werden wir früher oder später auch in den Bilanzen der DAX-Konzerne sehen.“

Starkes Wachstum auf dem US-Markt – schwacher Euro gibt Rückenwind

Derzeit erzielen die deutschen Unternehmen vor allem in den Vereinigten Staaten hohe Wachstumsraten: In Nordamerika stiegen die Umsätze in Summe um 29 Prozent, der Anteil der Region am Gesamtumsatz der DAX-Konzerne stieg gegenüber dem Vorjahr von 29,8 auf 32,2 Prozent. „Die Nachfrage hat sich in den Vereinigten Staaten zuletzt sehr stark entwickelt – trotz der auch dort nicht einfachen Rahmenbedingungen“, beobachtet Meyer. „Hinzu kommen allerdings auch Währungseffekte: Der Wertverlust des Euro lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung wachsen – wovon vor allem stark internationalisierte Unternehmen profitieren, die erhebliche Umsätze außerhalb des Euroraums erwirtschaften.“

In Europa wurde ein Umsatzwachstum von 15 Prozent erzielt, in Asien lag das Wachstum bei 16 Prozent. Laut Meyer erweist sich der hohe Internationalisierungsgrad vieler Unternehmen nach wie vor als wichtiger Bestandteil des Erfolgs der deutschen Top-Konzerne: “Die deutschen Unternehmen profitieren weiterhin von ihrer internationalen Aufstellung. Rückgänge in einzelnen Märkten können durch Wachstum in anderen Ländern kompensiert werden. Bis auf Weiteres aber bleiben die Märkte in Übersee wichtige Wachstumsmotoren für Deutschlands Top-Konzerne.“

Mercedes schiebt sich vor Volkswagen im Gewinnranking

Die gewinnstärksten Unternehmen waren im dritten Quartal einmal mehr die Autokonzerne, die ihren Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 58 Prozent auf gut 13 Milliarden Euro steigern konnten. Mercedes-Benz war mit 5,2 Milliarden Euro das gewinnstärkste DAX-Unternehmen – vor Volkswagen (4,3 Milliarden Euro) und Siemens (3,9 Milliarden Euro).

Bei der Beschäftigung reichte es bei den DAX-Konzernen in Summe immerhin für ein Plus von 1,5 Prozent – das allerdings auch auf Zukäufe zurückzuführen ist. Acht Unternehmen meldeten eine niedrigere Beschäftigtenzahl als im Vorjahr.

„Die Beschäftigung steigt immer noch, was ein deutliches Zeichen der Zuversicht aufseiten der Unternehmen ist“, sagt Ahlers. „Aber auch wenn viele Unternehmen zuletzt ihre optimistischen Jahresprognosen bestätigt oder sogar erhöht haben, waren die Fragezeichen in Bezug auf die weitere Entwicklung im kommenden Jahr selten so groß wie heute. Die Unternehmen fahren auf Sicht, meiden größere Risiken und rechnen jederzeit mit neuen Rückschlägen.“ Ahlers bleibt aber vorsichtig optimistisch: „Der Gegenwind wird zwar stärker, eine tiefe Krise ist aber unwahrscheinlich.“

Hohe Energiepreise: Standort Deutschland in Gefahr

Während die meisten DAX-Unternehmen gut gewappnet scheinen für einen möglichen Wirtschaftsabschwung, macht Ahlers sich Sorgen um den Standort Deutschland: „Für energieintensive Branchen entwickeln sich die Strom- und Gaspreise zur Existenzfrage. Großunternehmen können Produktion ins Ausland verlagern, kleine Mittelständler häufig nicht, ihnen droht das Aus. Bei den Energiekosten liegt Deutschland weltweit an der Spitze – ein Industriestandort, der sich immer wieder neu im weltweiten Wettbewerb behaupten muss, kann sich derart hohe Energiekosten nicht leisten. Wir müssen Wege finden, wie die Kostenexplosion am Standort Deutschland gebremst wird, sonst verliert Deutschland im weltweiten Produktionsverbund der Großkonzerne immer mehr an Bedeutung.“