Commerzbank:

Deutsches BIP – Wachstum adé

Frankfurt/Main (29.7.22) – Nach einem fulminanten Jahresauftakt ist das Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal zum Erliegen gekommen, ohne dass eine Besserung in Sicht ist. Die hohe Inflation und die Angst vor einer Gaskrise haben die Stimmung der Verbraucher und Unternehmen einbrechen lassen. Das Rezessionsrisiko steigt. Wie sich die Wirtschaft am Ende tatsächlich entwickelt, hängt vor allem von Putins Gaslieferungen ab.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat im zweiten Quartal gegenüber dem ersten laut der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes stagniert (0,0%). Das lag leicht unter den Erwartungen (Konsens & Commerzbank: 0,1%).

Massive Revisionen der zurückliegenden Daten

Die Statistiker haben die zurückliegenden Daten teilweise deutlich revidiert. So weisen sie jetzt für das erste Quartal ein Wachstum von 0,8% auf, bisher waren es 0,2%. Dagegen haben sie das dritte Quartal 2021 von 1,7% auf 0,7% nach unten revidiert. In der Summe hat sich die Ausgangsbasis für die 2022-er Prognose leicht um 0,2 Prozentpunkte verbessert.

Die Gründe für die Stagnation im zweiten Quartal

Corona und die Lockdowns spielten mit Blick auf das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal praktisch keine Rolle. Dagegen haben andere Faktoren das Wachstum zum Erliegen gebracht. So klagen rund 80% der Industrie-Unternehmen, dass ihre Produktion durch ein Fehlen von Vorprodukten behindert wird. Außerdem dürfte der private Verbrauch im zweiten Quartal unter der hohen Inflation und dem Ukraine-Krieg gelitten haben. So zeichnet sich beim Einzelhandelsumsatz des zweiten Quartals ein Minus von rund 3% gegenüber dem ersten Quartal ab.

Vor einem schwierigen zweiten Halbjahr

Auch im dritten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft kaum besser abschneiden als im zweiten Quartal, wobei die Risiken klar nach unten gerichtet sind. So ist das GfK-Konsumklima beispiellos eingebrochen (Grafik). Aber auch das Ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex, die die künftige Industrieproduktion in der Regel recht zuverlässig vorwegnehmen, sind stark gefallen, wobei ein Ende des Abschwungs nicht in Sicht ist. Putin dürfte nämlich weiter am Gashahn drehen. Wenn wir gerade so durch den Winter zu kommen scheinen, dürfte er die Gaslieferungen erneut kürzen. So will Putin die Politiker und Wähler weichkochen, damit sie die Ukraine nicht weiter militärisch unterstützen und seinen Vormarsch vereiteln. Dieser Nervenkrieg um das Gas wird Unternehmen und Verbraucher weiter verunsichern, sie werden sich beim Geldausgeben zurückhalten. Das Rezessionsrisiko steigt.

Chart 1 – Einbruch des Konsumklimas noch tiefer als bei Corona
GfK Konsumklima, saisonbereinigte Monatswerte
Image loading...
Quelle: IHS, Commerzbank-Research