Ernst & Young EY: EU-Neuwagenmarkt mit leichtem Plus – aber weiter deutlich unter Vorkrisenniveau

Frankfurt/Main (16.9.22) – Die Lage auf dem europäischen Neuwagenmarkt bleibt äußerst angespannt: Im August stiegen zwar die Pkw-Neuzulassungen in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4 Prozent. Gegenüber dem Vor-Pandemieniveau (August 2019) ergibt sich aber ein Rückgang um 31 Prozent.

Das leichte Plus im Vergleich zu August 2021 sei in erster Linie auf das sehr schwache Vorjahr zurückzuführen, so Peter Fuß, Partner bei EY: „Im Spätsommer 2021 hatte der Chipmangel den Neuwagenmarkt mit voller Wucht erfasst und für deutliche Absatzrückgänge gesorgt. Von diesem Einbruch hat sich der Markt immer noch nicht erholt – stattdessen erleben wir gerade eine Art Plateaubildung auf niedrigem Niveau.“

Es sei weiterhin in erster Linie der Mangel an Vor- und Zwischenprodukten, der die Neuwagenproduktion massiv ausbremse, so Fuß: „Es besteht immer noch eine Vielzahl an Versorgungsengpässen. Halbleiter und Rohstoffe sind nach wie vor knapp, was in der Produktion zu erheblichen Beeinträchtigungen führt. Hinzu kommt der drastische Anstieg der Energiepreise, der für zusätzliche Probleme in Teilen der Wertschöpfungskette sorgt.“

Angesichts der sehr schwierigen Konjunkturlage und der Energiepreiskrise rechnet Fuß nicht mit einer Verbesserung der Lage auf dem Neuwagenmarkt: „Die Verfügbarkeit von Neuwagen wird vorerst eingeschränkt bleiben, auch wenn sich hier die Situation leicht zu verbessern scheint. Zunehmend werden wir aber ein Nachlassen der Nachfrage sehen. Gleichzeitig bleibt die Inflation sehr hoch – mit entsprechenden Folgen für die Kaufkraft. Die Situation bleibt vorerst äußerst angespannt.“

Für das Gesamtjahr 2022 rechnet Fuß mit einem Rückgang der Neuzulassungen in der EU um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr: „Der EU-Neuwagenmarkt wird 2022 einen neuen historischen Tiefstand erreichen. Und es gibt derzeit wenig Grund anzunehmen, dass es 2023 zu einer deutlichen Erholung kommt. Das Vorkrisenniveau bleibt in weiter Ferne.“

Mehr Elektroautos – weniger Plug-in-Hybride

Im August legten die Neuzulassungen reiner Elektroautos in den größten fünf Märkten Westeuropas[1] wieder stärker zu: um 14 Prozent und damit genau so stark wie im ersten Halbjahr. Allerdings verzeichneten Italien und Österreich rückläufige Zulassungszahlen bei E-Autos, während der Absatz etwa in Großbritannien (plus 35 Prozent) und Frankreich (plus 24 Prozent) kräftig stieg. Der Marktanteil reiner Elektroautos in den Top-5-Märkten stieg im Vorjahresvergleich von 11,0 auf 12,0 Prozent. In Deutschland lag er mit 16,1 Prozent am höchsten, während in Spanien gerade einmal 2,7 Prozent aller neu zugelassenen Pkw Elektroautos waren.

„Wir sehen insgesamt ein anhaltend großes Interesse an Elektroautos, und die Versorgungslage scheint sich langsam wieder zu verbessern“, sagt Peter Fuß. „Damit spricht einiges für ein weiteres starkes Wachstum dieses Segments in den kommenden Monaten.“

Weiter rückläufig war hingegen der Absatz von Plug-in-Hybriden. Deren Neuzulassungen schrumpften in den Top-5-Märkten im August um fünf Prozent, der Marktanteil sank im Vergleich zum Vorjahresmonat von 9,3 auf 8,5 Prozent. „Plug-in-Hybride haben es derzeit auf dem Markt schwer“, sagt Fuß. „Zum einen werden Elektroautos immer besser – nicht zuletzt in Bezug auf die Reichweite. In Deutschland führt die Ende des Jahres auslaufende Förderung zwar zu einem Jahresendspurt – ab dem kommenden Jahr dürfte der Absatz von Plug-in-Hybriden aber nochmal kräftig unter Druck geraten.“